KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 7 (1.4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 166 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2268830-2268874-2268882--1169-3522875- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
166 ficifit wiederum die Zahl der Hochschüler mit Maturitätsprüfung im Verhältnis (in Darirstndt z. B von 38 auf 69 v. H. in den letzten zehn Jahren). Die Folge hiervon und von dein Zurttckdrängen der mangelhaft vvrgebildeten Ausländer ist eine Steigerung der absoluten Leistungen der Hochschulen zum Nutzen unserer Technik. Aber neben diesen innern Gründen, die den Rückgang erklären, kommen äußere, so vor allen Dingen die Ueberfüllung der technischen Berufe. Schon einmal haben die technischen Hochschulen eine starke rückläufige Bewegung durchgemacht, zwischen den 70 er und den 80 er fahren, wo ihre Besucherzahlen um 40 v. H. zurückgingen; sie haben nicht nur bald danach wieder eine Aufwärtsbewegung durchgemacht, sondern — und das ist die Hauptsache?— sie haben dabei keinen Augenblick etwas von ihrer Bedeutung, die ersten technischen Bildungsanstalten der Welt zu sein, eingebüßt. Die Gerichtsasseffor-Prüfung im Jahre 1913. Dem Bericht des Vorsitzenden der Justizprüfungskommission ist folgendes zu entnehmen: Prüfungsaufträge gingen 1539 ein, 72 weniger als im Vorjahre, aber die Zahl der Geprüften betrug 1549 gegen 1546 zuvor. Bestanden haben 1192 Referendare die Prüfung, davon 3 mit »Auszeichnung" idar unter ein K. C.-er), 114 mit „gut", 1075 mit „ausreichend" (davon 191, deren Leistungen als „nahezu gut" bezeichnet werden konnteiv. Nicht bestanden haben 357 Referendare. Der Prozentsatz der Bestandenen, die das Prädikat „gut" oder „mit Auszeichnung" erhalten haben, geht allmählich zurück; er betrug im Jahre 1908 14,0, im Jahre 1909 12,5, im Jahre 1910 12,3, tut Jahre 1911 11,3, im Jahre 1912 11,0 und im Jahre 1913 9,8%. Allerdings hat die im Jahre 1912 nett cingesührte Zwischennote „nahezu gut" eine wesentliche Zunahme erfahren; es erhielten 191 Referendare diese Note gegen 135 im Jahre 1912. Die nachstehende Tabelle macht die allgemeinen Ergebniffe der Priifnng in den letzten Jahren ersichtlich. * Jahr Zahl der Geprüften Zahl der Bestandenen Zahl der Nichtbestandenen Prozentsatz der Nichtbestandenen 1903 888 707 181 20,4 1906 1118 940 178 15,9 1907 1248 1029 219 178 1908 1269 1041 228 18,0 1909 1385 1130 255 18,4 1910 1538 1258 280 18I 1911 1552 1217 335 21,6 1912 1546 1162 384 24,8 1913 1549 1192 357 23,0 Daran knistift der Präsident der Kommission, Ule, folgende Betrachtungen: Die Prüfungsergebnifie waren im Berichtsjahr etwas günstiger als im vorhergehenden; der Prozentsatz der Nichtbestandenen betrug 23, tvährend er sich int Jahre 1912 auf 248 belief. In nahezu gleichem Verhältnis ist die Zahl derer gesunken, die die Prüfung ohne Erfolg wiederholt haben; von den 274 im Jahre 1913 wiederholt Geprüften haben 77, also 28,1 Prozent, von den 241 int Vorjahre tviederholt Geprüften 74, also 30 Prozent, die Prüfung nicht bestanden. Die Verhältniszahlen sind also noch immer ungünstiger als in den Jahren von 1880 bis 1910. Ueber die Gründe für diese Erscheinung habe ich niich tu dem vorjährigen Bericht, auf den ich Bezug nehmen darf, näher ausgesprochen; sie bestehen fort. Hervorgehoben sei, daß nach meinen Wahrnehntungen die Zahl der Referendare, die mit Ernst und Eifer eine gute wissenschaftliche und praktische Durchbildung anstreben, in stetem Wachsen ist, daß anderseits aber die Fälle nicht selten sind, in denen die Prüfitng mißlingt, weil die für den juristischen Beruf