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KC-Blätter · 1914-07-01 · Heft 10 (1.7.1914) · p. Seite 220

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 10 (1.7.1914)
Date
1914-07-01
Page
Seite 220 (sequence 12)
Language
German
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denen hervorgehen soll, daß die Aahl der Juden erheblich größer wäre, so übersieht ex, daß in Palästina überhaupt keine Volkszählungen stattfinden, sondern daß alleZahlen auf Schätzungen beruhenNach neueren, vermutlich übertriebenen zionistischen Schätzungen soll inzwischen die Zahl der Juden auf 100000 gewachsen sein, eine Zahl, mit. der ich rechnete, als ich den Anteil der Juden aus % der Gesamtbevölkerung bezifferte. Es berührt .natürlich meine Ausführungen in keiner Weise, ob die Gesamtzahl, der Juden 80000 oder oder 100000 oder sogar noch mehr beträgt. Denn eine erhebliche Differenz könnte höchstens hinsichtlich der städtischen Bevölkerung in Frage kommen, während für den Umfang der Kolonisationstätigkeit nur die in den Kolonien wohnende Bevölkerung entscheidend ist. Für diese geben uns nun die . großen jüdischen Organisationen ziemlich genaue Ziffern. So betrug im Jahre 1913'die jüdische Bevölkerung in den Kolonien nach zionistischer Schätzung 2) 10015 Seelen, nach Schätzung frei* * Jewish Colonisation Association3) 9000 Seelen. Also auch hier war meine Angabe, daß die Zahl 10600 betrüge, richtig, während Friedemanns Angabe, der die Zahl auf 15000 schätzte, um 50% übersetzt war. So verhält es sich aber mit allen Einwendungen Friedemanns. Selbstverständlich habe ich niemals behauptet, wie mir Friedemann — wohl scherzhaft -7 in den Mund legt, daß die Bevölkerungsdichte New-I)orks geringer sei als die Palästinas. Ich habe vielmehr nur 'festgestellt, daß Palästina bereits heute um ein Vielfaches dichter bevölkert ist, als alle anderen Kolonisationsländer. Da nicht die Straßen New-Iorks, sondern nur die weiten Landflächen Amerikas für die Kolonisation in Betracht kommen, so ist selbstverständlich auch nur die Bevölkerungsdichte des ganzen Landes maßgebend. Die geringe Bevölkerungsdichte in Argentinien, in den Vereinigten Staaten und in Kanada haben es mit viel geringeren Mitteln ermöglicht, dort bereits heute eine 6 mal so große landwirtschaftliche jüdische Bevölkerung ansässig zu machen als in Palästina. Richtig ist allerdings, daß der weitaus überwiegende Bestandteil der jüdischen Auswanderung überhaupt nicht für die Kolonisation in Betracht kommt, sondern zur Niederlassung in den großen amerikanischen Städten gezwungen ist. Richtig ist auch, daß das Judenelend in den nmerikanischen Großstädten recht groß ist. Wie ') Bergt. Eberhard,; Jüdische Bevölkerungsstatistik im osmanischen Reich („Jüdische Rundschau" vom8.Noveyiber 1912). , - : 2) Nawratzki, Die jüdische Kolonisation Palästinas, Anlage 18. - H) Rapport de : l’adminiRtration centrale präsente ,ÜL l’assembl^e gdndrale du 29. juin 1913. : könnte es auch. anders sein,, da fast Z5 %-aller jüdischen Einwanderer-ein Vermögen,von.weyiger. als-60 Dollar besitzen-- Trotzdem geht es den New-Aorker Juden, die in. der zmesten Generation oftsehrraschauffteigen,immernöchbesser.alsdenen Jerusalems, abgesehen davon-,haß Palästina über-, Hauptniemals die osteuropäischen Jüdeymassen aufnehmen könnte. Nur.) ein Land, mit einer so starken industriellen Entwickelung, und einem so fortgeschrittenen kapitalistischem: Wirtschaftsleben, wie Amerika, permag den Einwandererströmen, die Jahr für Jahr die. osteuropäischen Ghettis verlassen, eine sichere Existenz zu gewähren. Sieht sich doch gerade jetzt das zionistische Palästinaamt gezwungen, den jüdischen Arbeitern Osteuropas von einer Einwanderung nach Palästina dringend abzuraten, weil infolge einer Mehreinwanderung einiger hundert yeminitischer und maeedonischer Juden es unmöglich ist, weiteren Arbeitern Unterkunst zu .bieten! *) Anderseits klagt Franz Oppenheimer darüber, daß das Land, von Akademikern überschwemmt sei, die keine Lebensexistenz dort habend) Ich muß ferner Friedemann widersprechen, wenn er bestreitet, daß der Bodenerwerb in Palästina nur durch Auskaufen der Araber möglich sei. Hat doch der Leiter des Palästinaamts noch auf dem letzten Zionistenkonareß (sten. Protokoll S. 213) erklärt: „Vorläufig ist jeder Fußbreit brauchbarer Boden dort (in Palästina) im Privatbesitz und — wenn auch extensiv - bearbeitet, und vorläufig sind die Araber der Zahl nach 6 mal stärker als wir." Die Bodenpreise des Landes, das natürlich nur käuflich zu erwerben ist, betragen nach den Angaben des zionistischen Merkbuches (S. 30) für den Hektar (etwa gleich 11 Dunam) unbebauten ländlichen Besitzes 200—2000 Frs. je nach der Lage. Eine Gruppe amerikanischer Zionisten zahlte kürzlich fiir 6000 Dunam unbebauten Landes 270000 Frs., für den Dunam also 45 Frs., während die deutsche Zionistische Organisation mit einem Preis von 55 Frs. pro Dunam rechnet.3) Friedemann gibt dagegen 4—5 Frs. pro Dunam als Preis an; er bleibt also auch hier um ein Vielfaches hinter der Wirklichkeit zurück! In dem Eifer, mir einen Fehler nachzuweisen, passiert dabei Friedemann das Unglück,die Fru ch tbarkeit des Bodens noch viel ungünstiger hinzustellen, als ich es getan habe: Ich hatte genau rechnungsmäßig festgestellt, daß her jüdische Grundbesitz Vso des Landes ausmache. Friedemann will ') Vergl. die „Welt" vom 5 Juni 1914, 5pl. . 2) Vergl. „Jüdische Rundschau" v. 1p. Juni 1914. *) Vergl.,-Jüdische Ruridschau^v. 26DWW1A G.W.

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