KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 8 (1.5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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176 gens 3 Ubr wurde Auerbach bei dem Neuturmwächter eingeliefert und nachmittags noch verhört. Da das Verhör v ollständig ergebnislos war, wurde er tags daraus wieder aus der Haft entlassen. Da er seinen Plan, Prediger zu werden, nicht aufgeben wollte, so kehrte Auerbach wieder in seine schwäbische Heimat zurück und stellte sich freiwillig dem Tübinger Richter. Hier fand er alle Gefängnisse mit Burschensckastern vollgepfropft. Endlich, am 18. August 1833, wurde er 5 Stunden lang verhört. Aber auch diesmal war die Folge eine baldige Haftentlassung, wenn auch mit der Bedingung, sich jederzeit aus Verlangen dem Gerichte zu stellen. Im Wintersemester 1833/34 schrieb er sich wieder in Tübingen ein wurde aber bereits am 20. November strafweise von der Universität verwiesen. Nach den Karlsbader Beschlüssen wäre damit Relegation von allen Deutschen Universitäten verbunden aewesen. Aber diese Strafe war selbst der württembelgischen Regierung zu hart. Auerbach erhielt die Erlaubnis, sich nach Heidelberg zu beaeben und wurde dorr auch nach verschiedenen Scherereien immatrikuliert. Im Spätherbst 1835 reiste Auerbach nach Stuttgart, um sich zum Rabbinatsexamen zu melden, wurde dort aber mit der Begründung abgewiesen, daß er nicht zuaelassen werden könne, solange er sich in Kriminaluntersuchung befinde. Diese barsche Zurückweisung zeigte ihm deutlich, daß er seinen Predigerberuf für immer aufgeben müsse. Er wandte sich nun der Literatur zu und versuchte sich zuerst in Aufsätzen über jüdische Geschichte, erst später schrieb er seine wunderbaren Schwa^waldromane, die seinen Ruhm in aller Welt begründeten. Als Auerbach eben mit den Vorarbeiten seines Romans „Spinoza" beschäftigt war, überraschte ihn das Urteil des Kriminalgerichts. Die Klage wegen Hochverrats, die man'gegen ihn erhoben hatte, wurde zwar abgewiesen, aber seine Mitgliedschaft zur Burschenschaft, als einer geheimen Studentenverbindung, mußte er mit einer zweieinhalbmonatigen Festungshaft auf dem Hohen- Asperg büßen. So endigte die Studentenzeit Berthold Auerbachs. Wenn er auch kein Kämpfer war, dazu fehlten ihm die natürlichen Anlagen, so zeigte er doch durch seinen Anschluß an die Burschenschaft, daß er sich für ihre Ideale begeisterte und für sie dulden wollte. Noch heute nennt die Tübinger Burschenschaft „Germania" den jüdischen Dichter mit Stolz ihren „Alten", den sie auch bei seinem 100. Geburtstag am 28. Februar 1912 dadurch ehrte, indem sie bei der großen Auerbachfeier in Nordstetten sein Grab mit der rot-gold-sch warzen Schleife schmückte. die Antisemiten unü üas.. antisemitische haupttogma".*) VonKurt Alexander-Bonn (Bavariae,Rheno-Silesiae). Die Schrift des Bonner Theologen Profeffor König, das „Antisemitische Hauptdogma", die eine wisienfchaftliche Widerlegung des Raffenantisemitismus darstellt, hat im judenfeindlichen Lager das peinlichste Aussehen erregt. Dieser Erfolg der Arbeit war vorauszusehen. Griff doch Prof. König Theorien an, die das Fundament des gesamten modernen Antisemitismus bilden. Besonders schmerzlich empfand man es, daß dieser Angriff von einer Seite gemacht wurde, von der man ihn am allerwenigsten erwarten konnte: gehört doch der Berfaffer jener Schrift, die in der Lösung der Spannung zwischen Antisemitismus und wiffenschastlicher Forschung „das Heil des gesamten Volkslebens sieht" der konservativen Partei an. An der Schärfe, mit der von antisemitischer Seite die Studie verurteilt wird, ermißt man den Aerger, den das Erscheinen des Buches hervorgerufen hat. An der Spitze derer, die es für nötig erachteten, Profeffor König für sein ungelegenes Auftreten aufs schärffte zu verurteilen, steht die „Deutsche Tageszeitung". Wenige Tage nach der Herausgabe des Buches sucht sie in einem Artikel von W. Scheuermann „Eine wissenschaftlicheTötung des Antisemitismus" (20. 1. 1914, Nr. 35) die Haltlosigkeit der Behauptungen Königs nachzuweisen. Aber das elingt ihr nicht dadurch, daß sie die von önig streng wissenschaftlich klar und scharf bewiesenen Folgerungen einfach - ohne jegliche Begründung — negiert und außerdem noch den Verfasser persönlich angreist. Man wirft da dem „deutschen Bonner Profeffor", der sich durch das starke Aufleben der ario-germanischen Weltanschauung, wie er sie besonders im Kreise derer um Guido von List verkörpert sieht, veranlaßt gefühlt hat, eine Lanze für das Judentum zu brechen, „mangelnde Raffenwürde" vor. Weiter entrüstet man sich, daß „die sonst in ihrem Zuschnitt so tüchtige Arbeit außerordentlich darunter leide, oaß der "Berfaffer entgegen seiner eingangs ausgesprochenen Absicht eine „Generalreinigung des Judentums vornehme, an dem er nur strahlende Lichtseiten sieht", und vor allem — das schmerzt die konservative Zeitung besonders heftig — daß König „es sich einfallen laffe, die politische Neigung des Judentums zum Radikalismus mit seiner Neigung zum Fortschritt zu entschuldigen". Man sieht an diesem Artikel so *) „Das antisemitische Hauptdogma" von Geheimrat König, Bonn. Vgl. die Besprechung in Nr. 6 der K. C.-Blätter (1.&1914/J3.135 ff.).