KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 9 (1.6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 206 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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206 Denkenden richtet, Rede und Antwort steht. Vor allen Dingen rät der Verfasser nur dem, der wirklich Lust und Liebe zum Jngenieurberuf in sich fühlt und die unbedingt erforderliche Begabung für Mathematik und Naturwissenschaft besitzt, zum Studium an der Technischen tochschule. „Aus dem technischen Handwerk, das der mpiriker mit hellem Ko^f und ohne viel theoretisches Wissen beherrschen konnte, ist eine Wissenschaft geworden, die sich den anderen älteren Wissenschaften vollwertig an die Seite stellt und die man sich nur durch ein gründliches systematisches Studium aneignen kann." Der Verfasser erläutert dann im einzelnen das Studium der verschiedenen Berufszweige an der Technischen Hochschule und gibt unter anderem sehr bemerkenswerte Winke über das praktische Jahr, die ich vor allem der Beachtung der jüngeren Semester empfehlen möchte. Es Sen dann die Aussichten der einzelnen Berufsarien: er in die Technik gehen will, lediglich um überhaupt zu studieren oder weil er sich goldene Berge erträumt, der gebe zweckmäßig sein Vorhaben auf und wähle einen anderen Beruf. Die Technik braucht ganze Männer, nicht nur mit umfassenden allgemeinen und Fachkenntnissen, sondern auch mit Charaktereigenschaften, mit Persönlichkeitswerten, die dem einzelnen die Bahn nach oben frei machen, die Bewertung des Technikers in den Augen der Allgemeinheit heben helfen, der deutschen Volkswirtschaft zur Förderung und der gesamten Kultur der Menschheit zum Segen gereichen." Worte, die alle, die den Jngenieurberuf mit freudigem Herzen ausüben, gern unterschreiben werden, sind sie doch sicherlich mit dazu geeignet, uns einen Nachwuchs von tüchtigen Ingenieuren heranzuziehen. Dux. Deutsche Strafrechts-Zeitung, Centralorgan für das gesamte Strafprozeßrecht und die verwandten Gebiete in Wissenschaft und Praxis des In- und Auslandes. In dem Verlage von Otto Liebmann-Berlin, der auch die Deutsche Juristenzeitung herausgibt, ist soeben Heft 1-3 der Deutschen Strafrechtszeitung erschienen. Die Zeitschrift, die monatlich erscheinen soll, füllt eine große Lücke aus, da ein strafrechtliches Centralorgan, das alle Gebiete des Strafrechts behandelt, bisher nicht bestand. Das Bedürfnis hiernach war um so größer, da wir mitten in den Vorarbeiten für eine Reform des Strafrechtes und des Strafprozesses stehen. Die hervorragenden Namen der Herausgeber, von denen nur Kahl, Lucas, Mamroth, Llszt, Wach genannt seien, und die zahlreichen namhaften Mitarbeiter bürgen dafür, daß die Zeitschrift wirklich das führende Zentralorgan sein wird. Das besonders verstärkte vorliegende Heft, das Beiträge unserer ersten Gelehrten und Praktiker enthält, entspricht durchaus den Erwartungen, die an das Organ gestellt werden. Karl Löwenstein. Allgemeine Flugblätter deutscher Nation. Herausgegeben von R. John v. Gorsleben. Der deutsche Zeitschriftenmarkt ist um eine kostbare Perle bereichert worden! Die „Allgemeinen Flugblätter" wenden sich an die deutsche Nation, um sie aufzuklären über ihren moralischen und psychischen Tiefstand, zu dem sie durch das Zusammenleben mit den Juden hinabgedrängt wurde. Wahrlich! ein treffliches Antisemitenblatt, das sich würdig dem „Hammer" und den verwandten Schriften an die Seite stellt, und das seine antisemitisch-hetzerische Gesinnung durch einen moderngeistreichen Anstrich nicht zu verdecken vermag. Bor mir liegt die dritte Nummer der Blätter, die auf dem Titelblatt in weithin leuchtenden Buchstaben die Worte trägt: „Juden und Strindberg". Ich