KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 9 (1.6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 196 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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196 Zweikampf hier also einer direkten Lebensgefährlichkeit entbehrt. Duelle, die mit einer direkten Lebensgefahr verbunden sind, die Piftolenduelle, sucht man unter den Studenten möglichst zu vermeiden. Man ist geneigt, die Pistole als eine Waffe anzusehen, die teils durchaus lächerliche („einmaliger Kugelwechsel"), teils überaus traurige Resultate erzielt. Um.beides zu vermeiden, wählt man viel eher eine Säbelals eine Pistolenforderung. Man sucht die Pistole als weikampsswaffe in den Hintergrnnd zu drängen, m Pistolenduell ersieht man ein Glücksspiel und darum bevorzugt man das Säbelduell, als einen Kampf, wo der Ausgang von der Kraft und Geschicklichkeit der Gegner abhängt. Wenn so das Pistolenduell unter den Studenten zu den äußersten Seltenheiten gehört, wird es jedoch nicht immer außer acht gelassen werden können, besonders in Fällen von Familienehrverletzungen. Da setzt das Recht, wenn nicht gar die Pflicht zur privaten Selbsthilfe wieder ein, die Gemütserschütterung des Verletzten ringt nach einer erlösenden Handlung. Das Reaktionsbedürfnis ist begreiflicherweise so stark, daß es nur durch das stärkste Mittel, das Pistolenduell, befriedigt werden kann. Ein Ausweg, der das Pistolenduell wie den Zweikampf überhaupt entbehrlich machen könnte, ist hiernach nicht zu ersehen. Es besteht in bezug auf den Ehrenschutz eine Lücke, die der Staat nicht ausgefüllt hat und in die demgemäß das Duell getreten ist. Und so lange diese Lücke nicht durch einen besseren Ehrenschutz geschlossen wird, wird das Duell in ihr fortbestehen. Umsomehr wird dies der Fall sein, wenn man bedenkt, daß vom Staat oder seinen Organen das Duell bis zu einem gewissen Grade begünstigt wird im Gefühl der Schwäche des staatlichen Ehrenschutzes. *!**?*•?' 3um 15. Stiftungsfest der Rhenofilefia. Am 3. Mai waren 15 Jahre verflossen, seit in Bonn die K. C.-Verbindung gegründet wardam 13. Juni gedenkt die Rhenosilesia ihr Stiftungsfest durch einen imposanten Festkommers zu feiern. 15 Jahre des Bestehens sind für jede andere Korporation eine verhältnismäßig kurze Spanne Zeirfür eine jüdische Kampsverbindung bedeuten 15 Jahre aber eine lange Epoche, erfüllt mit wechselvollen Kämpfen um die eigene Existenz. Wir haben hier in Bonn das Schicksal aller Kartellverbindungen durchgekostet, vielleicht hier inmitten einer besonders konservativen Studentenschaft, infolge der geringen Zahl der an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität immatrikulierten jungen jüdischen Semester, unter den ungünstigsten Lebensbedingungen in noch herberem Maße. ' Wie überall^war es auch hier ein Wagemut sondergleichen, als vor 15 Jahren alte K.C.er, vornehmlich Mitglieder einer 1. K. V. „Licaria", unterstützt von begeisterten jüdischen Studenten, mitten in die tobende antisemitische Strömung hinein als Gegenwehr eine satissaktionsgebende, couleurtragende, exklusiv-jüdische Korporation setzten. Fast ein Jahrzehnt lang schien es, als ob all die Arbeit, all der Opfermut gegenüber einem übermächtigen Gegner vergeblich wäre. Waren es an den andern Universitäten immer nur einzelne Verbände, deren Hauptarbeit die Vernichtung der jüdischen Verbindung zu sein schien, so nahm hier die geeinigte Bonner Studentenschaft gegen die Rhenosilesia Stellung und suchte durch gemeinsames Urteil ihre Existenz zu erschüttern. Aber es sollte ihr nicht gelingen. Es ist in der letzten Zeit von gegnerischer Seite so viel über unsere Tendenz gespöttelt wordenhier aber muß und darf es gesagt werden: nur unserer Idee verdanken wir es, daß wir jenem Ansturm nicht unterlegen sind; ein Produkt des jüdischen Optimismus, zum Inhalt das höchste Ideal habend, begeistert die K.C.-Tendenz ihre Anhänger immer aufs neue und setzt sie in die Lage, auch die schwersten Niederlagen mit ungeschwächter Siegeshofsnung zu überwinden. Und der Sieg sollte auch hier nicht ausbleiben. Als wir an unserem 10jährigen Stiftungsfest als erste K. C.-Verbindung, trotzdem wir eine der kleinsten sind, unser eigenes Heim einweihen konnten, da legten wir Zeugnis ab von unserer inneren, durch Kämpfe gefestigten Kraft. Ein Jahr später, mit unserer Aufnahme in die Vertreterversammlung der Bonner Studentenschaft änderte sich auch mit einem Schlage unsere äußere Stellung. Wir waren den anderen Korporationen rechtlich gleichgestellt; dadurch wuchs unser Ansehen innerhalb der Studentenschaft. Wenn auch alle Schranken noch nicht fielen, so betrachtete man nunmehr doch unser Dasein als etwas Selbstverständliches. Das ist fürwahr nach all den Niederlagen ein großer Erfolg! Ebenso groß ist der Erfolg, den wir unter unfern jüdischen Mitbürgern erzielten. In reichem Maße gelang es uns, unter ihnen Freunde für die Arbeit des K. C. zu werben. Nicht nur haben uns Bonner Philister in der Zeit unserer größten Not mit Rat und Tat freudig unterstützt, nein! 15 jährige Tätigkeit für die Sache des Judentums hat es auch vermocht, daß in der rheinischwestfälischen Judenheit der Name der Rhenosilesia und damit des K. C. den besten Klang hat. „Rheno-Silesia!" Vom Rhein bis nach Schlesien; vom Osten zum Westen sollte