KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 7 (1.4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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160 heute Mitarbeiten/ der Zukunft ihre Aufgaben stellt, das alles schuf an unserer Individualität, und aus diesen Gründen müssen wir das Vaterland lieben. Es tst für unS ein Gesetz der Selbstliebe. Es ist sür uns ein Gesetz der Ratürlichkeit. Denn wenn wir nicht künstlich denken, sondern natürlich denken, so ist Deutschland unser Vaterland. Wir sind national. Nicht in dem Sinne derer, die das Wort sich angehängt haben, um ihre politische Parteistellung dadurch mit einem schönen Worte zu krönen, die sich national nennen, weil sie für möglichst wenig Rechte des Volkes eintreren, sondern wir sind nattonal, weil wir in Deutschland wohnen und wurzeln, und weil seine Entwicklung unsere Entwicklung und weil lein Wohl unser Wohl ist, und wett wir gesehen haben in einer lang andauernden, teilwetse schmerzlichen Geschichte, datz das Vaterland, wenn es unfrei und wenn es bedrückt ist, auch uns schlecht behandelt, und so sagen auch wir, ohne uns irgendwie parteipolitlsch zu binden: „Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand. Blüh' im Glanze dieses Glückes, blühe, deutsches Vaterland!" Wir Juden haben dieses Wort des Dichters erlebt. Wenn wir unserm Vaterlande wünschen, datz die Güter in ihm blühen sollen, so tuen wir es aus treuem deutschen und treuem jüdischen Herzen heraus und zu beiden haben wir als Männer, als Juden und als Deutsche einen Behuf. Und so erziehen wir unsere Jünglinge. An dieser Grundlage lassen wir nicht rütteln. Wir werden weder deutsche noch jüdische Chauvinisten, wir werden uns unfern Blick durch den Pessimismus nicht trüben lassen. Wir werden nicht wegen einiger Schreier unser Vaterland aufgeben. Wir werden nicht feige sein und uns von allem zurückziehen, nur aus dem Grunde, »veil unsere Gegner rusen, sondern wir werden die Einheit des Judentums, die Treue der Generattonen ausrechterhalten, den Gedanken der Tat, den das Judentum gepredigt hat, in uns ausnehmenarbeiten an uns, arbeiten sür die Allgemeinheit, arbeiten sür das Vaterland und sehen so einer gemeinsamen glücklichen Zukunft des Vaterlandes entgegen. Auch der Gedattke des Optimismus ist ein echt jüdischer Gedanke. So bleiben wir treu und frei und wir tun, wenn wir in der eigenen Sache die Allgemeinheit verteidigen, das Grötzle, was dem Menschen begegnen kann, wie Leopold ' Ranke es ausgesprochen hat. Alle Bedrückungen haben uns nichts an uttd können uns nichts anhaben, wenn wir so an uns arbeiten, wenn wir so dem Vaterlande dienen. Wenn ich Sie nun ausfordere, einen urkräftigen Salamander auf das Wohl unseres deutschett Vaterlandes und seines Herrschers, Seiner Majestät des deutschen Kaisers, zu reiben, so tun Sie es, indenr ich Ihnen als unser Programm das zu Gemüte führe, was in einem Gedtcht von Jacob Löwenberg in solgenden Zeilen ausgesprochen wird: „Und schallt es nun aus Red' und Schriften. «Du, Fremdling, fort, was suchst Du hier?» Das Leben könnt ihr mir vergiften, Rein bleibt und treu die Seele mir. Ihr könnt mir das Gefühl nicht rauben. Das freudig stolz die Brust mir schwellt; Trotz euer: Deutschland über alles, Ja, über alles in der Welt!" * 4- -i- „hie Teut, hie Suva." Ein Hammerbund-Flugblatt, besprochen von S. Samuel (Essen). Es gibt Flugblätter, die eher den Namen Fluchblauer verdienten. Zu diesen gehören sämtliche Veröffentlichungen des Hammerbundes, der Stiftung oes Hrn. Theodor Fritsch in Leipzig; und so auch das in der Ueverschrrst genannte Machwerk, das Oberst z. D. Hellwig zeichnet. Viel zu tun hätte derjenige, der allen antisemitischen Flugblättern nachjagen und das Feuer zertreten wollte, das sie um sich streuen, iss ist lies unter unserer Würde, aus einen so unsachlichen Inhalt einzugehen, der eine einzige Kette unqualtfizierbarer Beschimpfungen bttder. Auch sind wir als Juden an diese Melodie von Mammonismus, jüdischer Herrschsucht, Habgier und Sinnlichkeit so gewöhnt, datz wir uns höchstens wundern, wie die rostzersreffene Walze überhaupt noch Töne von sich geben kann. Der Aufputz ist natürlich immer neu. Diesmal erscheint Herr Hellwig in der Toga des älteren Cato; er beschwört ine Manen der Helden von 1813, und hält den degenerierten reutschen Nachkommen eine Standpauke, daß niemand von Teurs Hand auch nur ein Stücklein Brot anneymen möchte. Die Wirkung war aber eine überraschende. Unter Führung von Frhrn. Hans Adaloert von Maltzayn vetöfsent» lichten deutsche Studenten zu Leipzig eine Erklärung, in der es heltzt: „W»r protestieren gegen die Zumutung, einer so riefsteyenden Auffassung eines Kampfes uns anzuschließen, wie sie der Reichshammerbund durch seine Flugblätter propagiert." Die Züchtigung, die die Schmähsucht hier erhalten, lvar wohlverdient. Oberst Hellwig hatte u. a. gejammert: „Staat und Volk von unfruchtbarem, jedes höheren Zieles baren Parteihader zerrisse»», die Menschen unsroh, häßlich und kraftlos an Leib und Seele; die Familie, die Grund-