schlage auf und lese als Thema des ersten vom Herausgeber gezeichneten Aufsatzes: „Strindberg, ein Gleichnis zu unseren Gunsten". Bon Strindberg, dem „letzten großen Arier, dem Erlöser der Menschheit" (!) ist nun in dem Artikel herzlich wenig zu lesen. Aber mit eleganter Wendung weiß sich der Verfasser nach wenigen Zeilen von ihm zu den Juden zu wenden, die Strindberg nicht verstehen, ihn zerfasern, ihn nicht erfassen und vor allem nicht spielen können. Und nun beginnt das bekannte Schmei^enslied über die Demoralisierung des deutschen Theaters durch die es beherrschenden, allmächtigen Juden. Nach bewährtem Vorbild (Kunstwartdebatte!) schließt v. Gorsleben mit einer höflichen Aufforderung an die Juden „dem Wirtsvolke gegenüber doch nur ein bescheidener Gast und ein Beschenkter sein zu wollen: Wir wollen dem Juden den Weg zu seinem Heile weisen und chm Sehnsucht erwecken nach dem Lande, von dessen Bergen chm allein heilige Wasser fallen. Ist das Unduldsamkeit? Ist das Haß? Ast dieser Stand der Dinge selbstverständlich? Darf es noch jemand wagen, ihn zu rechtfertigen? Es ist auch dem Feigsten unter uns heute erlaubt, das zu bekennen, was die Besten unter den Juden beginnen zu fühlen, daß ihr Heil in ihnen liegt und nicht in uns." — Auf ein ähnliches Thema kommt der Verfasser zurück, als er sich bitter beklagt, daß zwei neue Münchener Zeitschriften („Der neue Merkur", „Das Forum") von Juden herausgegeben werden. — Und auch Irene Triesch muß unter dem Titel: „Absterbende Künstlertypen" scharfen Tadel auf sich nehmenes wird sie nicht sehr schmerzendenn sie, die „bald bloß noch eine träge Frankfurter Jüdin" sein soll, wird wissen, welches Ziel diese neuen Kunstrichter verfolgen. Die Einsichtigen der deutschen Nation werden sich gewiß den Einflüsterungen des Herrn von Gorsleben, dessen scheinbar futuristisches Gedicht „Absage" hoffentlich nicht eine neue, „judenreine" Kunstperiode einleiten soll, zu entziehen wissen. Aber da man weiß, mit welchem Enthusiasrnus dergleichen Schriften iin antisemitischen Lager ausgenommen werden, erschien es zweckmäßig, mit allem Nachdruck auf di'e neue Zeitschrift hinzuweifen. Kurt Alexander (Bav., Rh.-S.) Studentenprinzetz. Roman von Kurt Kispert, Leipzig. Verlag von B. Elischer Nachf. Ein neuer Studentenroman? Was will, was kann der Verfasser uns neues bringen aus jener Welt, deren Jugend und deren Kraftgesühl, deren Frohsinn und Ungebundenheit, deren Leichtsinn und ernstes Streben, deren. heiße Sehnsüchte und süßen Sentimentalitäten einmal von kräftiger Hand gepackt und von kundigem Griffel festgehalten, immer neue Schilderer und immer neue Verkünder fanden? Soll sie uns wieder vorgezaubert werden, die liebe kleine, so oft besungene und so fest im Herzen von uns allen wurzelnde filia hospitalis? Hat ein Künstler hier einmal das Problem der kleinen Studentenliebe aufgerollt, deren Schicksal ja an sich nichts Außergewöhnliches bedeutet, das aber in dem eigenen Milieu seinen eigenen Reiz und seine eigene Tragik besitzt? Soll aus dem studentischen Rahmen das oft geschaute und immer wieder ergreifende Bild des süßen Mädels herausleuchten, das höhere Lebensgenüsse kennen, differenzierter fühlen und vornehmer sich zu geben gelernt hat, deren Verkehr mit dem frohgemuten und feinsinnigen jungen Studio sie das Sehnen lehrte, das sie hinaushob über den Kreis, dem sie entstammte und in den sie mit zerbrochenen Flügeln und wehem Herzen zurück sinkt? Nichts von alledem. Eine banale Liebesgeschichte zwischen eine»» furchtbar feinsinnigen, furchtbar korrekten und furchtbar fleißigen Ministersprötzling und einer furchtbar schönen und furchtbar hingebenden, aber auch furchtbar vornehmen und. stolzen Varietesängerin: ver-