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KC-Blätter · 1914-06-01 · Heft 9 (1.6.1914) · p. Seite 190

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 9 (1.6.1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 190 (sequence 2)
Language
German
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ächtlichkeit und Unsittlichkeit des Taufjudentums I seststellt und in der Praxis so unendlich wenig von einem entsprechenden Handeln zu spüren ist. Es ist ein unendlicher Vorzug der akademischen Jugend, daß sie von der Sehnsucht nach behaglicher Ruhe und bequemen Kompromissen noch wenig angekränkelt ist, daß sie mit erquickender Frische Wahrheiten deutlich ausspricht und verficht, vor denen man sich im späteren Leben uni des lieben Friedens willen leider nur allzu oft scheut. Aber nicht nur, weil er mit etwas mehr „Schneid", mit forscher Rücksichtslosigkeit den Kampf gegen das Taufjudentum zu führen vermag, richtet sich der Blick gerade auf den jüdischen Akademiker. Gewichtige andere, innere Gründe sind es, die ihm in der Bewegung eine hervorragende Rolle geradezu aufdrängen. Er soll ja später zu den geistigen Führern seiner Gemeinschaft gehören, vielleicht selber in leitender Stellung über jüdische Angelegenheiten entscheiden, ihm fällt ein großer Teil der Verantwortung für die Zukunft des Judentums zu, und da ist sicherlich das aüerwichtigste, daß er die Befähigung und den Willen hat, moralischen Forderungen Geltung zu verschaffen und gegen jede sittliche Fäulnis mit Energie zu Felde zu ziehen. Das Interesse des Judentums verlangt von ihm, daß er sich mit der Kraft und dem Idealismus der Jugend aktiv an der Niederringung dieses Feindes beteilige. Und wenn dieser Eifer im jüdischen Akademiker erweckt wird, so kann es gewiß nichts schaden, wenn zugleich auch ein drohendes „Tua res agitur" erschallt! Man hat einmal treffend die Handlungsweise des Täuflings mit einem unlauteren Wettbewerb verglichendas gilt aber streng genommen nur dem jüdischen Akademiker gegenüber, da gerade er unter dem Taufjudentum am meisten leidet. Jede Stellung, jedes Amt, das ein Taufjude ergattert, geht einem glaubenstreuen Juden verloren, jedes Vordringen des Tausjudentums schädigt Juden und hindert ihren Gleichberechtigungskampf: denn daß nicht nur der Jargon „feudaler" Kreise, sondern auch die Verwaltungsgrundsätze der Regierung den Juden mit dem Taufjuden in einen Topf werfen und daß ihnen gemeinsam eine gewisse Anzahl „jüdischer" Stellen zugebilligt wird, ist ebenso bekannt, wie daß für den charaktervollen Juden nur die Brosamen übrig bleiben, die vom Tische des geschmeidigen Täuflings fallen. Ueber die Größe dieser Gefahr macht man sich oft keine zureichende Vorstellung. Bernhard Breslauer hat sich das große Verdienst erworben, durch einige sehr verdienstvolle Abhandlungen besonders bei der Justiz- und der Hochschulverwaltung mit der unanfechtbaren Waffe der Statistik diesem schmachvollen Zustande zu Leibe gegangen zu sein. Bei ihm mag man Nachlesen, wie groß der Anteil getaufter Juden ist, wie sie bei der Beförderung dem Juden, oft sogar dem geborenen Christen gegenüber im Vorteil sind, und die Zahlen würden noch erschreckender sein, wenn nicht leider jede Statistik zugunsten der Taufjuden gefärbt wäre, da viele von ihnen in der Oeffentlichkeit allen Nachforschungen gegenüber — amtliches Material steyt ja über den Religionswechsel der Beamten nie zur Verfügung— ihre Herkunft zu verbergen wissen. Der jüdische Akademiker leidet zwar am meisten unter dem Taufjudentum, aber in seinen Kreisen ist auch bedauerlicherweise einer der Hauptkrankheitsherde zu suchen, der eine wirklich wirksame Bekämpfung des Nebels fast unmöglich macht. Der Krebsschaden ist unbestrittenermaßen ein sonderbarer Mangel an moralischer Empfind lichkeir dem Täufling gegenüber, wodurch viele unserer Glaubensgenossen das Taufjudentum begünstigen, wenn nicht großziehen Helsen. Und die Hauptquelle für diese Abstumpfung gegen die klaren Forderungen der Moral ist nirgends anders zu suchen, als in vielen der paritätischen Verbindungen von heute, in denen Juden die ausschlaggebende Rolle spielen. Es ist hier nicht unsere Ausgabe, über Wert und Wesen dieser Verbindungen zu sprechen. Es sei gerne zugestanden, worauf von seiten vieler ihrer Mitglieder Angriffen gegenüber häufig hingewiesen wird, daß mancher wackere Mitkämpfer für das Judentum und sein Recht aus ihren Reihen hervorgegangen ist, und wenn man auch dabei unwillkürlich an das „non parce que mais quoique" denken mag, so wird man doch zugeben, daß rein theoretisch der Grundgedanke solcher Korporationen das Judentum nicht gefährdet. Anders ist es freilich in der Praxis, besonders wenn man an die Rolle der Taufjuden denkt! Die Tatsache, daß Täuflinge ohne weiteres paritätischen Verbindungen angehören können, daß aktive wie inaktive Mitglieder ungestraft den Glaubenswechsel aus den verächtlichsten Motiven vollziehen dürfen, beweist, daß man dort in diesem Punkte an die Moral und die Ehrenhaftigkeit der jungen Akademiker nicht sonderlich hohe Ansprüche stellt. Und dabei soll noch ganz von jenen nicht vereinzelten Fällen abgesehen werden, bei denen unter irgendwelchen Vorwänden der Abfall direkt gefördert und der Täufling als kleiner Held und „Renommierchrist" gilt. Eine jede paritätische Korporation müßte aus Gründen der Moral und der Ehre dem Täufling die Tür versperren oder ihn bei seinem Uebertritt wegen seiner sittlichen Minderwertigkeit hin aus werfen. Das geschieht aber nirgends, und man kann sich demgemäß vorstellen, was herauskommt, wenn der Jude neben dem Täufling sitzt, wenn er in ihm den Bundesbruder und

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