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KC-Blätter · 1914-03-01 · Heft 6 (1.3.1914) · p. Seite 132

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 6 (1.3.1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 132 (sequence 8)
Language
German
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132 konservativen sich heute streiten und sich morgen vertragen. Jede Verbindung muß auch ein politischer Debattierklub sein mit absoluter Redefreiheit und absoluter Duldsamkeit von Mensch zu Mensch." Im Sinne der hier von einem unserer hervorragendsten Hochschullehrer') vertretenen Auffassung vom Wesen der Studentenverbindung, wie sie sein soll, handelt der K. C., wenn er seinen Mitgliedern auch in der Beziehung, die uns hier interessiert, in ihrer Stellungnahme zum Judentums, weitgehende Freiheit läßt. Die reiche Gelegenheit, die dem jungen K. C.er geboten wird, sich über die verschiedenartigsten fragen des jüdischen Geisteslebens zu unterrichten, sorgt dann schon dafür daß er nicht bei einer rein äußerlichen Auffassung vom Judentume verharrt, daß er jedenfalls ein lebendiges Bild von den im Judentum wirksamen Kräften gewinnt. So trägt der K. C., ohne seine Mitglieder geistig zu knebeln, zu seinem Teile zur Erhaltung und Entwicklung eines lebendigen Judentums bei. Wie wirksam gerade auch in letzter Zeit diese auf die Erhaltung des Judentums gerichteten Bestrebungen im K. C. sind, das lehren schon — den Lesern dieser Blätter wird dieser Hinweis genügen — die Beschlüsse des letzten K. C.-Tages, in denen diese Bestrebungen klar zum Ausdruck gelangt sind. Und dient nicht auch der Kampf gegen den Antisemitismus — wenigstens mittelbar — im hervorragenden Maße der Erhaltung des Judentums? Der Kampf will die anormalen Verhältniffe beseitigen, welche die freie Entwicklung des Judentums hemmen, er will ihm Licht und Luft zum Leben geben. Er will aber auch die Quelle verstopfen, die zum Abfall führt. Zeigen sich doch die Niedergangserscheinungen stets in Verbindung mit dem Antisemitismus. Sie sind eine Folge der antisemitischen Bewegung, wo sie einstußlos ist, z. B. in England, Italien und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika sind Taufen eine Seltenheit. In einem ganz anderen Sinne will der B. I. C. der Erhaltung des Judentums dienen. Er meint, ein lebendiges Judentum könne sich nur durch „nationalen" Zusammenschluß entwickeln. Nur diese nationale Gemeinschaft des Judentums erscheint ihm als etwas Bleibendesalle anderen Werte, die das Judentum erzeugt hat, treten demgegenüber an Bedeutung weit zurück. Es ist bezeichnend hierfür, daß gerade in dem Organe dieses Verbandes, der sich so viel auf seine Leistungen für die Erhaltung des Judentums zu gute tut, dessen wertvollstes Besitztum, dasjenige, ') Ziegler, Ueber Universitäten und Universitätsstudien, S. 72 f. worin sich für die überwiegende Mehrheit der Juden die Bedeutung des Judentums konzentriert, daß dort die jüdische Religion als etwas Ueberlebtes hingestellt wird, dem eine bleibende Bedeutung als Grundlage für die Gemeinschaft des Judentums nicht zukömme?) Ob eine derartige Auffaffung vom Wesen des Judentums dem B. I. C. das Recht verleiht, sich - wie er es stolz in seinem Programme tut — als beit „Sammelpunkt aller jüdischen Studenten" zu bezeichnen, „die sich bewußt als Juden fühlen und an der Entwicklung eines lebendigen Judentums Mitarbeiten wollen", darf wohl bezweifelt werden. Mit seiner einseitig „nationalen" Bewertung des Judentums stellt der B. I. C. sich auch in offenem Gegensatz zum Deutschtum. „Reinliche Scheidung wollen wirjüdische und deutsche Art sollen jede nach den Gesetzen ihrer Entwicklung leben und schaffenunnatürliche Kreuzung, die sich als «Assimilation» bezeichnet, soll unterdrückt werden"- mit diesen Worten stellt das offizielle Geleitwort, das dem öffentlichen Hefte des „Jüdischen Studenten", Jahrg. 11, mit auf den Weg gegeben wird, den Gegensatz zur „deutschen Art" fest. Auf diese Auffaffung vom Wesen des Judentums wird der junge V. I. St.-er von vornherein mit einer geradezu fanatischen Einseitigkeit festgelegt. „Uns, denen es zur Selbstverständlichkeit geworden ist, alle Tagesfragen sub specie judnica zu betrachten", so schildert ein V. I. St.-er selbst das Resultat dieser Erziehung?) Wohin eine derartige einseitige Parteipolitik den B. I. C. führt, wie bei ihm gegenüber dem Parteiinteresse alle anderen Rücksichten zurücktreten müssen, das tritt besonders deutlich in seiner Stellungnahme gegenüber dem K. C. hervor. Da hier nur die sachlichen Verschiedenheiten in den Bestrebungen beider Verbände behandelt werden sollten, so soll nicht noch einmal im einzelnen darauf eingegangen werden, in welch maßloser Art der B. I. C. den „gewollten Kamps" gegen den K. C., den er als seinen „Feind par excellence" ansieht, führt. Allein von sachlichem Jntereffe ist es, festzustellen, daß unlängst in dem internen Verbandsorgane des B- I. Cunwidersprochen die Forderung aufgestellt werden konnte, man solle einen Keilfuchsen, der für den B. I. C. oder den K. Z. V. nicht zu haben sei, in die Freie Studentenschaft oder in die paritätischen Verbindungen schicken, ihn aber mit allen Mitteln vom Eintritt in den K. C. zurückzuhalten suchen. Lieber also soll der junge Bergl. den Artikel „Zwei Programme" in „Der jüdische Student", Jahrg. 8, S. 334 f. 2) „Der jüdische Student", Jahrg. 9, S. 388.

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