nötigen Fähigkeiten, insbesondere Klarheit im Denken und scharfe Anffafiung. mangeln. Bei diesen Referetrdaren weisen in der Regel bereits die im Vorbereittmgsdienst erteilten Zengnisie auf unzulängliche Begabttng hin. Häufig tritt zutage, daß die Art der Vorbereitung verkehrt gewesen ist, daß der Referendar zwar mit vieler Mühe dem Gedächtnis eine große Anzahl von einzelnen Rechtssätzen tind Bestimmungen eingeprägl hat, daß er sein Wiffett aber nicht anzuwenden weiß, weil er über die zugrunde liegenden Gesichtspttnkte, iiber Zweck und Znsammenhang der Vorschriften nicht unterrichtet ist, oder tueil ihm das Verständnis für die Lebensverhältniffe. die das Gesetz regeln will, fehlt. Gebricht es aber ait dem zur selbständigen Ausübung des Richlcratnis ttnerläßlichett Maß von Urteilsfähiakeit und Einsicht, so kann die Prüfung trotz der Fülle des eingelernten Stoffes tticht als bestanden angesehen werden.' Ausländer an deutschen Universitäten Winter 1913/14. Die ntannigfachen kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wechselbeziehungen der Völker und die Wertschätzung deutscher Wissenschaft führten seit Jahrzehnten die ausländische Jugend in größerer Zahl an die Universitäten des Reichs. Ihre absolute Ziffer hat sich im Laufe der letzten zwei Jabi^ehnte verdreifacht. Sie stteg von 1700 im laufenden Winterhalbjahr auf 5015. Aber trotzdem bleibt der relative Anteil des Auslands am deutschen Universitätsunterricht in bescheidenen Grenzett. Das gilt besonders dann> wenn man berücksichtigt, daß die Hochschulen einzelner anderer Länder von Fremden relativ stärker besucht sind und daß auch unsere eigenen Landeskinder zahlreich ins Ausland gehen. So sind z. B. in diesem Winter allein in der Schweiz etwa 400 Deutsche, worunter etwa 70 Frauen. Der Prozentsatz der Ausländer beträgt in Deutschland derzeit bei einer Gesamtstudentenzahl von 59 601 8,4 v. H. gegenüber 7,4 vor 10 Jahren, während an den schweizerischen Hochschulen der Anteil der Ausländer sich diesen Winter ans gegen 50 v. H. beläuft und in Frankreich etwa 13 Prozettt der Universitätsstudenten Ausländer sind. Die Steigerung der fremden Nationalitäten an unseren Universitäten beruht fast ausschließlich ans einem höheren Zustrom aus Europa selbst, und zwar überwiegend aus den slawischen Ländern und den Staatetr des Ostens. Die Zahl der Russen beträgt heute 2259 gegen 2446 htt Vorjahre. Sie zeigt in diesem Winter zum ersten Male einen Rückgang. Das ist zweifellos die Folge der besonders gegen sie gerichteten Maßnahmen der Universitäten nach dein vorjährigen Streik der deutschen Klinikerschaft. Die jüttgsten Vorgänge auf dem Balkan haben den derzeitigen Besuch ttnserer Hochschulen nur wenig beeinflußt: zürückgegangcn ist die Zahl der Studenteti ätts Bulgarien, Serbien, Griechenland und Rutnänien, während der Besuch aus der Türket und aus Montenegro sogar gestiegen ist. Im einzelnen ergibt die Verteilung der ausländischen Studenten auf die verschiedenen Erdteile bzw. Staaten folgendes Bild: aus Amerika stammen 351, aus Asien 230, aus Afrika 34, aus Australien 2. Von den 4439 Angehörigen der europäischen Länder sind 2259 aus Rußland, Oesterreich-Ungarn gehören an 887, der Schtveiz 354, England 150, Rumänien 144, Bulgarien 122, Griechenland '75, der Türkei 65, Serbien 81, Lttxetttburg 56, Frankreich 40, den Niederlanden 46, Schweden und Norwegen 47, Italien 36, Spanien 34, Belgien 14, Dänemark 13, Portugal 8 und Montenegro 6. Auf die einzelnen Studienfächer verteilen sich die Ausländer folgenderutaßen: Medizin 2173, Philosophie, Philologie und Geschichte 957, Mathematik und Natur-