KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 6 (1.3.1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 136 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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136 würfe — scheinbar auch mit demselben „eleganten Dilettantismus" — wie ebedem der Verfasser der „Grundlagen des 19. Jahrhunderts". Er stellt drei Hauptthesen auf, gegen die König sich dann eingehend wendet. 1. Nicht alles, was im alten Testament stehe, sei „jüdischen Ursprungs"- denn 51t den Ureinwohnern Palästinas gehörten nichtnurSemiten, sondern auch Angehörige anderer Rassenvor allem hätten die Hethiter, ein indogermanischer Völkerstamm, einen bedeutenden Einfluß ans das Geistesleben ausgeübt. 2. Es hätte ein rassischer Unterschied zwischen. Israel und Juda bestanden- Juda, von dem die heutigen Juden abstammen sollen, wäre im Gegensatz zu dem „gemütstiefen Israel" ein „rohes Wuchervolk" gewesen. 3 Christus gehöre nicht der semitischen, sondern der arischen Rasse an. Mit scharfer Dialektik, häufig untermischt mit feinem Spott, weist König Schritt für Schritt die Haltlosigkeit der Behauptungen, die Fritsch aufstellt, nach. Bei der Widerlegung des ersten Punktes betont er, allerdings unter feiner Unterscheidung zwischen Rasseneigenart und kultureller Eigenart, daß man nicht sagen dürfe, Israels Religion sei ein Produkt der semitischen Art, dagegen sei sie ein kultureller Eigenbesitz, „aus. den Israel stolz sein kann", den man aber nicht aus einem nationalen oder ethnologischen Gesichtspunkt heraus beurteilen dürfe. Ich glaube, dieser Argumentation — hat doch das klassische Schrifttum Israels sogar Literaturprodukte von Ausländern mit ausdrücklicher Anerkennung ausgenommen — dürfen auch wir uns anschlietzen, wenn wir nicht leugnen wollen, daß alle Tatsachen, zumal religiöse, das Resultat einer unverfolgbaren Entwicklung sind. Als völlig unbegründet und unwissenschaftlich stellt König die zweite von Fritsch erhobene Behauptung hin. Ja! Sätze wie: „Und wo ein erhabener Gottesbegriff und ein hohes sittliches Ideal herausklingtz da stammt es von diesen edlen Israeliten und nicht von den Juden her" oder „an den Prophetenschriften sind die Juden unschuldig, sie sind der sittlichen Entrüstung und geistigen Abwehr entsprossen, die ein in seinen heiligsten Gefühlen verletztes ehrliches Volk gegen jüdische Korruption ins Werk setzte", bezeichnet König als „Schmach für die Wissenschaft": „Man mutz sich empört dariiber si'chlen, datz Ratschläge, nach der Methode von Fritsch die hebräischen Schriften zu lesen, in unserer Zeit und in unserm deutschen Vaterland möglich sind." Auf jeder Seite deckt er Fehler auf, von denen er sagt, datz sie „an Verleumdung grenzen" und die er aus „starrer Tendenzsucht" erklärt. Sehr zu begrüßen ist es, datz König bei der Würdigung der Propheten jene christologische Deutung verschmäht, die in den grotzen jüdischen Geistesheroen nur die Vorläufer des Stifters des Christentums sieht. Energisch bestreitet er auf Grund eines umfangreichen historischen Materials weiter die Behauptung, datz ein Raffengegensatz zwischen Christus und den Semiten bestanden habe. An einer Stelle sagt er sogar: „Christus mußte not- - wendig ein Jude gewesen sein, denn nur ein Anhänger des Religionsvolkes der Juden konnte ein solches Werk schaffen." Bei seiner Schilderung der Verhältniffe des jüdischen Volkes und Landes gibt er eine prachtvolle Darstellung des Volkscharakters in der Zeit der Entstehung der neuen Religion. Mancher Vorwurf, den man uns seit Jahrhunderten macht, widerlegt da der Mann, der heute vielleicht das beste Urteil über jene Zeit hat: „Es ist unrichtig, datz man dem Judentum zur Zeit Christi die Pflege der Tugenden und die Reinheit des Denkens absprechen dürfe. Wie sehr betont man da die Forderung, Gott zu lieben! Wie laut wird die Barmherzigkeit gepriesen! Die grotzen Grundzüge der Religionsanschauung des Judentums, die Ideen des Monotheismus, die Erhabenheit des Göttlichen, alle diese Prinzipien sind Grundsäulen des Christentums geblieben. Als ein Schriftgelehrter Jesum nach dem vornehmsten Gebot frug, da konnte er ihn doch Hinweisen auf das alte Testament, weil auch da schon Gottesliebe und Nächstenliebe gefordert wird." Am Schluffe kommt dann der Verfaffer noch auf die Raffensrage schlechthin zu sprechen, und allen Raffefanatikern seien die Worte vorgehalten, die er da findet: „Was kann denn auch überhaupt die Rasse über den geschichtlichen Zusammenhang der geistigen Kultur entscheiden? Das menschliche Denken ist nach seinem psychologischen Prozesse bei allen Raffen dasselbe. Mit diesem Betonen der Raffe verirrt man sich vom geistigen auf das körperliche Gebiet, verwechselt man den psychologischen Gesichtspunkt mit dem physiologischen. In dem Bevorzugen der einen Raffe vor der andern, das ja auch neuerdings bekanntlich in den Bestrebungen, die „ario-gernmnische Weltanschauung" wieder zu erwecken und die Arier als die einzigen Träger der echt-menschlichen Kultur hinzustellen, stark zum Ausdruck kommt, liegt eine noch zu wenig erkannte Gefahr für den geistigen Fortschritt des Menschengeschlechtes." Einen Beweis für die vorurteilslose Gesinnung Königs bietet die Art, wie er zuletzt den Antisemitismus absindet. Er verschmäht es, ein ausdrückliches Selbstbekenntnis abzulegendenn das Buch soll nicht politischen, sondern rein