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KC-Blätter · 1914-05-01 · Heft 8 (1.5.1914) · p. Seite 179

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 8 (1.5.1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 179 (sequence 11)
Language
German
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179 Sie kann also unter keinen Umständen dulden, daß von Gauen oder Ortsgruppen allgemein Beschlüsse gefaßt werden, die dahin lauten, daß Juden grundsätzlich nicht ausgenommen werden. Sie wird alles tun, um zu verhindern, daß im „Wandervogel" die Religion oder die Rasse der Juden beschimpft werden. Andererseits denkt die Bunoesleitung nicht daran, die persönliche Freiheit der einzelnen „Wandervogel-Vereine einzuschränken. Sie lehnt es also entschieden ab, da einzugreifen, wo eine Ortsgruppe von Fall zu Fall durch Mehrheitsbeschluß die Aufnahme von Juden ablehnt, etwa weil besonders ausgeprägte Rasseneigentümlichkeiten mit der Art des „Wandervogels", die aus dem Tiefsten des deutschen Wesens hervorgegangen ist und in der deutschen Vergangenheit wurzelt, unverträglich erscheinen." ' Damit fand die in letzter Zeit so viel umstrittene Frage der Aufnahme der Juden eine „so rasche" Erledignng — zur Genugtuung der Bundesleitung. Rasch fertig ist die Jugend. Aber war sich denn eigentlich die Bundesleitung, insbesondere Dr. Neuendorff bewußt, was in Wirklichkeit diese Resolution besagt?! nämlich gerade das Gegenteil der oben erwähnten Erklärung des Dr. Neuendorff selbst! Zwar äußerlich hält der Wandervogel noch an seinem goldenen Prinzip fest. Er ist neutral und es wird unter keinen Umständen geduldet, daß allgemein Beschlüsse von Gauen öder Ortsgruppen gefaßt werden, wonach Juden grundsätzlich nicht ausgenommen werden können. Aber die Bundesleitung lehnt es entschieden ab, einzugreifen, wo eineOrtsgruppe von „Fall zu Fall" die Aufnahme „von Juden" ablehnt — wegen besonders ausgeprägter Rasseneigentümlichkeit! Behandelt man so den Krebs?! Wer die Methode kennt, wie diese Rassenfanatikernach„ausgeprägten"jSemigotha!»Raffeneigentümlichkeiten suchen und was sie darunter verstehen, der muß diese Resolution für einen Scherz halten. Ich erinnere auch an die eigenen Beiträge des Wandervogels zur Rassenfrage „Deutsch oder national", an den „Ablagerungsplatz für alte Stiefel"! Und Menschen, die solches schreiben, will die Bundesleitung schlechthin die Entscheidung über eine objektive Aufnahme von Juden übertragen!!! Es klingt, ich muß es nochmals sagen, wie ein Scherz. Die Raffenfanatiker haben wieder einen Ablagerungsplatz gefunden für ihre alten Stiesel. Welche Stellung haben wir nun einzunehmen bei dieser Sachlage? Noch halte ich es nicht für angebracht, den Kampfplatz innerhalb des Wandervogels zu räumen. Die starken Gegenströmungen, die gegen diese antisemitische Richtung innerhalb des Wandervogels selbst vorhanden und bereits in Beschlüssen zahlreicher Gaue zum Ausdruck gelangt sind, sind nicht unbenutzt zu lassen. Gerade im Wandervogel erwartet den jüdischen Jüngling und das jüdische Mädchen ein besonders ehrenvoller Kampf: ein Kamps, der eine Minorität zum Siege fuhren soll, der den künstlich erzeugten Riß in der deutschen Jugend heilen, jedweden konfessionellen Ausschluß bannen soll, zu dauerndem Frieden und zu dauernder Einheit. In allen Wandervogelvereinen aber, in denen man den Grundgedanken des zweiten Teils der Resolution billigt, da fordert das natürliche Selbstbewußtsein den sofortigen Austritt der jüdischen Mitglieder. Aber noch besteht Hoffnung, daß I. B. von Scheffels Worten: „Gott bewahr's vor Raffenhaß. vor Klassenhaß und Maffenhaß und derlei Teufelswerken" doch zum Siege hier verholsen wird, denn das Wohl unserer Jugend steht auf dem Spiele. Die deutsche Jugend zu einen war der Zweck des Wandervogels, und nun soll er trennend wirken? Nein, und nochmals nein, der Wandervogel darf nicht der Ablagerungsplatz für alte Stiefel werden. Die Störenfriede müssen hinaus aus dem Wandervogel und eine Ortsgruppe, die die Aufnahme eines Juden deshalb ablehnt, weil er Jude ist, die muß aufgelöst werden, weil sie dem Wöhle und Zwecke des Wandervogels bewußt entgegenarbeiten. Das ist also die Resolution, die die Bundesleitung insbesondere künftig anzunehmen und durchzuführen hat, sollte sie nicht! selbst ihren eigenen Statuten einen Schlag versetzen! So behandelt der Arzt den Krebs. Wir Juden aber sehen erneut, wie sehr uns daran gelegen sein muß, unsere Jugend zu stärken für den Kampf gegen den Antisemitismus; darum muß es für jeden deutschen Juden eine Ehrenpflicht sein, mitzuarbeiten in den Organisationen, die diesen Kampf führen, mitzuarbeiten auch in denjüdischenJugendvereinen,derenWandergruppen denen, die aus dem Wandervogel auszuscheiden gezwungen sind, einen Ersatz bieten. Die Zukunft des deutschen Judentums beruht aus unserer Jugend. * -i- -r- Der Streik der Studierenden der Zahnheilkunüe. Eine Erwiderung. Bon Hans Librowicz (Licariae). In dem letzten Februarhest der K. C.-Blätter erschien von Kb. Nelki (Spreviae) über den Streik der Studierenden der Zahnheilkunde eine Abhand-

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