KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 6 (1.3.1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 133 (sequence 9)
- Language
- German
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133 Student allem jüdischen Interesse serngehalten werden, soll er vollkommen indifferent gegenüber seinem Judentum bleiben, vielleicht zur Taufe geführt werden, als daß er der Idee des K. C. gewonnen wird, der doch - wie auch derVerfasser des Artikels anerkennen muff — jedenfalls ein bew u ff t e s Judentum, wenn auch nicht das des B. I. C., vertritt. Aber gerade das ist es, was den V.J.St.-er dazu veranlassen soll, unbedingt gegen den K.C. zu arbeiten. Lieber gar kein Judentum, als eines, das nicht den zionistischen Anschauungen des V. I. C. entspricht! Der K. C. steht derartigen heimtückischen Versuchen, ihn zu schädigen, mit Gleichmut gegenüber. Er ist sich dessen bewufft, daff in einer derartigen Kampfesweise nur die Schwäche des gegnerischen Standpunktes zum Ausdrucke gelangt. Die Entscheidung wird nicht durch derartige Kampfesmittel, sondern durch die Ueberlegenheit der Idee erbracht werden. Dieser Entscheidung I sieht der K. C. mit Vertrauen entgegen.! * * * j Der K. 2. und die Zatissaktionsfrage.! Von vr. Ernst Hochschild, (Frib. Ghib.), Colmar i. E. Eines der wichtigsten Merkmale, nach dem sich die deutsche Studentenschaft gruppiert, ist die Stellungnahme, die sie zur Frage des Zweikampfs nimmt. Es ist jedermann bekannt, daß ein großer Teil, hauptsächlich aus religiösen Motiven, jedes Duell, auch die harmloseste Mensur ablehnt, wie z. B. die vielen und großen katholischen Verbände und der Wingolf. Der andere Teil, der sog. Waffenring, die Corps, Burschenschaften, Turner und Landsmannschaften, geben „unbedingte Satisfaktton", d. h. bei jedem Ehrenhandel werden sie den Gegner fordern oder sich ihm laut Spruch des Ehrengerichts zur Verfügung stellen. Wer nicht fordern oder nicht annehmen sollte, würde aus dem Verband sofort ausgeschlossen werden. In der Mitte stehen dann die vielen, zumeist wissenschaftlichen und geselligen Verbände, die nur bedingte Sattssaktion — je nach dem Einzelfall — geben oder gar keine Stellung nehmen, also diese Frage als eine reine Privatangelegenheit ihrer Mitglieder ansehen. Die Satisfaktionsfrage ist dabei in der Theorie eine der umstrittensten aller Sittenfragen, und Freund und Feind geraten bei solchen Erörterungen oft heftig genug hintereinander und können sich gegenseitig nicht überzeugen, ja kaum verstehen. Kein Wunder, denn die Sattsfaktionsfrage kann eine absolute Wertung von allgemein gültiger Richtigkeit gar nicht erfahren, und zwar deshalb, weil sie sich einer Entscheidung nur durch die Vernunft entzieht und meist von einer besonderen, gesellschaftlichen, indiskutabeln Anschauung oder vom reinen Geschmack sich herleiten läßt. Während man es für den Berufswaffentrüger, den Offizier, als selbstverständlich hält, daß er dem Gegner nicht ausweicht, würde man es unter ganz friedlichen Berufen, wie z. B. Kaufleuten, für ein Unding halten, wenn auch dort ein allgemeines Gebot bestände, sie müßten ihre Ehrenhändel mit einer x-beliebigen Waffe austragen. Die Frage ist also auch eine ebenso soziale wie individuelle. Was die studierende Jugend angeht, so ist mit dieser zunächst das Raufen und dann das bestimmten, strengen Gesetzen unterliegende Fechten historisch verknüpft und in der heutigen Volksmeinung noch unzertrennbar mit dem Bilde eines echten Müsensohnes verbunden. Wer würde einen Studenten zeichnen oder auf der Bühne darstellen, ohne ihm mit den markantesten „Schmissen" das Gesicht zu vexieren. Und das Idealbild des Studenten, wenn er sich in höchster Gala zeigt, ist der wehrhafte Jüngling, hoch zu Roß, in Wichs mit Seidenschärpe und verbrämtem Rock und immer den blitzenden Schläger in der Faust. Dieses Bild ist so hergebracht und studentisch-typisch, daß ja auch die friedfertigsten katholischen Verbindungsstudenten bei festlichen Aufzügen stolz den ungeschliffenen Pallasch schwingen! Der nicht fechtende Student ist eigentlich ein Produkt der Moderne, eine neue Erscheinung, der seine ablehnende Haltung sich entweder vom Gebot der Kirche, der Politik oder der kühlen Vernunft vorschrciben läßt, also ein ganz unromanttsches, nüchternes Wesen, fern aller kompletten Studcntenpoesie. Nun ist es ja zweifellos richttg, daß die Neuzeit mit ihrer Sachlichkeit und Nivellierungstendenz dem Studenttim vieles „Mittelalterliche" schon entzogen hat. In den größten und man dars wohl sagen „studentischsten" Verbänden ist man aber, was den Fechtsport, die Mensur und die unbedingte Sattssaktion angeht, streng konservattv geblieben. Und mit Recht, denn in den Tagen der schäumenden Jugend tust, der genialen Sorgenlosigkcit und einzigen Freiheit, in den Jahren nach dem Pennalzwang und vor der Berussstlaverei braucht sich der Student sein Leben und Treiben nicht bloß von den Geboten „reiner Vernunft" vorschreiben zu lassendenn dafür hat er später im Leben noch Zeit genug. Es schadet ihm da nichts, wenn er beim Trinken sich einer altehrwürdigen Feierlichkeit unterordnet, wenn er statt im steifen Hut sich lieber mit Mütze und Band zeigt, und wenn er all den fröhlichen, bezaubernden Betrieb einer forschen Korporation mitmacht, statt mit flacher Vernunft sein Leben nach Nützlichkeitsprinzipien einzuordnen.