KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 8 (1.5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 177 (sequence 9)
- Language
- German
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177 recht deutlich, wie geflissentlich unsere Gegner all das, was nur irgend etwas Günstiges für die Juden enthält, mag es auch noch so objektiv und noch so wissenschaftlich dargelegt sein, verdammen, weil eben das Gebäude ihrer Theorien auf so hohlen Grundlagen sich aufbaut, daß jeder ernste Gegenstoß es erzittern lassen muß. Gegen die Angriffe, die in dem erwähnten Artikel enthalten sind, richtet sich eine Erwiderung Professor Königs, die die „Deutsche Tageszeitung" aber nicht abdruckt, ohne ihr sofort wieder eine vernichtende Kritik von Dr. Hoffmann-Kutschke anzufügen (27. 3. 14. Nr. 158). Die Entgegnung Professor Königs bestätigt vollauf das, was wir damals bei der Besprechung seines Buches (K. C- Blätter Nr. 6,S. 136/137) von seiner „vorurteilslosen Gesinnung" sagten, die sich damit benügte, „in sachlicher Weise Tatsachen festzustellen". Nachdem König die Unrichtigkeit dessen, was Scheuermann über einzelne Punkte der Arbeit sagt, nachgewiesen hat, betont er noch einmal, daß er nicht in den politischen Kampf einzugreifen die Absicht hatte, sondern daß er nur zeigen wollte, daß nicht „die Ra.ssenzugehö ri gkeit derJuden einselbständiaer Grund zum Hasse gegen sie sein kann". Nur der Rassenantisemitismus sei es aber, mit dem sein Buch zu tun habe. Als besonders charakteristisch, sowohl für seine Gesinnung, als auch zum Beweise des rein wissenschaftlichen Zweckes der Arbeit seien noch die folgenden Worte Prof. Königs erwähnt: „Will jemand um der Religion willen die Juden bekämpfen, so mag er es tun, natürlich mit rein geistigen Waffen, die allein für den Kampf um die Weltanschauung in Betracht kommen. Will ein anderer sie vom wissenschaftlichen Standpunkt aus bekämpfen, so soll dies durch Gesetze geschehen, die allen Staatsbürgern gleichmäßig gelten. Aber die Bekämpfung um der Rasse willen besitzt keinen innern Grund. Es konnte in mir nicht die Hoffnung geknickt werden, daß die ruhig begründete geschichtliche Wahrheit nicht vergeblich um Freunde werben kann." Den vorzüglichen Eindruck, den diese sachlichen Ausführungen Königs machen müssen, können auch die nachfolgenden Darlegungen von Or.Hossmann-Kutschke nicht entkräften, der mit Bezugnahme auf andere Autoren Nebensächlichkeiten zu widerlegen sucht und eine Aussprache über die Rassensrage ablehnt, da sie aus dem Gebiete der „wissenschaftlichen Auseinandersetzung hinaus in kulturpolitische Erörterungen" hineinführe. Die Ausführungen der Deutschen Tageszeitung haben nicht den Beweis zu erbringen vermocht, daß die Untersuchungen des Professors König zu falschen Ergebtnssen geführt habenim Gegenteil: das verzweifelte, aber vergebliche Bemühen, das von ihm errichtete Jdeengeüäude zu unterwühlen, läßt nur erkennen, auf welch' sicherem und festem Boden es errichtet ist. Die Beobachtungen, die aus dem gegen Professor König und sein Buch gerichteten Kampf zu entnehmen sind, zeigen aber anderseits wiederholt, daß — wie wir bereits am Ende unserer damaligen Besprechung (S. 137) sagten — die Veröffentlichung dieser Arbeit gerade in unserer Zeit von unermeßlicher Bedeutung ist. Und weil unsere Gegner nun mit allen Kräften bestrebt sind, das Gute, das das Buch zur Folge haben muß, zu vernichten, dürfen auch »vir nicht müßig sein. Wir haben seit Jahren auf eine autoritative wissenschaftliche Widerlegung des Raffenantisemitismus gewartet. Jetzt haben wir sie, und sogar in einer Art, wie sie vortrefflicher nicht gegeben werden konnte. An uns ist es nun, die Früchte aus dieser Arbeit zu ziehendazu gehört nicht nur, daß wir selbst uns mit dem Inhalte des Buches vertraut machen, sondern vor allem, daß wir für seine Verbreitung in den weitesten Kreisen Sorge tragen. * * * Ahlwardt. Bon Dr. Erich Marx (Rheno-Silesiae), Charlottenburg. In einer kleinen, dürftigen Wohnung eines Hinterhauses im Berliner Stadtviertel Moabit ist er gestorben, Ahlwardt, der „Rektor aller Deutschen". Wie ein wüster Traum mutet uns die Kunde jener Zeiten an, da er der Held des Tages war. — Der erste Ansturm des Antisemitismus war vorüber. Der gewaltige Aufschwung des modernen deutschen Großkapitalismus fux$ nach der Reichsgründung, die durch sein Tempo herbeigeführte Wirtschaftskrisis und die folgende langjährige Depression hatten das deutsche Kleinbürgertum bis ins tiefste erschüttert. Und in der neuen Zeit mit ihrem Ueberwiegen von Geschäfts- und Handelsinteressen, ihren Kapitalmächten und Proletariermassen, ihren Riesenstädten und ihrer Unrast erblickt der Kulturkonservativismus seinen Todfeind. So war das Bett bereitet für jenen Strom des kleinbürgerlich-konservativen Antisemitismus, der um die Wende der siebziger und achtziger Jahre durch die Lande brauste, um dann — für den oberflächlichen Blick — zu versiegen. Dasselbe Schauspiel wiederholte sich zehn Jahre später. Ein neuer Aufschwung der Konjunktur (1887—1890), eine neue Hausse", eine neue Krise. Und wieder brach der Sturm los. Das abermals empfindlich getroffene Kleinbürgertum bäumte sich auf, romantisch veranlagte Elemente traten ihm zur Seite, noch einmal flammte der Haß gegen die Mächte der Neuzeit auf. Eine