KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 10 (1.7.1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 219 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Sprache, daß man nichts Schlechteres tun könne, als Mühe, Geld und Zeit an die Erschließung des heiligen Landes zu wenden, dessen Beschaffenheit und geographische Lage ihm vielmehr eine zweite Blüte sichern. Mühelos allerdings fällt uns nichts in den Schoß, und vor dem Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Wenn ich nun auch dem Herrn Verfasser in seinen Jrrtümern und unrichtigen Angaben entgegentreten müßte, so stimme ich ihm doch in einem sehr wesentlichen Punkte,zu: Die Judenfrage ist zweifellos nicht altern durch eine Besiedelung Palästinas zu lösen, vielmehr kann sie nur eine Teillösung bleiben. Der Kampf gegen den Antisemitismus muß in Deutschland selbst geführt werden mit allen den Mitteln, welche uns unsere Ehre, unser Selbsterhaltungstrieb und nicht zum wenigsten unsere Vaterlandsliebe vorschreiben. Wir dürfen nicht vergessen, daß wir ein Anrecht aus die Gleichberechtigung haben, welches wir uns durch die Blutsteuer in vier großen Kriegen, sowie durch zahllose Taten des Friedens erwarben. Der K.C.-Gedanke muß auch im bürgerlichen Leben der Leitstern unseres Handelns bleiben, denn wir sind'Deutsche durch und durch, und manche von unswohnen länger in diesem Lande als viele, die Ms als Fremde ansprechen. Diese für uns unbestreitbaren Tatsachen dürfen uns aber nicht dafür blind machen, daß die Lösung der Judensrage in unserem Vaterlande nicht allein erfolgen kann. Die Kolonisation großer Massen muß mit dem Kampf um den eigenen Herd parallel gehen. Die Kolonisation Palästinas aber darf uns nicht von geringerer Wichtigkeit sein, als irgend ein anderer Teil unseres Kulturwerkes. Jeder Versuch, das Interesse daran zu schwächen oder gar zu beseitigen, verdient energische Zurückweisung. Walter Friedemann. (Badeniae.) * 4- -r- Replik. Von Karl Löwenstein (Licariae, Rheno-Silesiae), Aachen. Wenn Friedemann meine Arbeit als gänzlich unzuverläßlich hinstellen will, dann hätte er wenigstens seine Angaben quellenmäßig belegen müssen und sich nicht damit begnügen dürfen, meinen eingehend begründeten und belegten Ausführungen unbewiesene Behauptungen gegenüberzustellen, die — was im folgenden Punkt für Punkt dargetan werden soll — entweder falsch sind oder auf groben Jrrtümern beruhen. Jedenfalls wird mein Material nicht dadurch erschüttert werden könnendaß Friedemann einen Mann wie Hermann Güthe, den bekannten Leipziger Professor, den Herausgeber der ^Zeitschrift des deutschen Palästina-Vereins" und heute wohl bedeutendsten deutschen Palästinaforscher, als eine unbekannte Größe hinstellt. Friedemann befindet sich zunächst im Unrecht, wenn er einfach bestreitet, daß die Charteridee endgültig aüfgegeben sei. Erklärte doch bereits im Jahre 1909 Max Nordau, der langjährige Leiter der Zionistenkongresse aus dem 9. Zionistenkongreß (Sten. Protokoll S. 21): „Der Charter war ein persönlicher Gedanke unseres verewigten Herzl, ein Gedanke, der sich verteidigen ließ, als der Schöpfer unserer Bewegung ihn faßten Er hat ihn nicht verwirklichen können, und er hat unter den heutigen Verhältnissen keine Berechtigung mehr. Wir können ihn ruhig fallen lassen. Aus dem letzten Zionistenkongreß (Sten. Protokoll S. 204) hat der Leiter des Palästinaamts, Dr. Ruppin, bestätigt, daß der Chartergedanke durch das Arbeitsproaramm abaelöst sei. Er führte aus: „Früher hatte unsere Bewegung in der Charteridee ein großes Ideal. Wir haben uns jetzt damit abgesunden, daß wir unser Ziel nicht durch den Charter, sondern durch praktische Arbeit in Palästina erreichen müssen. (Lebhafter Beifall)." Es wäre mir ein Leichtes, hierfür noch Hunderte von Belegstellen anzuführen. Jedoch handelt es sich um eine Tatsache, die jedem Kenner der zionistischen Bewegung vertraut ist. Ebenso unrichtig ist es, daß man sich heute mit der Vorbereitung der Kolonisation durch Schaffung von Kolonisationsbedingungen begnüge. Das war allerdings, wie Prof. Marburg in seiner Eröffnungsrede aus dem letzten Zionistenkongreß (vergl. Vten. Protokoll S. 8 s.) aussührte, das Programm der zweiten, jetzt überwundenen Periode der zionistischen Bewegung. Marburg jedoch erklärte und das Palästinareserat Ruppins bestätigte das, daß heute die zionistische Organisation systematische Kleinkolonisation betreibt. Der Beschluß der Leipziger Deligiertenversammlung, eine deutsche Achusa zu schaffen, war der charakteristischste Ausdruck dieses Programrns. Friedemann bekämpft sodann meine Angabe, daß in Palästina 700000 Menschen wohnen, darunter 80000 Juden. Das von der zionistischen Organisation offiziell herausgegebene „zionistische Merkbuchs sherausgegeben 1912 mit Nachtrag von 1913) begeht da^elbe Verbrechen, indem es die Einwohnerzahl oes Landes auch aus 700WO, die Zahl der Juden in unwesentlicher Abweichung auf 85000 schätzt. Wenn Friedemann mit apodiktischer Bestimmtheit Einzelziffern nennt,-aus