KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 7 (1.4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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153 zwischen hatte sich der Saal unten auch mit den zahlreichen Ehrengästen und Gästen gefüllt, die an den langen Tischen erwartungsvoll Platz nahmen und den unteren Raum weidlich bis auf den letzten Platz füllten. Man mußte sehr eng aneinanderrücken, aber die Ellenbogenunfreiheit erhöhte nur die festliche Laune. Unter den Ehrengästen waren erschienen: Von der Israelitischen Gemeindeverwaltung Frankfurts, der offiziellen Spitze der allberühmten südischen Gemeinde, der Vorstand und der Ausschuß korporativ; vom Vorstand der Vorsitzende Iustizrat Dr. Blau, die Herren Prof. Dr. Apolant, Emil Heidenheimer, Stadtrat Horkheimer, Ludwig Schiff, Willy Stern; vomAusschußderVorsitzendeDr.Richard Merzbach, die Herren Prof. Dr. Gräfenberg, Rechtsanwalt Dr. Katzenstein, Eli Oppenheimer, Julius Schopflocher. Bon den Frankfurter Rabbinern sahen wir außer unserem Kartellbruder Dr. Lazarus, dessen Amtskollegen Dr. Seligmann, Dr. Horovitz, Dr. Nobel, Dr. Salzberger; von auswärtigen Rabbinern Dr. Goldfchmidt-Offenbach, Dr. Jtaliener-Darmstadt, Dr. Kober- Wiesbaden. Entschuldigt hatte sich wegen Krankheit Prof. Dr. Salfeld-Mainz. Als Vertreter des „Zentralvereins" war von Essen (Ruhr) Herr Rechtsanwalt Abel gekommen, ferner vertraten ihn offiziell Direktor S. Adler und Herr Mayer Stern-Frankfurt. Für die Frankfurtloge kam außer vielen Brüdern deren Präsident Herr Albert Rothschild. Den Jugendbundverein Montefiore vertraten die Herren Dr. Horovitz und Dr. Fritz Ettlinger. Unter den sonstigen Ehrengästen begrüßten wir u. a. die Herren Philipp Schiff, LucienPicard, Prof.Dr. Gold sie in-Darmstadt und Kommerzienrat Josef Baum-Wiesbaden, auch der Vorsitzende des Religionslehrervereins Herr Dr. Julius Höxter war als Ehrengast erschienen. Alle anderen Namen zu nennen, verbietet der Raum. Der „Krönungsmarsch" aus dem „Prophet" gab als Kommersbeginn dann das Zeichen „ad loca". Land. jur. Kurt Etting hau sen-Bavariae und Sax.-Bav. präsidierte schneidig und mit bemerkenswerten physischen Mitteln dem Kommers. Er trank auf einen feuchtfröhlichen Verlauf desselben und eröffnet« ihn mit dem ersten Liede des Offiziums, der Dichtung Henry Lepmanns- Licariae „Willkommen, Ihr Freunde zum festlichen Tag". Der Vorsitzende der Frankfurter K. C.-Vereinigung Dr. Max Mainzer (Badeniae) hielt die Begrüßungsrede, die mit ihrem konzentrierten Gehalt und mit der Mainzerischen Überzeugungskraft vorgetragen alle Aufmerksamkeit auf den Redner bannte. Er führte aus: Hochansehnliche Festversammlung l Sehr geehrte Damen und Herrn! Wenige Monde nur trennen uns von dem Augenblick, wo die alte Kaiferstadt am Main als jüngste alma mater ihre Pforten der wissensdurstigen deutschen Jugend öffnen wird. Daß mit dem Uebergang zur Universität eine gewisse Wendung im gesellschaftlichen Lel en dieser Stadt — tvenn auch nur allmählich — sich vollziehen wird, begreift ein jeder, der akademische und Universitätsverhältniffe kennt, und daß auch das gesellschaftliche Leben Frankfurts, insoweit die Stellung des jüdischen Bevölkerunasleiles in Betracht kommt, davon nicht gänzlich unberührt bleiben wird, ist wiederum jedem verständlich, der die Dinge aus eigener KennMis und eigener Beobachtung ins Auge faßt. Das wäre auch so, wenn nicht gerade im gegenwärtigen Moment stärker denn je der organisierte Antisemitismus sich der akademischen Jugend in Deutschland zu bemächtigen suchte. Zu keiner Zeit hat der Antisemitismus in der Weise „wissenschaftlich" auf den Hochschulen Boden zu gewinnen gesucht wie jetzt unter dem Schlachtruf: „Hie Teut — hie Juda!" Da ist es von Interesse, daß vor wenigen Wochen in den „Akademischen Monatsheften" der Vereine deutscher Studenten ein Aufsatz von Pfarrer Julius Werner von der Frankfurter Paulskirche erschienen ist, der sich mit der Frage der Schaffung einer theologischen Fakultät an der neuen Hochschule beschäftigt und etwa schließt mit den Worten: „Wenn es dem jüdischen und demokratischen Einfluß gelingen sollte, die Frankfurter Universität nur als eine Rumpfuniversität ins Leben treten 'zu lassen und die Errichtung einer cheologischen Fakultät" — mit der, so sage ich, die Interessen der Judenschaft absolut nichts zu tun haben, weder nach der einen noch der anderen Seite — „zu verhindern, so ist es erst recht die Aufgabe und die Pflicht der Vereine deutscher Studenten, dafür zu sorgen, daß wenigstens die Studentenschaft dieser Hochschule mit christlich-nationalem Geiste erfüllt und in wahrhaft deutsch-völkischem Sinne erzogen wird." Wer in den letzten Wochen die Agitation des tammerbundes und der Herren um Bartels, Staust und Werner an den Hochschulen verfolgt hat, der weiß, daß damit sich für uns in Frankfurt ganz eigentümliche Auspizien eröffnen, wenn er zugleich berücksichtigt, in welchem Maße der jüdische Teil der Franksirrter Bevölkerung Bedeutung har nicht bloß für das wirtschaftliche, sondern auch für das soziale und wissenschaftliche Leben dieser Stadt. Ein Blick in die Orte und die Stätten, wo Kunst und Wissenschaft geboten und genossen werden, in die Konzertsäle und Theater, ein' Blick auf das Milieu der Erholungsorte beweist das. Und da haben wir es für unsere Pflicht gehalten, zu zeigen, daß auch derjenige Teil der jüdischen Akademikerschaft und der jüdischen Studentenschaft, der in der Bekämpfung des Antisemitismus in der Studentenschaft und in der Erziehung seiner Mitglieder zu selbstbewußten Juden im weitesten Sinne des Wortes seine Aufgabe sieht, daß auch der am Platze ist, und mit einem mächtigen Auftakt sozusagen unser Panier in Frankfurt zu entsalten. Wir begrüßen es deshalb mit Freuden, daß wir die Ehre haben, eine so stattliche Anzahl von Mitgliedern der Frankfurter Gemeinde und der benachbarten großen Gemeinden heute abend in unserer Mitte zu sehen. Wir begrüßen vor allem heimlich die offizielle Vertretung dieser uralten jüdischen Gemeinde, deren Geschichte aufs engste verknüpft ist sowohl mit der Geschichte der Stadt Frankfurt als auch mit der Geschichte des gesamten deutschen Judentums. Wir rechnen es uns als eine hohe Ehre an, daß Vorstand und Ausschuß ller Gemeinde es sich nicht haben nehmen lassen, in corpore hier zu erscheinen und damit unserem Feste die offizielle Weihe