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KC-Blätter · 1914-07-01 · Heft 10 (1.7.1914) · p. Seite 217

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 10 (1.7.1914)
Date
1914-07-01
Page
Seite 217 (sequence 9)
Language
German
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217 dediziert, schreibt ihm darauf: „Zum bierehrlichen Gebrauch!^ Zur Bierehrlichkeit gehört doch mehr als anständiges Verhalten in Fechtangelegenheiten. Letzten ^ndes erstreckt sich der Begriff auf die Ehre überhaupt. Bierehrlich ist das, was man sonst wohl auch als" honorig bezeichnet. Wenn der Unparteiische auf der Mensur die Korona fragt: „Finden sich drei bierehrliche Burschendie das und das bezeugen können?", so meint er nicht Leute, diebei der Kneipe ihren Mann stehen, sondern honorige Burschen, deren Wort man Glauben schenkt. Bierehrlich nennt man den anständigen Kerl, der sein letztes für den Freund hingibt, bierehrlich ist der Kamerad, dem man in jeder Lage vertrauen, auf den man sich ohne Bedenken verlassen kann. Wie früher, so ist noch heute, wenn auch in anderem Sinne, die Bierehrlichkeit die vornehmste Eigenschaft des deutschen Studenten. Möge sie es bleiben, solange es deutsche Couleurstudenten gibt! * -i- * Die palästinakolonisation. In Nr. 8 der „K. C.-Blätter" ist ein Artikel erschienen, „Die Palästinakolonisation als Lösung der Judenfrage", der nicht unwidersprochen bleiben kann. Der unbefangene Leser mutz daraus den Eindruck gewinnen, daß die Palästinakolonisation ein aussichtsloses Unternehmen ist, an welches nur Fanatiker oder Schlechtunterrichtete herantreten können. . Die bisherigen Erfolge, der Stand der Angelegenheit und die Aussichten werden in so düsteren Farben gemalt, datz ein jeder, der es eben nicht besser weiß, die Ansicht gewinnen muß,. Palästina sei von allen Ländern für eine Kolonisation das ungeeignetste, für das Judentum bedeutungslos, und jeder Groschen dafür hinausgeworfen. Der Artikel von Karl Löwenstein ist deshalb umso mehr geeignet, irreführend zu wirken, als er sich scheinbar der Objektivität befleißigt und rein sachlich ein Zahlenmaterial beibringt, für welches das Quellenmaterial gewissenhaft angeführt ist. Eine Berichtigung Dieser trotzdem vielfach falschest Angaben ist schop deshalb geboten, weil derartige Arbeiten leicht dazu führen, das, Interesse für die so wichtige Kolonisation Palästinas, welche größtenteils von nichtzionistischen Organisationen oder Privatleuten betrieben, wird, lahm zu legen. Der Verfasser schädigt mit seiner Arbeit also nicht so sehr den zionistischen Gedanken als die praktische HrbesiMFMr^ed.elgeflMterMäntter. Bei jedem i g^otzzngMn Üpternehmen erlebt man es, daß die Klugen in Schrift und Wort die Unmöglichkeit des Vorhabens behaupten und sogar beweisen, bis das getane Werk die theoretischen Schreibereien Lügen straft. Hätte man auf die tendenziösen Theoretiker gehört, so gäbe es heute in Palästina kein einziges Dorf, keine wissenschaftliche Einrichtung, keinen Fortschritt, und nach wie vor würde allein die Chalukah bestehen und die Bevölkerung vergiften. Tatsächlich ist aber Bedeutsames geleistet worden, und bei gutem Willen und der notwendigen Unterstützung der interessierten Kreise wird Größeres zum Wohle vieler Tausender geschehen. Auf wie schwachen Füßen die ganze Beweisführung des Verfassers steht, wird man bei näherer Prüfung seiner Angaben finden. Es ist nicht richtig, daß der Chartergedanke definitiv als undurchführbar erkannt und ausgegeben worden ist, und daß man zu dem System der Kleinkolonisation sich bekennen mußte. Nur z.Z. wird aus politischen Gründen die Charteridee nicht verfolgt und man bemüht sich, durch die Bank, durch Melioratton und durch Schaffung von Kolonisationsbedingungen diese vorzubereiten. Der Verfasser behauptet mm, daß „für eine großzügige Besiedelung in Palästina alle Voraussetzungen fehlen", und führt als einen Grund die dichte Bevölkerung und die verhältnismäßig geringe Zahl der dort lebenden Juden an. Angeblich leben in Palästtna 700000 Seelen, darunter etwa 80000 Juden. Einerseits ist die Zahl 700000 zu hoch gegriffen, andererseits die von 80000 zu gering. Allein in Jerusalem leben 60000 Juden, über 10000 in Jaffa, 7 000 in Liberias, 5000 in Safed, 15000 in den Kolonien und viele Juden in Hebron, Haifa, Gaza usw. Als Autoritäten werden mehrfach unbekannte Größen herangezogen während die englischen und deutschen Konsularberichte, welche ein ganz anderes Bild ergeben würden, nicht "benutzt worden sind. Das angeführte Zahlenbeispiel ist für die ganze Abhandlung von Karl Löwenstein typisch, und ich kann es mir nicht versagen, diesem Beispiel andere folgen zu lassen, woraus man dann aus den wirklichen Wert der Löwenstein'schen Arbeit schließen mag. Gegenüber Palästina werden die großen Vorteile, welche andere Länder wie z. B. Nordamerika bieten, betont. Allerdings wandern nach Amerika viel, viel mehr Juden aus als nach Palästina. Der Verfasser irrt sich aber, wenn er glaubt, daß die Bevölkerungsdichte von New- 8)ork geringer sei, als die von Palästina, und gerade nach New-Iork strömen die Armen. Diese Tatsache hat denn auch zu einem Elend geführt, das speziell als New-Aorker Judenelend weltbekannt geworden ist. Aehnlich wie in New- Aork liegen dieMerhätniffe in Baltimore, Chicago,

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