KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 6 (1.3.1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 131 (sequence 7)
- Language
- German
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131 sammenseins mit den andern willen stets bereit waren, ihr Judentum zu verbergen, sahen sie es als die wichtigste Aufgabe an, das Selbstgefühl der jüdischen Studenten zu starken und ihnen dadurch auch die Achtung der Andersgläubigen wieder zu verschaffen. Mit dieser Erziehungsaufgabe des K. C. aber wäre die Aufnahme nichtjüdischer Mitglieder unvereinbar gewesen. Aus der Tatsache, daß in diesen Erwägungen, welche von vornherein für die Gestaltung des K. C. zu einem jüdischen Verbände maßgebend gewesen waren, irgendeine Stellungnahme zu einer jüdischen Frage nicht zum Ausdruck gelangt, hat man von gegnerischer Seite den Borwurf herleiten wollen, der K. C.er sei lediglich „Trotzjude"- er „verfolge die Auflösung des deutschen Judentums mit Gleichgültigkeit"- „der K. C. gebe die deutschpolitische Forderung auf Gleichberechtigung der deutschen Juden für ein vollwertiges jüdisches Ideal aus, er kenne nur noch Gründe gegen die Taufe, aber' keinen Grund mehr für das Judentum". Nichts ist unrichtiger, als dieser Vorwurf, der immer wieder von den Angehörigen des B. I. C. gegen den K. C. gerichtet wird, und der auf der unrichtigen Schlußfolgerung basiert, daß die K. C.er, weil sie von dem Verband nicht auf ein bestimmtes jüdisches Programm verpflichtet werden, nun überhaupt kein jüdisches Ideal hätten. Wer etwas derartiges behauptet, der übersieht auch oder will es übersehen, daß der Kampf für das Judentum, wie der K. C. ihn führt, die Liebe zum Judentum e und die Sorge um seine Forterhaltung zur unerläßlichen Voraussetzung bat. Wird doch niemand sich mit seiner ganzen Persönlichkeit für eine Sache einsetzen, mit der ihn innerlich nichts verknüpft. DerK.C. will allerdings seinen Mitgliedern keine bestimmte Auffassung vom Wesen des Judentums vorschreiben, sondern es einem jeden überlassen, wie er sein Verhältnis zum Judentum innerlich begründen null. Im K. C. ist Platz für jeden, der sein Judentum freudig bekennt, mag er das Wesentliche des Judentums in seiner Religion erblicken, mag er in ihm die Stammesgemeinschaft lieben, mit der er durch Abstammung verbunden ist, oder mag er sich schließlich' zum Jndentume auch nur als zu einer sozialen Gemeinschaft zugehörig fühlen, mit der ihn außer den Banden des Blutes Beziehungen und Gefiihle verknüpfen, welche einer Analyse kaum zugänglich sind. Auch das Bekenntnis zum Zionismus ist an sich sehr wohl geeignet, die Grundlage für die innere Beziehung des K. C.ers zum Jndentume zu bilden. Nur eine Auffassung vom Jndentume findet keinen Raum im K. C., näm- '' „Der jüdische Student", Jahrg. 8, S. 369. lich diejenige, welche nicht in Einklang zu bringen ist mit der deutsch-vaterländischen Gesinnung, ivelche der 5t. C. von seinen Mitgliedern verlangt. Wer eine „Lösung der deutschen Judcnfrage außerhalb Deutschlands erstrebt", wer also für sich und die ganze Gemeinschaft des deutschen Judentums ein letztes Ziel erstrebt, das außerhalb Deutschlands gelegen ist, von dem nimmt der K. C. an, daß ihn sein Fühlen nicht derart mit dem deutschen Vaterland verknüpft, daß er sich mit voller Hingebung dem Kampfe widmen könnte, den der K. C. für die Gleichberechtigung der Juden innerhalb Deutschlands führt. Mit dieser einen Ausnahme aber läßt der K. C. cs sich an einem jeden positiven Bekenntniffe zum Judentume genügen. Gerade in dieser Freiheit aber, welche der K.C. seinen Mitgliedern hinsichtlich ihrer Stellungnahme zum Judentum läßt, ist einer seiner Hauptvorzüge vor dem B.J. C. zu erblicken. Denn die studentische Korporation ist nicht der Ort dafür, einseitige Parteibestrebungen zu pflegen und nur Angehörige einer Parteirichtung zu vereinen. Im Gegenteil, es will uns als ein schweres Unrecht erscheinen, wenn eine Studentenkorporation, deren Mitglieder ihr doch meist in einem Alter beitreten, in welchem man sich ein abschließendes Urteil über derartige Fragen noch, nicht gebildet zu haben pflegt, diese aus ein engbegrenztcs Parteiprogramm festzulegen sucht und dadurch ihren ganzen Lebensgang vielleicht unheilvoll beeinflußt. Dem Ideale unserer studentischen Korporation entspricht es vielmehr, daß dort — soweit die Verhältnisse es gestatten — dem jungen Studenten Gelegenheit geboten wird, im engen Freundeskreise die verschiedenartigsten Anschauungen kennen zu lernen, um im Wechsel von Rede und Gegenrede sich zu einem eigenen Urteile durchzuringen. „Der Student soll sich auch für alle Möglichkeiten offen halten, soll noch nicht fertig sein und fertig sein wollen mit seinen politischen Anschauungen, sondern sich durchaus als Werdender fühlen und im Fluß erhalten, alle Parteien und an allen Parteien das Einseitige, das Endliche und Vergängliche kennen lernen, an allen Kritikübenden Kritik zu iiben ist sein Beruf —, nicht sich von einer und für eine allein einfangen und an sie sich jetzt schon definitiv binden lassen." „Alles das Verschiedenartige und Wechselnde muß sich innerhalb desselben Lebcnskreises abspielen dürfendarum sollen Studentenverbindungen nicht auf eine bestimmte politische Parteirichtung eingeschworen sein: der Student soll sie alle hören, meinetwegen selber auch alle durchlaufen und mit Sozialdemokraten und Hoch-