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KC-Blätter · 1914-07-01 · Heft 10 (1.7.1914) · p. Seite 213

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 10 (1.7.1914)
Date
1914-07-01
Page
Seite 213 (sequence 5)
Language
German
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Ein Aufsatz von Oberrabbiner- Dr. Moritz Gübemann beschäftigt sich mit Erziehung und Schule. Er zeigt, daß ein tiefer, dem Juden innewohnender Drang nächst dem Monotheismus, der nach Geistesbildung ist. Das jüdische Erziehungsideal sieht Güdemann in den Worten, die als das heiligste Gebot galten: „Höre Israel, der Gott ist ein einziges ewiges Wesen." In der Häuslichkeit erblickt er das wesentlichste Bollwerk für diesen ethischen Monotheismus und stellt fest, daß der Begriff der Häuslichkeit im Altertum in keinem andern Volke gewohnt hat, als im Volke Israel. Die Grundlage der Erziehung hat stets die häusliche Anleitung gebildet. Auch in der nachbiblischen Zeit. Schon in früher Zeit ist ein allgemeiner unentgeltlicher Jugendunterricht eingesührt worden und die Schule ist stets die wesentlichste Einrichtung der jüdischen Gemeinde geblieben. Der Unterricht mußte unentgeltlich erteilt werden, ja, es war sogar streng verboten, aus dem Lehramt einen Broterwerb zu machen. Die Bemühung, Geistesbildung zu verbreiten, galt nicht nur für die Kinder der Begüterten, sondern auch im vollen Maße für die Kinder der Armen. Allerdings ging das jüdische Studium nur von der Thora aus. Trotzdem oder vielleicht auch wegen der Vielseitigkeit der Thora blieb die jüdische Erziehung niemals einseitig, denn sie ist ein Sammelwerk, der kein anderes aus früherer Zeit gleichkommt. So kam es, daß die Juden sich auf allen Gebieten der Wissenschaft, insbesondere aber der Philosophie umfassende Verdienste erwarben. Im Anschluß hieran wird ein Aussatz „Volksbildung" von Bloch gebracht. Bloch zeigt, in welcher Weise schon im grauen Altertum nicht nur der Jugend, sondern dem ganzen Volk Bildung beigebracht wurde. Die Propheten wandten sich nicht an einzelne, sondern stets an die große Menge. Am Sabbat und Festtag pflegte es die Propheten aufzusuchen, um das Wort Gottes zu vernehmen. Während die Propheten von der Erkenntnis Gottes reden, berufen sich die Spruchdichter auf die Weisheit, schlagen also eine mehr weltliche Richtung ein. Aus der regelmäßigen sabbatlichen Vorlesung der heiligen Schrift entwickelte sich die Predigt und diese wurde wiederum zum Ausgangspunkt genommen, um das Begriffsvermögen des einfachen Mannes zu stärken und seinen geistigen Horizont zu erweitern. Hierdurch wurde der frühere Hang zur Abgötterei und zur Nachahmung heidnischer Kulur eseitigt. Ein letzter Aufsatz von Hermann Cohen führt den Titel „Das Gottesreich". Ererblickthierin denjenigen Begriff, der all die sittlichen Motive in sich faßt, welche im modernen Begriff der Gesellschaft wirksam werden. In gewaltigem . Gegensätze; ringt sich wie, alles,Pegrisfliche,^o auch das Religiöse empört ‘ Gott aber vereinigt die Gegensätze der Gerechtigkeit und der Liebe, und so vereinigt, der Mensch in seinem Berhältnis zu Gott die Gegensätze der Liebe ünÄEHxfurcht. Solche Einigung der Gegensätze, die Gott und Mensch bilden, vollziehen das Problem der Versöhnung, wie es das Judentum in derGrünhauffassung seiner Religion darstellt. Die; Versöhnung des Menschen mit Gott bleibt das ewige Problem und die ewige Ausgabe des Bekenners der jüdischen Religion. ' . Das Grundelement der gesellschaftlichen Gegensätze bildet der Unterschied von arm und reich. Einen weiteren Gegensatz bilden die Völker und die Menschheit. Israel trägt als seinen Beruf, die Erwählung zur Verbreitung des Gottesglaubens und damit des Gottesreiches. Darum hat... ein jüdischer Philosoph die Worte ausgesprochen: „Unsere Natton ist nur Nation durch ihre Lehret Die Menschen selbst sind es, welche also das Zeitalter des Messias herbeizusühren haben,, die Verwirklichung der Sittlichkeit auf Erden. Dieses Reich des Messias ist das Gottesreich. Der Messias ist der Geist Gottes. Nicht ein Schlaraffenleben, nicht ein Utopien soll den geschichtlichen Begriff der messianischen Zeit entstell^, das meffianische Reich, das Gottesreich, soll'als höchstes Ideal rin Leitstern der Sittlichkeit für alles natürliche, für alles geschichtliche Dasein der Menschen und der Völker sein. Nach den referierten Darstellungen ergreift uns Bewunderung über die Gemütstiese und echt menschliche Gesinnung, die die Bibel ausdrückt. Der Geist echten Menschentums weht uns an, und es wird uns verständlich, daß die Gemeinschaft der Juden, die durch ihre Lehre begründet wurde, Jahrtausende überdauert und sich in ungebrochener Kraft bis heute erhalten hat. Wir wollen darum unsere Ethik hegen und pflegen. Die moderne Zeit hat uns leider etwas von ihr abgelenkt; vertiefen wir uns aber aüfh neue in sie! Sie bietet einen prächttgen Führer durch das Leben hinaus zur Hohe, aus der die Erfolge von Arbeit und Tatäaft wohnen, und aus der doch die Sonne der Güte nicht fehlt. In der Erkenntnis der sozialen BÄeutuyg des Judentums und in dem Bestreben, diese ethischen Ideen innerhalb und außerhalb des Judentums zur Geltung zu bringen,, liegt das Posittve, das allen guten K. C.ern eigen sein mstß. Diese positive Werte werden sie befähigen, tüchtige Mitglieder des Judentums und des, deutschen Vaterlandes zu sein, deffen dem Judentum eptlehüte soziale Gesetzgebung ja heute vorbildlich ist. . .

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