KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 9 (1.6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Monatsschrift der im Kartell-Convent vereinigten Korporationen Die Zeitschrift erscheint am 1. jedes Monats. Bezugspreis halbjährlich 2Mk. Einzelnummer 5V Pf. Bestellungen übernimmt der Verlag. Preis der Ifach gespaltenen Zeile für Inserate 50 Pf. Bei größeren Aufträgen und Wiederholungen wird eine Ermäßigung bewilligt. Jnseratenannahme durch den Verlag. „Die Verbindungen im K. C. stehen auf dem Boden deutschvaterländischer Gesinnung. Sie haben zum Zweck den Kampf gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur- und Rechtsgemeinschaft mit dem deutschen Vaterland unlöslich verbundenen Volksteil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten. Zu politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentums, sofern sie der Tendenz von Absatz 1 nicht widerstreben, nehmen die Verbindungen im K.C. keine Stellung." Nr. 9. 1. Juni 1914. 4. Jahrgang. Nachdruck unserer Aufsätze, mit Ausnahme der durch einen besonderen Vermerk gegen Nachdruck geschützte», unter Quellenangabe gestattet. Tausjudentum und jüdische Akademiker. Von Dr. Felix Goldmann-Oppeln (Thuringiae). Es ist nun einige Jahre her, daß mit einer fast elementaren Gewalt plötzlich eine Bewegung einsetzte, die sich mit dem Taufjudentum, seiner Anmaßung und seinen unsittlichen Folgeerscheinungen befaßte. Die jüdischen Zeitungen äußerten sich' damals häufig und eingehend' über diese Frage, stark besuchte Protestversammlungen bewiesen, wie erheblich in jüdischen Kreisen die Empörung über die moralischen Schäden angewachsen war, und auch in der allgemeinen Politik begann man einen gewissen Einfluß der jüdischen Bestrebungen zu verspüren. Man darf selbstverständlich den Wert der Aufklärungen und Anregungen, die in jenen Tagen des gesteigerten Unwillens in die jüdischen Massen drangen und im stillen erfreulicherweise fortwirken, keineswegs unterschätzen. Aber dennoch mutz leider festgestellt werden, daß der erfrischende Sturmwind bald abgeflaut ist. Die Bewegung ist langsam wieder verebbt, teils vielleicht, weil mit einigen wuchtigen sittlichen Wahrheiten ihr Inhalt erschöpft war und sie nicht so viele interessante Seiten hatte, daß in jeder Versammlung und jeder Veröffentlichung etwas Neues esagt werden konnte, teils aber — und das ürfte das Wichtigste sein — weil innere Streitigkeiten im Judentum derart alle Kräfte in Anspruch nahmen, daß eben für solche Aufgaben äußerer Abwehr wenig blieb. Und das ist nach jeder Richtung hin zu bedauern! Gewiß handelt es sich in dem Kampfe gegen das Taufjudentum nicht um eine positive jüdische Aufgabe, aber in Zeiten wie den unsrigen muß man jedes Gebiet, über das ohne Unterschied der Parteianschauung Einigkeit herrscht, freudig und energisch bearbeiten, zumal wenn es sich, wie hier, um eine sittliche Forderung handelt. Denn werden Menschen durch einen Kampf um sittliche Güter einander verbunden, so ist der wohltätige mildernde Einfluß auf ihre sonstigen Gegensätzlichkeiten mit Sicherheit zu erwarten. In der Beurteilung des Taufjudentums lvon den ganz seltenen Fällen, da der Uebertritt aus Ueberzeugung geschieht, können wir hier absehen) herrscht heute — und das ist der größte Erfolg der Bewegung gewesen — volle Einigkeit. Daß die Flucht aus dem schwer bedrängten Judentum nicht anders zu bewerten ist, wie die Fahnenflucht des Soldaten aus der Feldschlacht, daß sie schimpflich und feige ist, wird allgemein zugegeben, und daß der Uebertritt zum Christentum, der Schwur auf das Apostolikum ohne den Glauben an seinen Inhalt, sittlich derjenigen Handlung gleichkommt, die das deutliche Wort der Gerichtssprache als Meineid bezeichnet, wird weder von Juden noch Christen bestritten. Was aber fehlt, ist eben, daß aus dieser allgemein anerkannten Grundlage die logischen und moralischen Folgerungen gezogen werden. Kompromisse und Halbheiten find ja schließlich auf jedem Gebiete des Lebens vorhanden, aber nirgends wirken sie peinlicher, nirgends bringen sie Menschen in eine schiefere Lage als hier, wo die Theorie die volle Ber-