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KC-Blätter · 1914-06-01 · Heft 9 (1.6.1914) · p. Seite 192

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 9 (1.6.1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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unserem Gesamtorganismus unausbleiblich nach dem Herausschneiden solcher Krankheitsherde beschieden wäre. Auch außerhalb des Judentums kann ein wirksamer Kamps nicht anders geführt werden, als durch zähe Kleinarbeit des einzelnen. Die christlich-religiöse Welt weiß heute bereits, daß es aus das Taufjudentum, sein früher so verhätscheltes Kind, nicht sonderlich stolz sein kann, und dem nicht religiös interessierten Teil der Andersgläubigen, der heute unter der Devise der Gewissensfreiheit seine Hand über den Ueberläufer hält, muß es in tausenden von Einzelsällen immer und immer wieder vor Augen geführt werden, wie sehr hier mit dem Worte „Gewissensfreiheit" zur Verdeckung des nackten Egoismus und der Charakterlosigkeit ein trauriger Mißbrauch getrieben wird, und in welchen moralischen Sumpf ein Staat geraten muß, der durch Schutz und Förderung des Taufjudentums sämtliche Begriffe von Moral, Ehrlichkeit und Treue in Verwirrung bringt oder auf den Kopf, stellt. Der Appell an die Organe des Staates darf gewiß nicht unterbleiben, obwohl er nach unseren bisherigen Erfahrungen gar nichts nützt. Aber stets und ständig im Einzelfalle den Finger auf die Wunde legen, das öffentliche Gewissen wachrütteln, die Presse ein wenig zu interessieren suchen, das stellt einen Weg dar, auf dem man allmählich einen Fortschritt erreichen kann. Auf jedem einzelnen Gebiete muß auf diese Weise zäh gearbeitet werden. Bei der Feststellung z. B., daß ein so hoher Prozentsatz von getauften Juden als Hochschullehrer wirken, müßte man offen darauf Hinweisen, daß zu den Aufgaben eines solchen nicht nur die Vermittlung von Wissen gehöre, sondern daß deutsche Hochschullehrer stets ihren Stolz darin gesucht hätten, moralische Erzieher und Vorbilder für das ganze Volk zu sein. Der weitere Schluß, daß getaufte Juden, denen man ja ganz offen Charakterlosigkeit und noch Schlimmeres vvrwerfen dürfe, sich zu diesem Amte nicht eignen, liegt dann nahe. Daß ein Täufling als Offizier geradezu ein Hohn auf die Forderungen feines Standes ist, kann gar nicht oft genug ausgesprochen werden. An einem Offizier rühmt man Treue und Tapferkeit, und der Renegat erbringt seinen Befähigungsnachweis durch das genaue Gegenteil! Ist es nicht ein ebenso großer Hohn auf die gesamte Rechtspflege, wenn man getaufte Juden, deren Eigenschaften doch feststehen, zu Hütern der Gerechtigkeit, zu Wächtern über Sittlichkeit und Moral bestellt! Alle diese Widersprüche, aus denen auch ein köstlicher, allerdings sehr bitterer Humor spricht, müßten viel öfter und viel schärfer in der Oeffentlichkeit erörtert werden, und dies zu tun, muß eine der vornehmsten moralischen Pflichten des jüdischen Akademikers werden, der nicht nur selber am meisten unter diesen paradoxen Zuständen leidet, sondern auch am besten befähigt ist, weil er am genauesten das Material kennt. Für die Politik gilt dasselbe. Mit Ausnahme der antisemitischen Parteien, wozu freilich die konservative gleichfalls zählt, gibt es Juden überall) aus mancher Landtags- und Reichstagsverhandlung wissen wir sogar, daß auch die konfessionelle Zentrumspartei Wünschen und Anregungen von jüdischer Seite das Ohr leiht. Und das Lied von der Unmoralität des Taufjudentums müßte auch in diesen Kreisen immer wieder und immer wieder erklingen. Der heftige Kaurpf, der sich an den Namen Mugdan knüpfte, ist freilich von keinem allzu großen Erfolge begleitet gewesen, aber er hat den Boden geebnet, so daß man für die unglaublichen Widersprüche in der Haltung der Fraktionen heute vielleicht Verständnis erlangt haben wird. Die Parteien der Linken erheben z. B. ein großes Geschrei, wenn sie vermeinen, festgestellt zu haben, daß auf der Rechten oder im Zentrum die Religion zu Geschäftszwecken mißbraucht worden sei. Aber in ihren eigenen Reihen dulden sie Taufjuden und übertragen ihnen Mandate und Ehrenstetten aller Art! Was tut nun ein Täufling anders, als daß er die Religion zu Geschäftszwecken ausbeutet? Gegen diese doppelte Moral, die öffentlich entrüstet bekämpft, was sie im geheimen duldet und fördert, kann ein Kampf mit Aussicht auf allmählichen Erfolg nur geführt werden, wenn unermüdlich in voller Oeffentlichkeit auf das Lächerliche und moralisch Bedenkliche solcher Zustände hingewiesen wird. Auch auf akademischen Boden müßte dieselbe sittliche Begriffsverwirrung weit energischer gegeißelt werden. Zahlreiche „nicht konfessionelle" studentische Korporationen, die sich ängstlich gegen die Aufnahme jüdischer Studenten verschließen, reißen sich um dieselben jungen Leute, wenn sie zum Christentum übertreten oder zum mindesten ihr Judentum feige verleugnen. Viele Leser dieser Zeilen sind von Korps und Burschenschaften eifrig gekeilt worden, man hätte sie gerne ausgenommen, wenn sie eben nur durch Charakterlosigkeit und Ehrlosigkeit einen Befähigungsnachweis hätten bringen wollen, den ein anständiger Mensch nicht bringen kann. Es fehlt den Korporationen durchweg das Verständnis für die Unehrlichkeit ihres Handelns. Sie singen öffentlich: „Wer die Wahrheit kennt und saget sie nicht, der ist fürwahr ein erbärmlicher Wicht", und im Geheimen muten sie Mitgliedern ein unehrliches Versteckenspielen, ein Verschleiern der jüdischen Abkunft, wenn nicht gar die Unwahrhaftigkeit in den heiligsten Dingen zu. Viel wäre gewonnen, wenn

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