KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 7 (1.4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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146 jüdische Student selber den Kampf gegen den Antisemitismus führen solle, datz er ihn führen solle mit den Mitteln, mit den Möglichkeiten und mit den Waffen der deutschen Studenten. Und nun, meine Damen und Herren, ich war noch nie einer von denen, die meinten, zu einer Mensur gehöre besonders viel Mut. Es gehört auch nicht viel Mut zu einem Säbelduell ohne Binden und Bandagen; ich habe mir nie viel eingebildet auf jene Betätigung meiner Jugendtage. Aber weil es andere gab, die meinten, es sei ein Beweis von Mut, da haben wir uns auf den Standpunkt gestellt, wir wollen auch auf dem Gebiete zeigen, was wir können. Und, meine Freunde, wir haben es gezeigt. (Bravo.) Wir dürfen wohl sagen, daß es heute in der deutschen Studentenschaft keinen ehrlichen Studenten mehr gibt, der behauptet, daß der jüdische Student körperlich minderwertig sei, oder daß man die Behauptung wagen würde, der jüdische Student sei feig. Dies Vorurteil ist von den Verbindungen im K. C. mit Erfolg niedergekämpft worden. Aber wir wollten uns ja noch viel mehr geben, als diese äußeren Formen studentischen Lebens, obwohl wir wohl sogen dürfen, daß der jüdische Student auch ein Recht darauf hat, sich in den alten guten Formen deutscher Studenlenart zu bewegen. Wir wollten uns gegenseitig erziehen und diese Erziehungsarbeit und der Kampf gegen den Antisemitismus, es war ja ein und dasselbe. Wir haben uns zunächst gesagt: Ehrlos ist der, der in den Zeiten der Gefahr seiner Gemeinschaft fahnenstüchtig wird^ Wir haben weiter gesagt, Pflicht des anständigen und aufrechten Mannes sei es, einzutreten für die Gemeinschaft, in der er geboren wurde. Aber das war noch nicht alles von den Lehren, die wir uns gegeben haben. Mehr als das haben wir uns gegenseitig gesagt. Einmal haben wir die Auffassung ausgesprochen, daß der dentfche Jude einen Anspruch auf volle Gleichberechtigung im deutschen Vaterland hat. Den Anspruch hat er nicht nur etwa auf Grund von irgendwelchen papierenen Berfassungsbeftimmungen, sondern den Anspruch hat er als ein Menschenrecht, den Anspruch hat er auf Grund der historischen und nationalen Entwicklung des deutschen Vaterlandes. (Beifall.) Aber wir haben weiter erklärt, daß eine Gemeinschaft, die für ihr Recht nicht kämpft, eine Gemeinschaft, die sich nicht wehrt, wenn sie angegriffen wird, des gleichen Rechtes überhaupt nicht, würdig sei. Der Kampf, den wir führten, und der Kampf, den wir führen wollten später im bürgerlichen Leben, das war eine notwendige Voraussetzung der völligen Durchführung der Gleichberechtigung selbst. : Und ein Zweites, meine Damen und Herren und meine Freunde/ haben wir uns gelehrt: Achtet und ehret jede religiöse Meinung und jede religiöse Anschauung und seid keine Spötter m religiösen Dingen, wie die Halbgebildeten. Aber wenn Eure Ueberzeugung Euch nicht zwingt, den Glauben zu wechseln, dann bleibt der Gemeinschaft Eurer Väter treu. „Ehre Vater und Mutter", das Wort hat in dem Zusammenhänge eine noch viel größere und eine viel gewaltigere Bedeutung als in dem allgemeinen Sinne. „Ehre Vater und Mutter!" Das war der Gedanke, von dem wir als Studenten bei unseren Kämpfen ausgegangen sind. Eure Geschichte sollt Ihr kennen und Eure Geschichte sollt Ihr lieben, und Tradition sollt ihr haben, weil Ihr ohne Tradition wurzellose und haltlose Menschen seid. Unsere Geschichte war auch so, daß wir stolz auf sie sein dürfen. Was lehrt sie uns durch die langen Jahrhunderte schweren Druckes und schwerer Verfolgungen? Daß die, die vor uns waren, in allen Nöten und allen Gefahren treu geblieben sind ihrer Ueberzeugung. Mögen andere sprechen von kriegerischen Helden und von Ruhmestaten ihrer Ahnen. Es ist auch eine Ruhmestat voll Mut und Stärke und zeugt von wahrer Ehre, wenn man dem Tode ins Auge sieht, aber treu bleibt seiner Ueberzeugung. (Bravo!) Und ein Drittes haben wir uns gelehrt, und ein Drittes wollen wir die Jugend weiter lehren: Der deutsche Jude lptt nur ein Vaterland, und Deutschland ist sein Vaterland. (Bravo!) In Deutschland find wir geboren; in Deutschland sind unsere Eltern geboren und in Deutschland find unsere Ahnen geboren. Bor Jahrhunderten saßen sie oben am schwäbischen Meere und in Vorarlberg, am Rhein, in Worms und Frankfurt und drunten an der Nordsee und überall in den deutschen Gauen. Ich möchte das nochmals aussprechen, was ich bei anderer Gelegenheit gesagt habe. Biele, viele von uns sind eingeborener in diesem Lande als manche von denen, die ihr Deutschtum gegen uns ausspieten wollen. (Bravo!) Aber, meine Freunde, ob das Vaterland uns gut behandelt oder ob das Vaterland uns schlecht behandelt, das kann an der naturgemäßen Tatsache, daß wir zu diesem Lande gehören, nichts ändern. Diesem Lande bleibt unsere Arbeit und diesem Lande bleibt unsere Liebe. Sehen Sie, meine Damen und Herren, darin liegt der große Gegensatz zwischen unserem Verbände und anderen Verbänden jüdischer studentischer Jugend. Wir glauben an unser Vaterland, und wir bekennen uns zu diesem Vaterland und wir kennen eine glückliche Zukunft nur in diesem Lande. Wir sagen: Wie soll denn der Kampf um die Gleichberechtigung der deutschen Juden zu einem guten Ende geführt werden, wenn wir selber den Glauben an unser Vaterland nicht mehr m