KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 7 (1.4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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152 sie müssen die Zeichen der Zeit deuten lernen; keiner kann es sür sie tun. Wir sehen da gewisse' Namenreihen austauchen: Goldstein-Avenarius- Fritsch und Moses Mendelssohn-Gabriel, Riester- Moritz Lazarus. Wähle jeder mit klarem Geiste! * 4- * Die K. C.-Zeier vom l März in ZranKsurt am Main. Franksurt, die alte sreie Reichs- und Kaiserstadt, heute eine der stolzesten und schönsten Metropolen im Deutschen Reich, hat einen solchen Märzbeginn wie in diesem Jahre noch nicht erlebt. Das große Ereignis, die kommende Universität, hat seine farbigen Schatten vorausgeworfen. Das vielberedete, lang geplante und glänzend organisierte K. C.-Fest, das Zusammenströmen Hunderter Kartell- und Bundesbrüder vom 1. bis zum 57. Semester, mit und ohne Frau, aus dem Lande Zaberns wie Schlesiens, von der Etsch bis zum Belt, es wurde Ereignis. Das hypnotisch wirkende Kalenderblatt mit der großen roten „1": März 1 Sonntag K. C.er, haltet Euch frei für die K. C.-Feier in Frankfurt! hatte mächtig gezogen. Dieser Wink mit einem Abreißkalenderblatt wurde eine unfehlbar wirkende Abreisemahnung, und so kamen sie mit altem K. C.-Jdealismus einfach alle, soweit nicht absolute Hindernisgründe Vorlagen. Wer zählt die Völker, nennt die Namen, Die gastlich hier zusammenkamen. Von Heidelberg, vom Bonner Strand, Von München, von dem Märkischen Sand, Von Hamburgs fern entlegener Küste, Von Freiburg, Breslau kamen sie. . . . Eine solche Fülle der Gesichter hatte selbst der sonst so großartig planende Festausschuß nicht vorausgesehen. In die Freude über den über alles Erwarten glänzenden Besuch, in die Wonne, so viele Freunde und Kartellbrüder — alle an die man .nur denken konnte — zu sehen, mischte sich nur das Bedauern, nicht noch mehr Raum, mehr Zeit, mehr Zungen und Hände zur Verfügung zu haben, um überall und bei jedem, zu sein und alle Erinnerungen aus- . zükosten, die sich an liebe, teure Häupter knüpfen. Dieses K. C.-Fest stand unter dem Zeichen des. Platzmangels. Der Begrüßungsaüend mußte schon von dem an sich großen Alemanniakeller in den größeren Kaiserkeller verlegt werden. Aber auch dieser reichte bei weitem nicht aus. Wer hinkam, befand sich mit einem Mal in einem Feldlager des K. C. Hunderte von Kartellbrüdern standen, saßen und drängten sich durch die Reihen. Eine frohgemute, glänzende Stimmung beflügelte die Erschienenen und deren Sichsuchen und -Finden, und schwer konnte sich nur die brausende Unterhaltung legen, wenn der Generalstabschef der K.C.-Feier, der unermüdliche und nicht genug zu rühmende Vorsitzende des Festausschusses, unser Dr. Mainzer ums Wort bat, um noch letzte und allerletzte Anweisungen für den morgigen Kommers zu geben. Der Begrüßungsabend beschränkte sich aber nicht bloß auf den Kaiserkeller. Nachdem dort das Offizium abgelausen war, lösten sich einzelne Gruppen ab und in den anderen Restaurants, Cafes und sonstigen intereffanten Lokalen der Stadt sah man noch lange in der Nacht die Bundesbrüder bei heiterer Unterhaltung sitzen. Der Tag des Kalenderblattes brach dann an. Zum Frühschoppen halte man sich im schönen, gemütlichen Ratskeller des Hauses Limpurg versammelt. Nachmittags bummelte man in Couleur im Palmengarten oder man folgte den liebenswürdigen Einladungen Frankfurter K.C.-Damen, in deren schönen Räumlichkeiten eine wohltuende Gastlichkeit, sich austat und kleinere separate K. C.-Feiern nicht minder innig gefeiert wurden. Bis dann die Stunde des Festkommerses im großen Saale des „Kaufmännischen Vereins" kam! Lange vor der festgesetzten Zeit hatte sich der Saal ichon weidlich mtt den Angehörigen des K. C. gefüllt, deren Zahl sich am Sonntag noch stark vermehrt hatte. An langen Tischen wurde Aufstellung genommen. Da noch niemals in der Geschichte des K. C. so viele Verbandsangehörige, gegen 350, zusammen waren, gab es ein imposantes, farbenglänzendes Bild. Sämtliche Couleuren waren vertreten und in die alten, schönen Farben der „Urkantone" mischte sich das Frühlingsgrün der Saxo- Bavaria-Leipzig und die mit besonderer Anerkennung begrüßte grüne hohe Mütze der Viadrina-Darmstadt. Und Dumpfbrausend wie des Meeres Wogen, Von Menschen wimmelnd wächst der Bau, In weilen, stets geschweiften Bogen Hinauf bis in des Himmels Blau. Unter Himmel ist hier natürlich der reichliche Damensior zu verstehen, der sich vom Rang erwartungsvoll, mitfühlend und zärtlich schauend zu den Kommerfierenden herabneigie, wie ein Riesenfrühlingsbaum in voller Blüte, farbig über einer farbigen Wiese ausgebreitet. Kartellbruder Kehr hatte bei solchem Aspekt wirklich nicht schwer in Stimmung zu kommen. Ini