KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 7 (1.4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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147 unserer Brust haben? Meine Damen, und Herren, nicht das Blut macht die Nation; wenn das Blut die Nation machen würde, dann müßte Deutschland in 20 Teile auseinanderfallen. Nicht das Blut macht die Nation; die Kultur macht die Nation, das Land, die Sprache und die Erziehung, die Kunst und die Dichtung, gemeinsame wirtschaftliche Arbeit und gemeinsame Zukunftshoffnungen, das macht die Nation. Immer wollen wir bekennen — nicht im Tone chauvinistischer Art —, daß wir ein gutes angeborenes Recht aus unser Vaterland haben und uns wehren gegen jeden, der uns das Recht auf unser Vaterland bestreitet. (Bravo!) Wir wollen nicht leidenschaftlich werden. Ich meine, es ist immer gut, wenn man sich bemüht, auch die Gedankengänge der Gegner zu verstehen. Mögen sie noch so leidenschaftlich und noch so feindlich aus der anderen Seite werden; wir wollen gerecht bleiben um der Gerechtigkeit willen. Wir wollen sagen, daß das, was die anderen lehren, fick erklärt nur durch die Verzweiflung, in die sie durch den Antisemitismus gebracht wurden. Aber unsere Freunde und unser e Jugend buten wir, doch einigermaßen auch Dinge, die historisch betrachtet werden wollen, historisch zu betrachten und sich einmal die Frage vorzulegen: Darf es uns denn wundern, daß in 100 Jahren oder in 80 oder gar in 60 der Emanzipation das noch nicht überwunden werden konnte an Vorurteilen und alten Stimmungen und an altem Unrecht, was Jahrhunderte vorher erzogen hatten und aufgetürmt hatten zu riesigen Massen? Wir würden die Weltgeschichte nicht verstehen, wenn wir verzweifeln würden. Im Gegenteil, Ihr Jungen, wir dürfen sagen, wir sind ein gutes Stück weitergekommen in diesen 100 Jahren. Das wird immer unsere Pflicht sein, gegen antisemitische Anschauungen anzukämpfen, wo wir sie immer finden; aber verzweifeln brauchen wir nicht und wir dürfen unS dem Glauben hingeben, daß die kommende Zeit eine bessere Zeit sein wird. Noch etwas anderes sprechen wir aus, weil wir uns das in unseren K. C.-Verbindungen immer gegenseitig offen gesagt hoben, und wir scheuen uns nicht, es auch hier zu sagen: Waren wir denn selber von allen Fehlern frei? Meine Damen und Herren, der Druck, der in den langen Jahrhunderten aus uns gelastet hat, der Druck hat bei uns gute und große Werte geschaffen. Aber er hat auch Werte zerstört, und es muß Erziehungsarbeit unter uns geleistet werden. Das war zugleich eine der Aufgaben, die wir uns gestellt haben; es muß noch da und dort ein Stück von jenem alten Ghettogeist überwunden werden. Das wollen wir uns gegenseitig lehren, und das wollen wir der Jugend sagen: Aufrecht muß der Mann durchs Leben gehen und bekennen soll ein jeder, was er ist. Der Feigling allein versteckt sich und der Schuft verleugnet seine Eltern. (Beifall!) So wollen wir in unseren Verbindungen weiter arbeiten; damit erweisen wir einen Dienst nicht nur dem deutschen Judentum, damit arbeiten wir auch für unser deutsches Vaterland. (Bravo!) Ihm aber verbleibt unsere Arbeit. Den Jungen aber sagen wir: Den Glauben sollt Ihr haben und den Glauben sollt Ihr bewahren, daß die deutsche Zukunft groß und frei sein wird. Der Geist im K. C. soll der alte bleiben. Treu der eigenen Vergangenheit; treu dem Vaterland! Die ganz Jungen aber, die hier sind, mögen prüfen, ob es nicht eines rechten Studenten würdig wäre, in diesem guten Geiste der Treue, der Ehre und des Rechtsgefühls zu arbeiten für das deutsche Judentum, zu arbeiten für das deutsche Vaterland. (Beifall.) Mit unserem Salamander aber feiern wir die Verbindungen im K. C., ihre Arbeit und ihre Zukunft. Vaterlandsrede von Di*. Ludwig Holländer lLicariae), Berlin, gehalten auf dem K. C.-Kommers in Frankfurt a. M. Auf das Vaterland und seinen Herrscher soll ich sprechen. Ich soll sprechen vom Standpunkt der hier versammelten jungen akademischen Welt, vom Standpunkt des K. C. Dieser Standpunkt bietet nichts Schwieriges. Er ist gegeben durch unsere Entstehungsgeschichte, ausgebaut in ünserm Programm, vollendet in unserer Erziehung. Ich sage, er ist gegeben in unserer Entstehungsgeschichte. Die älteste Verbindung im K. C., die Biadrina in Breslau, entstand nicht allzulange nach den Tagen, in denen einer der größten Männer unter den Juden des 20. Jahrhunderts, dessen naher Verwandter in unserer Mitte weilt, und den wir zu den unsrigen zahlen dürfen, nämlich Moritz Lazarus, in den berühmten „zwei Reden" den Standpunkt sestgelegt hat, den wir immer als den unsrigen anerkannt haben, nämlich den Standpunkt, der eigentlich so selbstverständlich war, daß man nicht glauben sollte, er könne heute umstritten sein, der aber doch heute so umstritten ist, daß wir ihn zu betonen nicht müde sein können und werden: „Erziehen wir uns und insbesondere unsere Jugend zum Judentum und zum Deutschtum". Indem wir das tun, folgen wir dem Charakter, folgen wir der Stimme des Schicksals, folgen wir dem Gebot der Treue, folgen wir einer , in uns liegenden inneren Notwendigkeit dem Judentum gegenüber. Man sagte uns, den freien akademischen Bürgern: „Was wollt ihr mit dem Judentum? Es ist doch ein reiner Zufall, daß der einzelne als Jude geboren ist. Was heißt überhaupt in einer „Verbindung" das