KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 9 (1.6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 205 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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205 lichen Einfluß auf die Lage der russischen Jugend ausgeübt wie in der letzten Zeit. Diese Zustände treiben jährlich viele Hunderte von lernbegierigen Jünglingen nach dem iAuslande, wo sie in neuester Zeit, infolge der.Uebersüllung der Universitäten, eine Anzahl von Beschränkungen gegen die Studierenden aus Rußland heraufbeschworen haben. Diese Situation hat nun die russische studierende Jugend im Auslande inl Verein mit den fortschrittlichen Kreisen der russischen Gesellschaft veranlaßt, nach Mitteln zur Abhilfe der unleidlichen Zustände zu suchen. Borkurzem fand in Paris eine vorbereitende Konferenz zur Erörterung dieser Frage statt, an der auch Professor Maxim Kowalewsky, Professor Karajew und andere teilnahmen. Am 25. dieses Monats fand nun in Bern eine Konferenz der russischen Studentenschaft des Auslandes statt, aus der die Gründung einer russischen Universität im Auslande als sicherstes Mittel zur Lösung der so akut gewordenen „Russenfrage" in den westeuropäischen Universitäten erwogen wurde. Das Resultat der Konferenz, die von den russischen Studentenorganisationen fast aller europäischen Universitäten beschickt war, und an der mehrere hundert Delegierte und viele russische Professoren teilgenommen haben, war bei Drucklegung der Zeitschrift noch nicht bekannt. Es ist nicht zu verkennen, daß dein Projekt recht große Schwierigkeiten entgegenstehen, nicht nur finanzieller, sondern auch politischer Natur, da insbesondere die Berechtnngsfrage nicht einfach zu lösen sein wird. Man hätte meinen sollen, daß der Gedanke einerrussischen Auslandshochschule, die doch gerade den vom Besuche russischer Hochschulen vielfach'ausgeschlossenen jüdischen Studenten zugute kommen soll, von allen jüdischen Kreisen freudig ausgenommen würde. Es ist daher um so beachtenswerter, daß gerade die zionistische Presse, die stets ein solches Interesse für die osteuropäischen Juden zur Schau trägt, dem Projekt mit unverhohlenem Mißvergnügen gegenübersteht. Während sie die Notwendigkeit einer hebräischen Universität in Palästina hauptsächlich mit der Notlage der russischen Studenten begründete, hält sie jetzt eine besondere Universität nicht nur für unnötig, weil die Beschränkungen doch nicht ewig bestehen könnten, sondern sogar fürschädlich, da sie den Kampf gegen die „Prozentnorm" schwächen würde. Das Projekt zersplittere nur die Kräfte und erschwere die baldige Errichtung der Jerusalemer Universität lvergl. „Die Welt" v. 8. V. 14). Die Furcht vor der „Konkurrenz" dürfte wohl die Ursache der auf den ersten Augenblick seltsamen Stellungnahme sein. Das Interesse für die russischen Juden besteht in den Kreisen offenbar nur so lange, als sie sich als Objekte der Palästinakolonisation gebrauchen lasten. Eine studentische Jahrhundertstiftung. Die Breslauer ,,Hochschulrundschau" veröffentlicht einen von zahlreichen Professoren, Schriftstellern und angesehenen Beamten unterzeichnetenAufrufzurGründungeiner studentischen Jahrhundertstiftung zurErhaltung des Deutschtums im Auslande. Man will auf diese Weise den tapferen Kommilitonen von 1813, 1814 und 1815 ein Denkmal errichten, das sich im Laus der Jahre immer bedeutender und segensreicher entwickeln kann. Die Verwaltung der Stiftung