KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 7 (1.4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 159 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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159 Die systematischen Untersuchungen nun, welche über die Folgen der Rassenkreuzung bis heute angestellt worden find, beschränken sich naturgemäß zunächst auf äußerlich sichtbare und besonders charakteristische, grobsinnlich wahrnehmbare Merkmale, und trotzdem enthalten sie schon eine garne Reibe von Tatsachen, besonders über Bererbungserscheinungen,undgestatten,einige recht interessante Schlüffe zu ziehen. Die erste Bedingung sür das Zustandekommen einer Raffenkreuzung ist natürlich die Fruchtbarkeit der menschlichen Rassen miteinander. Zurzeit ist diese Frage in allen ihren Einzelheiten noch nicht entschieden. Erstkreuzunaen zwischen allen Raffen und ebenso .Kreuzung solcher Mischlinge mit den Eltern- oder beliebigen sonstigen Raffen sind fruchtbar. Dagegen ist die Möglichkeit dauernder Fruchtbarkeit der Mischlinge zweier Rassen bis jetzt noch nicht sicher entschieden. Die Entscheidung ist hier — wenigstens für europäische Verhältnisse — um so schwieriger, als eine ganze Reihe sozialer und psychischer Faktoren in Betracht gezogen werden müffen. Gerade für die angebliche Mindersruchtbarkeit christlich-jüdischer Eben hat neuerdings Marcuse auf diese Verhältniffe hinqewiesen. Für die Frage der Raffenkrenzung ist dagegen das Verhallen der elterlichen Merkmale bei den Mischlingen von einem viel größeren Jntereffe. Im Prinzip ergibt sich nun aus einer ganzen Reihe von Untersuchungen, die sich auch auf Vergleichsuntersuchungen vonTieren und Pflanzen stützen, daß die allgemein als charakteristische Raffenkennzeichen betrachteten Merkmale sich nach den Mendel'schen Regeln vererben. Gregor Mendel (1822-1884), Augustinerpater, führte in den Jahren 1865 - 69 eine Reihe von Züchtungsversuchen an Blumen aus, auf Grund deren er zur Aufstellung dreier sogenannter Mendelscher Bererbungsregeln gelangte. Er unterschied: 1. Die Prävalenzregel: i. e. das alleinige Auftreten von Eigenschaften, die entweder dem mütterlichen oder dem väterlichen Organismus gemein sind, niemals aber das gemeinsame Zusammentreffen der elterlichen Eigenschaften beiderlei Geschlechts im „Bastard". Mit anderen Worten: Bei Pflanzen mit weißen und roten Blüten ist die Blütenfarbe des Bastards nicht etwa rosa, sondern weiß und rot. Diese Regel ist jedoch nicht unbedingt zutreffend, sondern es treten auch Nachkommen auf, bei denen bald mehr die Eigenschaften des einen, bald die des anderen Elters dominieren. 2. Die Regel von der „Selbständigkeit der Merkmale": d. h. die einzelnen elterlichen Eigenschaften können auch im Organismus des Nachkommen wieder selbständig auftreten, woraus man schließen darf, daß die Eigenschaften im Keime wie „Mosaik" aneinander gelagert find. Hieraus leitet sich auch die Möglichkeit ab, durch % wiederholt fortgesetzte Kreuzungen alle theoretisch möglichen Kombinationen von Eigenschaften zu züchten. An dieser Stelle sei auch auf die Bereinigungder Merkmale ohne Mischung hingewiesen, wie sie z. B. die Zuchtversuche Carl Hagenbecks zeigen, der bei Kreuzung zwischen Löwe und Tiger Junge erzielte, deren Fell fleckförmig die Tigerstreifung aufwies. Die wichtigste Bererbungsregel ist wohl 3. Die Spaltunasregel, nach welcher bei den Nachkommen von Bastarden, deren Organismus nach Regel 2 erblich konstituiert war, wieder eine Spaltung dieser kombinierten Bererbnngsqualitäten in dem Sinne auftritt, daß d»e Eigenschaften des einen oder des anderen Großelternteils in dem Enkelorganismus sich isoliert wieder zeigen. Nach den Untersuchungen von Davenvorts vererbt sich, wie Fischer mitteilte, die Haarform so, daß schlichtes Haar rezeffiv ist gegen krauses, d. h. engkraules ist dominant. Die Haarfarbe ist dagegen von einer ganzen Reihe von Erbeinheiten abhängig. Rot ist dominant über nicht rot, tiesschwarze Haare über helle. Jnbezua auf das Verhalten der Hautfarbe sind die Ansichten noch geteilt. Während Davenports auch hier aus Grund seiner Untersuchungen annimmt, daß die dunkleren Töne als dominant über die helleren sich vererben, kann Fischer dies an seinem Material (Buren-Hvtt entotten-Bastarde) nicht bestätigen, er konnte vielmehr nur zeigen, daß die Farbe nicht einfach zu einer Mittelfarbe wird, sondern daß die Bastarde sich hier getreu > der Mendelschen Spaltungsregel verhalten. Während also das Verhalten der Hautfarbe noch nicht vollständig geklärt ist, liegen für die Augenfarbe übereinstimmende Befunde vor, laut welchen sich das Pigment aus den vorderen Jrisschichten als selbständiger Erbfaktor, und zwar dominant vererbt, reinblaue Auaen also rezeffiv sind. Ebenso „mendelt" die Nasenform. Nach den Untersuchungen Salamans wird z. B. die schmale, hocherhobene Nase des sephardischen Judentypus über die breite Nase dominant vererbt. Auch die Lid spaltenform vererbt sich nach dem Mendelschen Gesetz, wobei die „gerade" Lidspalte des Europäers dominant ist gegen die „schiefe" der Hottentottenebenso die „relative Stirnbreite", deren große dominant sind gegen kleine. Boas hat früher an Europäer-Jndianer- Mischlingen und neuerdings an Italienern seststellen können, daß bei der Kreuzung zwischen breiten und schmalen Kopfformen die Kinder I keine mittelbreiten Schädel besitzen, sondern die