KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 7 (1.4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 161 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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161 die sich zunächst gegen das ältere Kunstgewerbe wandte und dieses zu resormieren suchte. So begann man wieder allgemeiner die Dissonanz zwischen modernem Leben auf der einen und historischer Stilkrämerei und geistloser Nachahmung auf der anderen Seite zu fühlen. — So kamen auch die Künstler, von der Neugestaltung des Einzeldinges ausgehend, von selbst dahin, den ganzen Raum als Einheit zu empfinden, ein Haus von den Zwecken der Einzelräume her, „von innen heraus" zu entwickeln. Lichtwarck, der uns jetzt entrissen wurde, verbreitete diese Ideen in seinen Schriften und zeigte auf, daß es z. B. ein Widersinn sei, als gebildeter moderner Mensch in seiner Wohnung aus dem Louis-Seize-Salon in das Renaissance- Speisezimmer und von da in das Barock- Herrenzimmer zu treten. So stellte sich eine neue Zeit gegen die alte; nach einer Periode der Versuche, die uns als Nebenerscheinung aus den Händen schwacher Nachahmer auch den berüchtigten Jugendstil brachte, wurden die Formen gesunden, welche die schlichte Erfüllung eines Zweckes mit sachlicher, konstruktiver Schönheit verbanden. Die Schäden, die die Leichtigkeit der maschinellen Produktion angerichtet hatte, wurden durch Zurückgehen zu den Quellen: Zweck und Material, wieder gut gemacht. Die Imitation wurde ausgeschlossen: die Bronze aus Zinn, die Schnitzerei aus Papiermache, das „echt Nutzbaum" — lackierte Kiefernholz; ebenso wurde das Auge wieder empfindlich für Farbenharmonien, das Verlangen nach lichrbeständigen Farben ging damit parallel. Es war eine ganz zielbewußte und klar gewollte Wendung zu einer besseren Zukunft. Alle diese Bestrebungen sind seit sieben Jahren zusammengefatzt in dem „Deutschen Werkbund", der in diesem Jahr in Cöln von Mai bis Oktober eine Ausstellung veranstaltet, um zu zeigen, wie weit seine Werbearbeit für den Qualitätsgedanken in den Kreisen der Industrie, des Handwerks und des Handels Erfolg gehabt hat. Hier wird sich ergeben, daß wir nicht mehr bei vergangenen Zeiten oder bei fremden Völkern zu borgen brauchen, an allen, von Künstlern beeinflußten Arbeiten wird ein neuer einheitlicher Formausdruck zutage treten, der uns vielleicht schon berechtigt, von dem Werden eines neuen deutschen Stils in unserer Zeit zu sprechen. Von dieser Wendung ist in der Studentenbude leider meist noch wenig zu bemerken, und dafür gibt es zwei Ursachen. — Die eine liegt bei den Vermietern. Vielfach sind es ursprünglich gut gestellte Familien, die sich durch Verminderung ihrer sonstigen Einkünfte gezwungen sehen, einzelne Zimmer abzugeben, um die Miete aufzubringen;. da wird dann aus mehreren Zimmern zusammengestellt, was einigermaßen zusammen passen will, und in diesen Fällen wird man vorläufig fast stets mit älterem Bestand rechnen müssen, auch wird es kaum einmal gelingen, auf diese Weise ein Zimmer wohnlich einzurichten. — Auch bei den feineren Pensionen ist eine Durchbildung noch recht selten, die modernen Anforderungen genügen konnten. Meist aber handelt es sich bei den Vermietern um kleine Existenzen, die das Vermieten als Geschäft betreiben und dafür von vornherein eine größere Wohnung nehmen. Diese sind sehr häufig aus Mangel an Kapital bei der Beschaffung von Möbeln auf Abzahlungsgeschäfte angewiesen, die bis jetzt meist das Uebelste und Kitschigste liefern, was es aus diesem Gebiete gibt. Es wäre eine verdienstliche Aufgabe, hier bessernd einzugreisen, indem man den Vermietern Gelegenheit gäbe, in gleicher Weise gute moderne Möbel zu erwerben. Hier ist auf einen dankenswerten Versuch der Handwerkskammer in Münster hinzuweisen, der unter Aufwendung erheblicher Mittel einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für Studentenbuden ausschrieb, die bei einem Preis von 400 bis 800 Mark — einschließlich der Matratze für das Bett, einer entsprechenden Stehlampe und 2 Bildern (Steinzeichnungen) —, wie das Ausschreiben sagt, für den Vermieter wirtschaftlich bleiben. Die Kammer hat eine Auswahl dieser Einrichtungen in Auftrag gegeben, um diese auf der „Deutschen Werkvund-Ausstellung" auszustellen. Sie werden hier in einem der Reihenhäuser untergebracht, die von Regierungs- Baumeister Alfred Fischer, dem Direktor der Kunstgewerbeschule in Essen, gebaut werden, der auch als Preisrichter bei dem Wettbewerb fungierte. Es ist zu hoffen, daß diese Abteilung bei allen Studenten, die die Werkbund-Ausstellung besuchen, lebhaftes Jntereffe erwecken wird. Der Gedanke ist der Üeberlegung wert, ob hier nicht eine Aufgabe für die studentischen Wohnungsämter liegt, die sich in den größeren Universitätsstädten einzubürgern scheinen; wenn diese sich für die Ausstattung von Studentenbuden mit solchen Einrichtungen bemühten, dürfte sich die Aufmerksamkeit der Studentenschaft diesen Aemtern in ganz ungeahntem Maße zuwenden. Hier wäre aber auch eine Gelegenheit für die Korporationen, sich ihren Mitgliedern nützlich zu erweisen; schon jetzt gibt es ja vielfach Buden, die in der Verbindung „erblich" sind; wenn man sich entschließen würde, in der einen oder anderen Form diese Gedanken von der Qualität zu fördern, wäre jedenfalls dem Verlangen des gebildeten jungen Mannes nach einer Wohnung, die seinen sonstigen kulturellen Bedürfnissen entspricht, ein Dienst geleistet!