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KC-Blätter · 1914-03-01 · Heft 6 (1.3.1914) · p. Seite 130

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 6 (1.3.1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 130 (sequence 6)
Language
German
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130 mögliche*) — Anschluß an eine der andern Korporationen für den Juden im Gefolge zu haben pflegte. Das Selbstgefiihl des jüdischen Studenten sollte dadurch gestärkt werden, daß er es nicht nötig haben sollte, neidisch zu den andern hinübedlchielen, die ihn aus ihren Reihen auseschloffen hatten. Der junge Student sollte vor em bitteren Gefühle bewahrt bleiben, daß seine Zugehörigkeit zur Gemeinschaft des Judentums ihn zum Verzicht auf alle Freuden nötige, die sich seinen bisherigen Schulkameraden bei ihrem Eintritt in das Studentenleben in so reichem Maße boten. Aber auch den Gegnern sollte gezeigt werden, daß es ihrem Haffe nicht gelungen sei, den jüdischen Studenten die schönste Zeit ihrer Jugend zu verkümmern, daß diese vielmehr im Zusammenschluffe aneinander reichen Ersatz dafür gefunden hatten, daß man ihnen den Zutritt zu den andern Korporationen verschlossen hatte. Allein der Charakter der K. C.-Verbindungen als deutscher Studentenverbindungen ist weit tiefer noch in der Wesensart des K. C.-Gedankens be. gründet. Der K. C. will deutsche Studenten erziehen, welche — so sehr man sich auch bemüht, sie in dieser Ueberzeugung wankend zu machen — daran festhälten, daß sie als „deutsche Juden einen durch Geschichte, Kultur- und Rechtsgemeinschaft mit dem deutschen Baterlande unlöslich verbundenen Bolksteil bilden^. Wie der K. C. hiernach davon ausgeht, daß die durch Abstammung und Glauben bedingte Eigenart der deutschen Juden sie nicht daran hindert, an der Kultur- und Rechtsgemeinschaft des deutschen Volkes teilzunehmen, so gut wie irgendeiner der vielerlei andern verschiedenartigenVolksteile, aus denen sich das deutsche Volk als Ganzes zusammensetzt, so fühlt der K. C. er sich auch durchaus als deutscher Student. So kam für ihn von vornherein nur diejenige Art der Vereinigung in Betracht, welche sich aus der Eigenart des deutschen Studentenlebens organisch herausgebildet hatte, die deutsche Studentenverbindung. Bereits in der äußeren Form des Zusammenschluffes wollte er es zum Ausdruck bringen, daß die durch die Verhältnisse gebotene Absonderung nicht etwa auch eine Abkehr von den Idealen des deutschen Studententums zur Folge haben sollte. Diese Verschiedenheit in der Bewertung des studentisch-korporativen Moments ist jedoch nur die äußere Ausprägung für die verschiedene Auffassung, welche beide Verbände von dem Judentum als der Grundlage ihres Zusammenschlusses haben. ') Die Gründung der ersten K. C.-Berbindung, der Biadrina in Breslau, erfolgte im Jahre 1886. Wenn der K. C. sich - ebenso wie der B.J. St. — darauf beschränkt, nur jüdische Mitglieder aufzunehmen imd auch dem vorurteilslos gesinnten nichtjüdischen Studenten die Ausnahme in seine Verbindungen verweigert, so ist für ihn diese Absonderung nach außen hin keineswegs Selbstzweck,' sie stellt sich ihm vielmehr als die unerläßliche Voraussetzung für die Erreichung der besonderen Ziele dar, welche er sich gestectt hat. Zur Führung des Kampfes gegen den Antisemittsmus und gegen die ungerechtserttgte Zurücksetzung, welcher der jüdische Student allenthalben begegnete, konnten und wollten die Schöpfer des K. C.-Gedankens nicht die Unterstützung der an diesem Kampfe nicht unmittelbar Beteiligten in Anspruch nehmen. Es erschien ihnen als ein Gebot der Ehre, diesen Kampf aus eigener Kraft zu führen, ohne sich dabei auf fremde Hilfe zu stützen. Sie waren sich aber auch dessen bewußt, daß die Aufnahme nichtjüdischer Mitglieder dem Kampfe, den sie unternommen hatten, nicht förderlich gewesen wäre. Sie sahen, daß — so wertvoll die Unterstützung von außen her im Einzelfalle auch sein mochte — die dauernde Teilnahme Unbeteiligter, deren Lebensintereffe nicht unmittelbar durch diesen Kampf berührt gewesen wäre, sich im Laufe der Zeit hätte als Hemmnis erweisen müssen. Die Amehnung der Aufnahme von Nichtjuden erschien ihnen daher als geboten, damit dem von ihnen als sittliche Pflicht erkannten „Kampfe ums Recht" nichts von der Intensität genommen werde, mit der er geführt werden mußte, um von Erfolg begleitet zu sein. Ein weiteres Moment kam als ausschlaggebend hinzu: Trotz aller Kränkungen und Zurückweisungen, die sie erfuhren, hatte ein großer Teil der jüdischen Studenten sich immer wieder darum bemüht, an der Gemeinschaft ihrer nichtjüdischen Kommilitonen teilzunehmen. Wenn ihnen dies, wie es bald die Regel wurde, mißlang, so gründeten sie — unbelehrt durch alle Erfahrungen — ihrerseits neue Vereinigungen, in denen kein Unterschied der Glaubenszugehörigkeit gelten sollte. Sie merkten es nicht, wie diese vergeblichen Bemühungen um den Anschluß an die nichtjüdischen Studenten nur geeignet war, sie in deren Augen um den letzten Rest von Achtung zu bringen. Dieses Buhlen um die Gunst der Anderen, welche ihre Abneigung doch so deutlich zu erkennen gegeben hatten, erschien den Schöpfern des K. C.-Gedankens als verächtlich. Das Gebot der Selbstachtung schien es ihnen von dem jüdischen Studenten zu erfordern, den andern zu zeigen, das; er ihrer nicht bedürfe. Gegenüber dem feigen und würdelosen Verhalten der Mehrheit der jüdischen Studenten, die um des Zu-

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