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KC-Blätter · 1914-04-01 · Heft 7 (1.4.1914) · p. Seite 149

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 7 (1.4.1914)
Date
1914-04-01
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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149 gebung auch dieser Bewegung sympathisch ist, gekämpft muß werden um die große Sache. Wir haben und hatten keine Veranlassung, uns lediglich dessen zu freuen, was von den Gründern unserer Bereinigung erwirkt worden ist; arbeiten und immer wieder arbeiten war die Hauptsache. Wie stellten wir uns nun zum Judentum, dem wir in dem oben erwähnten Geiste von Lazarus die Treue halten mußten? Gewiß, wir waren liberal, aber nicht im parteimäßigen Sinne, sondern in dem Sinne, daß wir sagten: „Jeder kann bei uns nach seiner jüdischen Fasson selig werden." Wir schreiben niemandem etwa irgendeine religiöse Weltanschauung vor. Ich will hier einen zweiten großen Mann aus dem vorigen Jahrhundert nennen, dessen nächste Verwandte auch hier in Frankfuet wirken, Abraham Geiger. Er hat in seinem berühmten Briefwechsel über den Austritt aus dem Judentum, den gerade jetzt die Juden aller Richtungen ihren Kindern zur Lektüre geben sollten, folgendes gesagt: „DasJudew tum mit seiner festlichen Weihe, das Judentum mit seiner reichen, großartigen Geschichte, das Judentum mit seiner Innigkeit des Familienlebens, das Judentum mit seinem mitleidigen Herzen, das Judentum mit seinem reinen Gottesglauben, das Judentum mit seiner mächtigen Dulderenergie, mit seiner Lebensfrische, mit seinem jugendlichen Drange, der sich mit dem ehrwürdigen, hohen Alter paart, bietet einem jeden etwas, der sich nur im entferntesten darum kümmert." Und fragt man nach dem jüdischen Programm des K.C.? Es ist in diesen Worten fundiert. Aussprechen müssen wir es: Wir find keine Juden auf Kündigung. Wir werden auch Juden sein in dem Momente, wo es keinen Antisemitismus mehr geben wird. Und warum? Weil die gewaltigen Kulturerscheinungen des Judentums in der einen oder in der anderen Form auf unsere Mitglieder und auf unsere Jugend immer nachhaltig, immer erneut und immer frisch wirken werden. Aber die Jugend soll frei sein. Und es gibt keine Hebung des Judentums in uns, wenn nicht auch eine Hebung des freien Menschen in uns erfolgt. Was heißt es, der freie Mensch soll gehoben werden? Der fittlich hochstehende Mensch, derjenige, der die Treue hält zu dem ihm Angeborenen, der soll nicht an ein bestimmtes Schema gebunden werden, dem soll nicht eingebleut und eingedrillt werden von seinen Lehrern oder seinen Altersgenossen: „Nur so kann man selig werden", sondern er soll sich selbst zurecht finden in einer eigenen Weltanschauung. Sittlich notwendig ist das Judentum für uns, und das ist bewiesen. Wie es ausgeübt wird, ist ^ache des einzelnen. Daß es in irgendeiner Kulturform geschieht, ist eine Selbstverständlichkeit. Es ist der älteste und der höchste Gedanke in der Entwicklung des Judentums nach der Zeit des Tempels, daß jeder einzelne Jude zu sorgen hat für die Heiligung des göttlichen Namens. Er hat sich auf das schwerste zu hüten vor der Entweihung des göttlichen Namens. Diese Heiligung des göttlichen Namens wurde vorzugsweise darin gefunden, daß jeder sich verpflichtet fühle, nicht nur seinem eigenen Gewissen zu genügen, sondern dem Gesamtgewissennicht nur seine eigene Ehre zu wahren, sondern die Ehre der Gesamtheitdas Gute, wo er kann, zu stiften, das Arge, wie er kann, zu meiden, damit zugleich der sittliche Bestand der Gesamtheit wachse und gedeihe. Die Gegenseitigkeit in der ethischen Haltung und Hebung wird dann Grund und Folge des höheren sittlichen Bestandes in allen. So haben sie in dem Gedanken der Treue zum Judentum die Entwicklungsgeschichte, in dem Programm der Einheit der Generationen die Grundlage der Erziehung des K.C. durchgeführt. Dieser Gedanke der Treue zum Judentum ist nicht nur nicht gegen, sondern direkt für das Vaterland - in seinem Dienst und in seinem Interesse arbeiten wir, wenn wir die Stärkung des Gemeinfinnes anstreben, um die sittlichen Mächte unter uns zu heben. Die großen Mächte, die im Judentum obgewaltet haben, das sind: der Gedanke der Einheit, der Zusammenhang der Generationen, der Gedanke der sinnvollen Traditionen, der Gedanke der Tat — denn immer war im Judentum wichtiger als der Glaube die Tat — endlich der Optimismus — der Glaube an die Zukunft. Weil wir treu sind, find wir auch dem Vaterlande treu. Und — Gertrud Prell nutz hat es einmal ausgesprochen — dieseTreue zum Vaterlande, sie entspringt ja bei uns, wie bei allen Menschen, zunächst der Selbstliebe. In dem Lande, in dem wir geboren wurden, darin wir aufwuchsen, finden sich unsere Kräfte zu einer unwiederholten, individualistischen Art, und daß wir gerade diese Lüste und Düste atmeten, daß gerade dieser Stern den Himmel über unserm Haupt erleuchtete, daß gerade diese Landschaft uns mit trautem Heimatblick Tag für Tag ins Auge sah und ihr Bild in unser Gemüt senkte, daß gerade diese menschliche Umgebung und ihre praktischen Verhältnisse und Lebensgewohnheiten uns unsere Wirklichkeit woben, das schuf mit an unserm Selbst. Daß gerade dieses Volkes geistige Schätze unserm fragenden Gemüt Antwort gaben und ihre Kräfte in unser Fühlen und Wollen einströmen ließen, daß wir gerade diese menschlichen Tugenden und Schwächen mit übernehmen mutzten in unser Unwillkürliches hinein, daß gerade diese geschichtliche Vergangenheit,, an deren Entwicklung,wir

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