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KC-Blätter · 1914-05-01 · Heft 8 (1.5.1914) · p. Seite 175

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 8 (1.5.1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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175 heraus aus einer aufblühenden Praxis, heraus aus dem Kreise seiner Freunde riß ihn ein herber Tod im noch nicht vollendeten Lebensalter von 28 Jahren. Ein wolkenschrverer Himmel lag über dem Friedhof von Hörde, der Vaterstadt des Verstorbenen, als wir seine Bahre umstanden. Etwa 100 K. C.er zählten wir, von denen einige von weither kamen, um ihrem Freunde das letzte Geleit geben zu können. Die Verbindungen Rheno-Silesia und Licaria hatten ihre Chargierten entsandt, die mit unlflorten Fahnen ihrem allzu früh verstorbenen Alten Herrn die letzten studentischen Ehren erwiesen. Rabbiner Dr. Jakob- Dortmund jViadrinae-Breslau) hielt die Grabrede. In formvollendeten, tief empfundenen Worten pries er den Verstorbenen als braven Sohn, als liebevollen Ehegatten, guten Vater, als aufopfernden Arzt und treuen Freund. Dann gab Dr. Eliel-Cöln (Licariae, Rheno-Silesiae) als Vertreter seiner beiden Verbindungen und Altherrenverbände dem großen Schmerze der K. C.er Ausdruck, die den Verlust eines ihrer wackersten Mitstreiter beklagten. Zum Zeichen, daß Fritz Udewald auch im Tode der Unsere sein würde, schmückte er die Bahre des Verstorbenen mit den Bändern beider Korporationen. Dann senkten sich die Fahnen dreimal über dem Grabe, die Schläger klirrten, die Kränze türmten sich über dem Sarge: die Trauerfeier war zu Ende. In ernster Stimmung verließen wir den Friedhof in dem Bewußtsein, einen guten und zuverlässigen Freund verloren zu haben. Fritz Udewald wird allen, die ihm nahe gestanden haben, unvergeßlich sein. Alfred Alsberg (Licariae, Rheno-Silesiae). * * * verthold Auerbach als Tübinger Student. Bon cand. iur. Lothar Dessäuer (Sax.-Bav.). Im Sommersemester 1832 ließ sich Berthold Auerbach als stuck, iur. in Tübingen immatrikulieren, im Wintersemester sattelte er aber bereits um und schrieb sich als Theologe ein. Hier in Tübingen fand der junge Student alles, was er in seinen entbehrungsreichen Jugendjahren erträumt hatte. Hier konnte er seinen Idealen nachhangen und seine Lieblingsstudien fortsetzen. War doch kein geringerer als David Friedrich Strauß der Lehrer des jungen Auerbach. Strauß lehrte die Hegelsche Philosophie und erfüllte den jungen Dichter mit seinen Ansichten,' so daß sich namentlich dessen religionsphilosophischen Ideen ganz im Hegelschen Fahrwaffer befinden. Das zeigt am deutlichsten sein Bekenntnis über die jüdische Religion: „Der Mosalsmus ist ewig wahr. Aber wie Moses nicht nur für uns allein, so haben auch Plato, Leibnitz, Baco, Kant und Hegel ihre ewigen Wahrheiten auch für uns verkündet. Es ist die Weltseele, der Geist der Menschheit, der sich schon in Moses manifestierte und ewig derselbe auch in Hegel bleibt." Neben dem Philosophen Strauß lernte Auerbach auch die Vertreter der Schwäbischen Dichterschule kennen, die teilweise, wie Uhland, seine Lehrer waren, teils mit ihm zusammen studierten oder freundschaftlich mit ihm verkehrten. Zu letzteren gehörte namentlich Zeller, Kurz und Mörike. Seit den Jahren nach der Niederwerfung Napoleons hatte sich in Tübingen als eine der ersten Universitäten Deutschlands eine Bewegung gebildet, die mit jugendlichem Feuer die Verwirklichung ihrer nationalen Träume forderte, die Deutsche Burschenschaft. Durch seine Freunde Auerbach I und Kaulla bewogen, trat der junge Dichter auch in nähere Beziehungen zu diesem Bund. Weil er Theologe war und es ihm auch an Geld fehlte, trat er nicht als Mitglied, sondern nur als Kneipmitglied in die Burschenschaft ein. Diese Kneipmitglieder hatteq anfangs fast gar keine Rechte und erst nach einer Eingabe an den Vorstand, die auch Auerbach unterschrieb, wurde eine äußere Verbindung gegründet, die in einem Renoncenverhältnis zur Burschenschaft stand. Der junge Dichter war mit Leib und Seele bei der burschenschafilichen Sache, deren Wahlspruch: Wissenschaftlichkeit, Sittlichkeit, Volkstümlichkeit, ganz seinen Idealen entsprach. — Erst nachdem die Burschenschaft sich offen ausgesprochen hatte, im Falle eines Berfassungsbruchs eine rechtmäßige Revolution zu unterstützen, konnte Auerbach, der auf Staatsstipendien studierte, nicht mehr in ihren Reihen weilen. Um dem Vorwurf der Zaghaftigkeit zu entgehen, wechselte er trotz des lieb gewordenen Freundeskreises die Universität und ging nach München. Wenn auch im biedern Schwaben keine so strenge Inquisition herrschte wie in Norddeutschland, so wurde die Regierung doch allmählich auf das Treiben der Burschenschaft aufmerksam. Die Untersuchungen gegen einzelne Burschenschafter wurden häufiger und auch Berthold Auerbach entging seinem Schicksal nicht. Als er mit seinen Bundesbrüdern von einem nächtlichen Fest in Menderschweig bei München heimkehrte, wurde er auf Veranlassung eines Requifitionsschreibers des Kgl. Oberamtsgerichts Tübingen wegen Mitwissenschaft einer hochverräterischen Verbindung verhaftet. Am 26. Juni 1833 mor-

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