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KC-Blätter · 1914-04-01 · Heft 7 (1.4.1914) · p. Seite 148

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 7 (1.4.1914)
Date
1914-04-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 Judentum pflegen'? Wollt ihr eine konfessionelle Verbindung sein, d. h. wollt ihr lediglich aus dem Gesichtspunkte der Pflege religiöser Uebungen euch zusammentun? Soll dasjenige, was dem einzelnen in seinem Herzen heilig ist, auf den Markt der Convente getragen und in Zwangsübungen umgewandelt werden?" Davon war niemals die Rede. Beschäftigen wir uns zunächst damit, was wir als geborene Juden anzuerkennen und zu tun haben. Da betonen wir den Grundsatz von Lazarus: „Was von Natur ein Zufall ist, das ist durch das Sittengesetz Notwendigkeit. Wo einer geboren ist, da wird ihm auch eine oestimmte Wirksamkeit angewiesen." Das Sittengesetz ist allgemein, aber es beziehen sich die sittlichen Forderungen aus die gegebenen Verhältnisse, in denen ein Mensch geboren wird. Ganz spezifische, ganz bestimmte Forderungen kommen für jeden Menschen aus dem Orte her, wo er geboren ist, aus der Familie, dem Stainme, dem Staate; und weil er das Sittengesetz erfüllen musi, kann er die bestimmten Forderungen nicht nach seinem Belieben abweisen. Es war immer schwer, ein Jude zu sein. Auch in den dunkelsten und schwersten Zeiten hatten gleichwohl unsere Väter des Morgens gebetet: „Ich danke Dir. Gott, dasi Du mich ein Israelit hast werden laffen". Und da war es noch viel schwerer, und es war nicht bloß gefährlich, sondern die Gefahr war oft genug erfüllt. Aber warum haben sie das gebetet? Weil sie in der Fortsetzung der Treue zu ihrer Familie, der Treue zu ihrer Ahnenreihe das Hauptziel gesehen haben, und das war das Ziel der Erziehung im Judentum, welche das Judentum groß und in sich bedeutend erhalten hat: dem einzelnen mehr, als es in andern Kreisen geschah, zum Bewußtsein zu bringen, daß er nur ein Glied der gesamten Reihe der jüdischen Erscheinungen bildet, daß er auch zu seiner innern Zufriedenheit nicht unabhängig sein kann von dem, was da sein wird. Ein großer Gedanke, den die großen Geister aller Völker empfunden haben und den Goethe in die Worte kleidete: „Und so lang du das nicht hast, dieses Stirb und Werde! Bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde!" Trübe Gäste wollten wir nicht und leben deshalb nicht isoliert, sondern im Bewußtsein der ewigen Zusammengehörigkeit mit denen, welche der kühle Rasen deckt, und jenen, die da kommen werden. Damit erfüllen wir die Forderung, welche heute als Forderung der Einheit des Judentums mit umfaßt wird. Und darum das Gefühl der Treue zum Judentum als einer uns angestammten Notwendigkeit. Lazarus wies die Juden seiner Zeit darauf hin, daß schon nach den Ausführungen von Mendelssohn das Wort, welches in der Bibel vorkommt und das immer als Glaube übersetzt werde, bester als „Treue" übersetzt werden müffe. Darum ist die'Treue, die der Deutsche seinem Volke nach rühmt, uns nickt nur als deutsche, sondern insbesondere auch als eine jüdische Eigenschaft eigen. Treue ist die Wurzel unserer Religion, wie nur unsere Religion die Wurzel unserer Treue ist. Die Vorsehung hat uns als Juden geboren werden laffen. Die erste Forderung an jeden Ehrenmann" ist: „Bei der Fahne zu bleiben!" Bei einer Fahne, welche 3000 Jahre getragen worden ist, und es haftet kein Makel an dieser Fahne; Blut genug, aber unser eigenes! Das ist die Fahne, aus welcher geschrieben steht. „Der Ewige ist mein Panier!" Bei dieser Fahne wollen wir um Ehren willen bleiben: Es ist nicht die Ehre allein; es wächst durch diese Gemeinschaft und durch diese Treue des Festhaltens etwas zu für den sittlichen Menschen, was sonst nicht erschlich ist: jeder Einzelne als einzelner um des Gewiffens willen handelt er so und nickt anders, tut er vieles und unterläßt er anderes; aber wenn er Mitglied einer Familie ist, dann hat er auch die Rücksicht auf diese Familie, und ist er Mitglied eines Standes, die Rücksicht auf diesen Stand, auch aus die Stadt, den Staat, die Nation, schließlich Religion. Die Zugehörigkeit zu einer großen Gemeinschaft ist eine Erweiterung des menschlichen Gewiffens, und je dauernder diese Gemeinschaft ist, je fester sie in allen Gliedern wurzelt, desto fester ist die Kraft des Gewissens, die davon ausgeht. Aber es handelt sich hier nicht nur um eine Form. Die Zeit, die uns damals zusammenführte, führte uns allerdings zusammen in erster Reihe zum Kampf um unser Recht, und somit ist in der Entstehungsgeschichte unserer Bereinigung dieser Kampf ums Recht ganz besonders fundiert. Wir haben ihn betont und durchgefochten in allen Stadien, betont, als man sich feige zurückzog, als die Leisetreterei blühte, als die älteren Generationen — erstaunt über das Erwachen des Judenhaffes — einen solchen nicht mehr haben wollten. Wir haben den Gedanken der Selbstwehr hoch getragen zu einer Zeit, als es noch keinen Abwehr- und keinen Zentralverein gab, als die Logen kaum zu wirken angefangen hatten, als man von Petitionen und dem bloßen Rufen nach Gerechtigkeit alles erwartete. Wir waren die Ersten aus dem Plane, die in der neueren Zeit das gesagt haben, was die Generationen vorher, als die Judenemanzipation erkämpft werden sollte, ausgesprochen haben: „Nicht betteln um sie, kämpfen mutz man um die Gleichberechtigung", wenn die Gesinnung, die Zivilisation, die Kultur der gesamten Um-

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