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KC-Blätter · 1914-03-01 · Heft 6 (1.3.1914) · p. Seite 134

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 6 (1.3.1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 134 (sequence 10)
Language
German
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134 Diese durchaus berechtigte Liebe zur Romantik im Studentenieben ist auch einer der Hauptgründe, weshalb die K. C.-Korporationen mit ihren studentischen Sitten sich eine so seste Stellung errungen haben und weshalb jeder, der K. C.er war, so innig an seiner Korporation hängt. Auch der Fechtbetrieb, den der K. C. in studentisch althergebrachter Weise ausgenommen hat, bildet mit seinen vielen Erinnerungen, die er zurückläßt, ein besonderes Bindemittel zwischen K. C.er und Korporation. Alle allgemeinen Gründe, die das Studentensechten rechtfertigen, gellen auch für den K. C. Bei der besonderen Stellung, welche aber die K. C.-Korporationen im übrigen Studentenleben einnehmen, gewinnt hier die Frage der unbedingten Satisfaktion eine besondere Bedeutung. Der K. C.er nimmt eine exponierte Stellung als Jude ein, er ist leicht verletzlich und bei jeden Konflikt starken Vorurteilen und Beleidigungen eher ausgesetzt als christliche Kommilitonem Er hat sich inkorporiert auch aus dem Grunde, um in mannhafter Weise gegen den Antisemitismus der Hochschüler Front zu machen. Beidem temperamentvollen Wesen jungerMenschen genügt aber eine rein geistige Abwehr nicht. Um sich volle Achtung zu erzwingen, muß der K. C.er auch in der Lage sein, für jede Kränkung seiner Ehre seine ganze Person einzusetzen und den Gegner sofort vor die Klinge zu fordern. Ein bloß rhetorischer Protest oder die Pose schweigender Verachtung hätte nicht den gleichen Effekt im Interesse des Judentums. Denn Studenten sind keine Philosophen. So ist denn der K. C., der in kämpferischen Zeiten gegründet wurde, von selbst zum Fechtprinzip gekommen. Dasselbe war sogar ein Motiv seiner Gründung und ist dem K. C. heute noch so wesentlich wie das Prinzip der inneren Vertiefung des jüdischen Selbstbewußtseins im Rahmen des deutschen Vaterlandes. Das Fechtprinzip bedingte zugleich die Annahme der unbedingten Satisfaktion, denn nur diese konnte mit ihren strengen Ehrbegriffen denl K. C. in den Augen des Gegners die gebührende Achtung abringen. Der K. C. mußte, weil dem Juden' alte, gespensterhafte Vorurteile entgegenstehen, eine möglichst große, in die Augen springende Schneidigkeit beweisen, und es hieße die Geschichte des K. C. schreiben, wollte man hier aufzeigen, wie die unbedingte Fechtbereitschaft und erfreuliche Fechtfähigkeit des K. C. moralische Eroberungen überall gemacht hat und den dummen Vorwurf von der eingeborenen jüdischen Weichherzigkeit völlig entkräftet hat. Kein Gegner kann es leugnen, daß es Eindruck macht, wenn stattliche jüdische Korporationen sich durchaus wehrhaft zeigen und jede Unbill sofort mit einer Forderung vor die Klinge ahnden. Und der Erfolg ist ja heute schon immens. Früher, bevor der K. C. entstand, waren die Juden Anrenipelungen ihrer angeblich weniger tapferen Raffe wegen ausgesetzt. Heute wagt es keiner, offen einen K. C.er als Juden zu beleidigen, höchstens von hinten und anonym kann ein feiger Giftpfeil abgesandt rverden, aber der K. C.er selbst ist geschützt durch seine Waffenbereitschaft. I^lemo me impune lacessit. Daß an dieser gesicherten Stellung das Fechtprinzip das Verdienst hat, ist nicht zu bestreiten. Alle größeren jüdischen Studentenverbände haben demgemäß auch das Prinzip der unbedingten Satisfaktion angenommen. Auch der B.J. C. hat sich dem Zwange der Verhältnisse nicht länger entziehen können und auf dem letzten Verbandstag in Königsberg seine bisherige Stellungnahme aufgegeben und seine Vereine und Mitglieder auf den Grundsatz der unbedingten Satisfaktion festgelcgt. Damit sind aber die ersprießlichen Einwirkungen des Fechtens auf die Hebung unseres studentischen Ansehens nicht erschöpft. Von außerordentlicher Wichtigkeit ist auch, daß die Ausbildung zur unbedingten Genugtuung ein innerer Erziehungsfaktor geworden ist. Infolge historischer Gründe ist die körperliche Stählung der Juden im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung in den letzten Jahrhunderten nicht dieselbe, allgemein begünstigte gewesen, insbesondere deshalb nicht, weil die Juden von dem Aufstieg in Waffenberufen ferngehalten wurden, wenn auch zahlreiche Beispiele aus den Kriegen und der Geschichte der Juden in der deutschen Burschenschaft ruhmvoll genug für uns zeugen. Es hat aber wegen der äußeren Zurücksetzungen die geistige Ausbildung eine vielleicht übertriebene Bevorzugung erhalten. Die rein geistige Betonung macht sich heute noch, wie die Erfahrung lehrt, bei vielen Keilfüchsen bemerkbar, die als halbe Philosophen und literarische Snobs die Hochschule betreten und denen es dann unendlich zum harmonischen Ausgleich ihrer Kräfte wohltut, wenn sie in der Verbindung auf dem Fechtboden in kräftige körperliche Ausbildung kommen. Auch sonst ist das Fechten für den jungen Juden von ausgezeichneter Wirkung. Die körperliche Gewandtheit, die Muskelkraft der Arme, die Ausbildung zur Schlagfertigkeit erhält ein gedeihliches Training, das der übrige Sport nicht in gleicher Weise ersetzen kann. Mit der physischen Kraft wächst das moralische Selbstvertrauen, das Auftreten ist schon nach der ersten Mensur ein ganz anderes, die gesellschaftliche Haltung wird sicherer und bestimmter und damit wächst auch die Lebenslust. Sollte es dann zu Konflikten einmal kommen, so weiß der ausgebildete K C.er ganz genau, wie er sich studentisch und gesellschaftlich zu benehmen hat und nach geschlagenen Mensuren und

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