KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 9 (1.6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 197 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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197 sich der K.C.-Gedanke durch das ganze Vaterland hinziehen. Die beiden Grenzpunkte haben schwer zu kämpsen gehabt, beide aber sind aus dem besten Weg, ihr Ziel zu erreichen. Doch wir wissen auch, daß unsere Arbeit noch lange nicht beendet ist und daß noch große und schwierige Aufgaben unser harren. Und wenn wir Rhenosilesen nun unsere Verbandsbrüder laden, um mit uns in unserer schönen rheinischen Universität, an dem herrlichsten der deutschen Ströme den Tag zu begehen, mit dem wir eine Epochemühevoller, aber erfolggekrönter Arbeit abschließen, dann hoffen wir, daß sie alle zahlreich unserm Rufe folgen werden: Wir wollen nicht nur ein von echter rheinischer Fröhlichkeit getragenes Fest feiern, sondern wir, die Vorkämpfer des K. C. in der Nordwestecke unseres Vaterlandes, wollen durch eine imposante Veranstaltung Zeugnis ablegen von der Macht und der Stärke unseres Verbandes und zugleich durch das Bewußtsein emeinsamen Strebens in uns den Mut und ie Kraft zu neuen Kämpfen erwecken. Kurt Alexander-Bonn. (Bavariae, Rhenosilesiae.) 4- 4- -K Bettler. Bon 1)r. Erich Marx (Rheno-Silesiae), Charlottenburg. Im Jahre 1566 stand eines Tages Margarete von Parma, die Schwester Philipps II. und seine Statthalterin in den Niederlanden, am Fenster ihres Brüsseler Palais und sah dort unten einen endlosen Zug trotzig dreinschauender, robuster und ein wenig rustikal gekleideter Herren vorbeiziehen. Es war der aus allen Niederlanden herbeigeeilte kleine und große Adel, der um die Erhaltung seiner und des Landes Rechte und Ideale diesen wirkungsvollen Protestzug unternahm. Margarete, an glanzvoll höfische Kavaliere gewöhnt, erschrak und war nicht wenig betreten. Da sagte einer ihrer Hofherren, der neben ihr stand: „Ah, ce n’est qu’en tas de gueux. — Ach, es sind ja nur Bettler." Das ominöse Wort wurde weitergetragen, und es wurde zum Losungswort der also Bezeichneten in ihren heldenhaften Kämpsen. Die Mederlande haben Philipp und Margarete samt ihren Albas überwunden, und aus dem Bettlervolke erstand eine der glanzvollsten und reichsten Kulturen Europas. Als Spanien niederging, übertrafen die Mederlande an Glanz alle Länder. An diese Dinge ward ich erinnert, als ich im vorigen Heft der K. C.-Blätter Löwensteins Wort las, daß Palästinas Judenschaft keine Kultur gebären werde, denn sie bestehe zu drei Vierteln aus Bettlern. Palästinas Juden haben soeben das unerhörte Kulturwunder der Wiederauferweckung des Hebräischen zu einer lebenden Sprache vollbracht. In ihrer Mitte hat das Genie des Elieser ben Jehuda das Wörterbuch der hebräischen Sprache, den „l'hesauruo totius Llehraitatis et veteris et rexentioris", geschaffen. Diese Judengemeinschaft Hat blitzartig ein Hebräisches Schulwerk von der Dorfschule bis zum Gymnasium, demnächst bis zur technischen Hochschule und zur Universität, teils selbst geschaffen, teils willig akzeptiert. Die Lehrerschaft hat in einem kürzlichen Sprachenkampfe ihre Existenz aufs Spiel, gesetzt, um ihren Idealen leben zu.können. Ein hochentwickeltes Bank-, Organisations-, Zeitungs- und Vereinswesen ist über Nacht erblüht. Im Verlaufe weniger Jahre ist ein eigenes Kunstgewerbe von hoher Blüte geschaffen worden. Die Jugend treibt planmäßig Sport, Turnen und Wandern; sie hat für die ländlichen Kolonien ein Wächterkorps von erstklassiger Zuverlässigkeit und Kühnheit geschaffen. Jüdische Magnaten aus aller Welt strömen herbei und bewundern das über Nacht geschaffene Leben- Rothschild, Strauß und Amerikas Botschafter Morgenthau gleichwie die türkischen Verwaltungsmänner sind des Lobes voll über die sauberen, arbeitsamen Siedlungen in Stadt und Land, die sich dicht neben Asiens Schmutz und Verwilderung erheben. Die Konsuln aller Länder senden Bericht aus Bericht über das rätselhafte Aufblühen des jüdischen Lebens im Lande, so daß in diesen Tagen im deutschen Reichstag der antisemitische Abgeordnete Mumm den begeisterten Bericht des deutschen Konsuls von Jaffa geradezu als jüdische Propaganda bezeichnete. Und so schreibt in diesen Tagen ein russisches Handelsblatt l„Der kaufmännische und industrielle Süden"): „Selbstverständlich ist die neue wirtschaftliche Entwicklung Palästinas auf die Beteiligung vieler Kräfte zurückzuführen. Immerhin stellen die das Land kolonisierenden Juden ein sehr tüchtiges und vielversprechendes Element dar. Nicht allein, daß sie zur Hebung der Landwirtschaft beitragen, die Entwicklung des Handels fördern und bemüht sind, eine Industrie zu schaffen, erscheinen sie auch als die Träger einer neuen Kultur. Auf Initiative und aus den Mitteln der jüdischen Organisationen werden Gymnasien, technische Schulen, Kindergärten, hygienische Institute usw. geschaffen, Aerzte und Krankenschwestern zur Bekämpfung der Malaria und der ägyptischen Augenkrankheit bestellt." Schließlich darf man Palästinas Juden ebensoviel Kulturfähigkeit zutrauen wie jenen Schnorrern und Hausierern, aus denen Westeuropas heutige Bourgeoisie erwachsen ist.