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KC-Blätter · 1914-03-01 · Heft 6 (1.3.1914) · p. Seite 135

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 6 (1.3.1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 135 (sequence 11)
Language
German
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135 Partien steht er auch in den Augen selbst ungünstig gesinnter Kommilitonen doch als jemand da, der etwas leisten kann.' Auch das fördert wieder seine moralische Kraft. Damit soll nun durchaus nicht gesagt sein, daß im Fechten und im Fechtenkönnen das alleinige Heil für den K. C. lieat; aber es ist doch offensichtlich, daß die Paukfähigkeit sowohl nach außen den jüdischen Studenten in seiner exponierten Stellung schützt wie ihn auch selbst in jeder Beziehung emporhebt. Darum tut der K. C. Recht, wenn er sein ihm eingeborenes Prinzip der unbedingten Satisfaktion weiter aufrecht erhält und ' im alten Geiste fortarbeitet. Man mag über die Unvernunft der studentischen Mensur lächeln wie man will, menschlich wertvoll ist es doch, wenn jemand ohne mit der Wimper zu zucken kommentmäßig ficht und körperliche Verletzungen und Schmerzen wie ein Mann erträgt. Es bedeutet dies doch die Bejahung eines Ideals, abgesehen von dem erforderlichen persönlichen Mut, die Hingabe des eigenen Leibes für eine sittliche Idee, nämlich, daß es Wertvolleres gibt als die kleinliche Sorge für den lieben Corpus und daß die unverletzte Ehre tausendmal höher steht. Den K. C.crn hat es im späteren Leben auch allen wohlgetan, daß sie auf Mensur gestanden haben. Eine gewisse Lebenskraft haben sie vom Fechten ins Philistertum hinübergerettet, eine frische, dem rein theoretischen Spintisieren abgeneigte Auffassung des Lebens. Wer zum Fechten exogen ist und gefochten hat, muß gelernt haben, die Realien des Daseins zu beobachten und mußte sich hüten, ins Leere zu schlagen. Es scheint, daß die realpolitische Weltauffassung des K. C.ers, der die Gebote seiner jüdischen Ehre mit denen seiner sonstigen staatsbürgerlichen Stellung zu verbinden sucht, dem Fechter gleicht, der seine Ehre wahrt, indem er auf dem gegebenen Boden sich Geltung verschafft, und der ruhig stehen bleibt, wo sein legitimer Platz ist. Auf das Fechten allein, wie gesagt, kommt es aber nicht an. Auch das Gemüt, das Wiffen, die Empfindung für das Richtige muß beim K. C. ausgebildet werden, und ein idealer K. C.er ist. wer zugleich sich mannhaft wehren kann und wer im brandenden Gefecht der Zeitfragen auch mit seinem Urteil seinen Mann steht. Beides gehört zusammen und dahin verstehen wir auch den alten Viadrinenspruch mit seiner kernigen Prägung: Viadrina wir beweisen, Beweisen durch die Tat, Daß unser Herz und Eisen Stets gut geschlagen hat. Das antisemitische Hauptdogma. Beleuchtet von Eduard König, Di-, plul. et tbeol., ordentlicher Profeffor und Geheimrat in Bonn lBonn 1914, A. Markus und E. Webers Verlag vr. iur. Hahn, Preis: 1.50 Mark). Es ist heute glücklicherweise nicht mehr so selten wie vor einem Jahrzehnt, daß ein Nichtjude die Feder ergreift, um für uns Worte der Verteidigung zu schreiben. Darin eben liegt das einzige Gute, was der „wissenschaftliche" Antisemitismus zur Folge hatte, daß bedeutende Männer gezwungen wurden, sich mit der Judenfrage zu beschäftigen. Und mit Freude dürfen wir feststellen, daß ihre Werke — soweit sie das Produkt eines objektiven Forschens sind — fast immer zu unfern Gunsten ausfallen. Beseelte nicht ein solcher Fanatismus unsere Gegner und wollten sie die Tatsachen nicht übersehen, sie müßten von der Menge dessen, was von den berufensten Leuten zu unserer Verteidigung geschrieben ist, schon lange überzeugt sein. Geradezu niederschmetternd muß aber für alle die, die noch eine Spur Objektivität sich bewahrt haben, die jüngste Arbeit Eduard Königs, des Ordinarius an der Bonner evangelisch-theologischen Fakultät sein. Ein protestantischer Theologe', der in politischer Hinsicht zu den Konservativen gehört, den die „Kreuzzeitung" zu ihren Mitarbeitern rechnet, ein Mann also, dem man keine Voreingenommenheit für die Juden vorwerfen kann, verurteilt hier den Antisemitismus mit einer Schärfe, mit einem Nachdruck, wie der Jude, dessen Herz begeistert für feine Glaubensgenossen schlägt, es nicht feuriger hätte tun können. Dazu kommt, daß Eduard König eine Autorität auf dem Gebiete der alttestamentarifchcn Forschung ist, daß er also Anspruch darauf machen kann, in den weitesten Kreisen unseres Vaterlandes gehört zu werden. König wählte den Titel „Das antisemitische Hauptdogma", weil die von ihm erörterte Frage zu denen gehört, die der Antisemitismus am ausgiebigsten für seine Zwecke ausschlachtet und weil sie geradezu das Fundament für die Theorien gewisser Richtungen wurde. Es handelt sich nämlich um das seit Chamberlain so aktuelle Problem der Raffenzugehörigkeit und der kulturellen Bedeutung des biblischen Judentums. Den Anstoß zu der vorliegenden Arbeit gab in letzter Linie ein Aufsatz von Theodor Fritsch „Zur Entstehungsgeschichte des alten Testamentes" jabgeoruckt in der bekannten Monatsschrift „Der Hammer", 1913). Der beredte Herold des modernsten Antisemitismus tritt in diesem Artikel durchaus in die Fußstapfen Chamberlains. Er erhebt dieselben Bor- * * *

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