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KC-Blätter · 1914-06-01 · Heft 9 (1.6.1914) · p. Seite 193

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 9 (1.6.1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 193 (sequence 5)
Language
German
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i9ä diese angeblich neutralen Verbände ihren sonstigen Maßstab für Ehre und Würde auch auf den Täufling anwendeten, und unsere Aufgabe muß es sein, ihnen tagtäglich vor Augen zu führen, daß sie in ihren Reihen Ehrlosigkeit, Feigheit und Unwahrhaftigkeit geradezu züchten. Der Sieg bei diesem notwendigen Vorgehen wäre nicht so schwer zu erringen, wenn wir nicht bereits die betrübende Feststellung machen müßten, daß der einzige erhebliche Widerstand uns in unseren eigenen Reihen erwächst. Der Täufling selber wird aus guten Gründen es sorgfältig vermeiden, sich gegen Angriffe zur Wehr zu setzen. Er weiß, daß er sich in demselben Augenblicke dem Fluche der Lächerlichkeit aussetzt, da er seinen Uebertritt zu erklären und zu verteidigen beginnt. Wohl mag er sich für die Unbill, die ihm widerfährt, durch antisemitische Handlungsweise rächen — das tut er im Durchschnitt heute auch —, aber was sollte er gegen die Wucht unserer Anklagen einwenden! So sucht er, sobald es zu einem Angriff kommt, sich nach Möglichkeit nicht zu erkennen zu geben. Seine christlichen Freunde und Gönner schützen ihn auch nicht. Entweder sind sie im Herzen Antisemiten, und da bleibt ihnen auch der Täufling der verachtete Jude, das leider notwendige Uebel, oder sie sind besserer Einsicht und höherer Gesinnung, und dann verschließen sie sich der Richtigkeit unserer Folgerungen nicht. Wirksamen Schutz gewährt ihm sicherlich keiner, und auch der Staat würde seine Hand nicht allzu eifrig zum Schutze des von ihm besoldeten Renegaten erheben, wenn eben nur die Angriffe, zu denen unsere gute Sache uns verpflichtet, recht energisch, zielbewußt und häufig in größter Oeffentlichkeit geführt würden. Die wirklichen Hemmschuhe werden uns eben in unserer Mitte angelegt. Man sollte nicht vermeinen, daß Juden, die so viel in der Welt erduldet haben, eine derartige Rücksicht auf die zarten Nerven und Empfindungen von Renegaten nehmen, die sie doch im Herzen verachten. Und dabei sehen wir gänzlich von allen Baldgetauften und Halbgetauften ab, die nur deshalb nicht übergetreten sind, weil ihnen bisher ein unmittelbarer Anlaß fehlt oder die Prämie noch nicht hoch genug ist. Bei ihnen wäre Lauheit und Gleichgültigkeit begreiflicher als in den Reihen von ernsten und opferfreudigen Juden, die stolz auf ihren Glauben, voll Hoffnung aus seine Zukunft sind, und dennoch unbegreiflicherweise jedes aggressive Vorgehen gegen das Taufjudentum mißbilligen, zum mindesten sich an ihm nicht beteiligen. Ihre Gründe sind unhaltbar und schon oft schlagend widerlegt worden. Bande der Verwandschaft und Freundschaft, auf die sie oft Hinweisen, können kein Hinderungsgrund sein, sobald es sich um einen Kampf gegen unmoralisches und charakterloses Tun handelt. Das Recht auf Selbstbestimmung, das sie heranziehen, hält auch nicht stand, weil das Recht der Selbstbestimmung an Fragen der allgemeinen Sittlichkeit stets seine Grenze findet, und wenn vielen die schroffen Formen des Kampfes tadelnswert erscheinen, so muß entgegnet werden, daß Schärfe und Taktlosigkeit ebensowenig dasselbe sind, wie Lauheit und vornehmes Wesen, und daß man sehr zielbewußt und energisch in der Sache Vorgehen kann und soll, ohne daß man darum in der Form irgendwie taktlos, überflüssig schroff oder gar gehässig zu werden braucht. Im Gegenteil! Je vornehmer wir den Kampf führen, desto wirksamer wird er sein! Und das sei die letzte und wichtigste Aufgabe des jüdischen Akademikers, besonders des jüngeren, in die Bewegung etwas mehr Frische, etwas mehr von dem lebendigen Idealismus und dem entschlossenen Sinn hineinzubringen, die unsere akademische Jugend erfüllen. Es ist freilich angenehmer, für positive jüdische Ideale zu arbeiten, als sich mit seinen ehemaligen Glaubensgenossen herumzuschlagen, aber ehe der überragende Einfluß des Taufjudentums nicht gebrochen, ehe sein Uebermut nicht gedämpft, ehe dem ständig wachsenden Abfall nicht ein Damm gesetzt ist, wird auch für andere Aufgaben ein ersprießliches Arbeiten mit Aussicht auf Erfolg ausgeschlossen sein. Der Hauptstoß gegen diese Krankheitserscheinung must gewiß an anderer Stelle geführt werden, denn nur im jüdischen Hause durch eine wirklich gute jüdische Erziehung wird das Taufjudentum ganz wirksam bekämpft und ganz sicher vernichtet! Aber solange das nicht geschieht, wird mit aller Energie draußen im Leben weiter gestritten werden müssen, und allen Beteiligten möge dieUeberzeugung Kraft und Willen stärken, daß es sich nicht um einen Kamps für die Interessen der Judcnheit allein handelt, sondern daß noch viel Höheres auf dem Spiele steht: Moral und Ehre des ganzen deutschen Volkes! Das Duellwefen. Von cand. inr. Willy Läwenthal (Bavariae Rheno-Silesiae), Bonn. Inr allgemeinen herrscht die Meinrrng, daß es altdeutsche Art sei, sich zu duellieren. Das ist ein Irrtumdenn das Duell ist ein romanisches Produkt,^ das nach Deutschland hinübergebracht wurde. Das erste Auftauchen des Ehrenkampfes, des Duells, findet sich in Spanien. Die ersten sicherenNachrichtenüberdasVorkvmmendesDuells in Spanien stammen aus den Jahren 1473 und

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