will man dem Verein für das Deutschtum im Auslande, dem deutschen Schulverein, übertragen. Die Ausführung ist in der Weise gedacht, daß an jeder Hochschule eine akademische Ortsgruppe errichtet und daß jedes Halbjahr mindestens ein öffentlicher Vortrag über die Lage des Deutchtums inr Auslande gehalten wird. Für den Grundstock der Stiftung soll etwa ein Jahr gesammelt werden. Die ungefährlichen Schlägermerfiuren. Verschiedene Landgerichte und auch das Reichsgericht hatten sich bisher auf den Standpunkt gestellt, daß ein Zweikampf mit Schlägern als Zweikampf mit tödlichen Waffen zu betrachten sei. Im Gegensatz hierzu hat sich jetzt die Strafkammer in Marburg auf den Standpunkt gestellt, daß nach dem heutigen Stand der Wundbehandlung absolut nicht mehr davon die Rede sein könne, daß Schlägermensuren als Zweikanrpf mit tödlichen Waffen zu betrachten seien. Die Marburger Strafkammer sprach daher zwei Studenten, die eine sogenannte Bestimmungsmensur ausgefochten hatten, frei. Der Dr. rer. pol. in Breslau. Wie uns ein Telegramm meldet, hat die zu einer rechts- und staatswistenschastlichen umgebildete juristische Fakultät der Universität Breslau den volkswirtschaftlichen Doktortitel Di-, rer. pol. geschaffen. Von den Bewerbern wird ein dreijähriges juristisches und nationalökonomisches Studium sowie eine volkswirtschaftliche Abhandlung gefordert. Ein Universitäts-Studentenheim. Die Idee der Gründung eines Studentenheims, die die Berliner Universitätsbehörde schon lange beschäftigt, wird jetzt in Wien zur Ausführung gelangen. Das Wiener- Studentenheim, dein der Kaiser von Oesterreich 50000 Kronen zugewendet hat, ist eine Wohltätigkeitseinrichtung, diedenZweckverfolgt,Studierenden deutscherNationalität an der Wiener Universität billige und gesunde Wohnungen zu liefern. Die Wohnungen sollen teils unentgeltlich, teils gegen eine sehr mäßige Miete an Studenten vergeben werden. Das Haus, deffen Baukosten 1200000 Kronen betragen, wird vier Stockwerke erhalten. Das Sekretariat Sozialer Studentenarbeit schreibt uns: „Das Ende April 1914 erschienene Drucksachenverzeichnis liegt vor und umfaßt 80 Seiten. Das Sekretariat gibt heraus Zeitschriften (2), Studentenbibliochek (21 Hefte), Flugschriften (10 Hefte', Soziale Studienfahrten (8 Bände), Lehrbücher für Heimatliche Arbeiterkurse (9 Hefte), Karten (105), Flugblätter (14), Kleine Dritcksachen (65). Das Verzeichnis steht Interessenten unentgeltlich zur Verfügung. Adreffe: Bl.-Gladbach, Kurzestr. 10." Bücher- und Blatterschau. PP Die akademisch-technischen Berufe von Dipl.-Ing. Carl Weihe. Berlin 1914, Verlag von M. Krayn. Unter den Schriften, die der rührige „Verband Deutscher Diplom-Ingenieure" 'herausgibt, erscheint just zur rechten Zeit, zu Beginn des neuen Studienjahres die vorliegende kleineSchrift, als Abdruck eines Vortrages, den der Berfaster vor Abiturienten der höheren Schulen Frankfurts am Main gehalten hat. Dementsprechend ist auch der Inhalt gedacht, nicht als erschöpfende Abhandlung, sondern als kurzer, aber praktischer Wegweiser für den auf der Technischen Hochschule seine Ausbildung Suchenden. Von den vielen ähnlichen Schriften unterscheidet sie sich vorteilhaft dadurch, daß sie Licht und Schatten der technisch-akademischen Berufe gleichmäßig abwägt und eine Menge praktischer Ratschläge enchält, denen man anmerkt, daß ein Fachmann auf die viele»! rein praktischen sowie sozialen Fragen, die gerade der Jngenieurberus an den