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KC-Blätter · 1914-03-01 · Heft 6 (1.3.1914) · p. Seite 129

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 6 (1.3.1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 129 (sequence 5)
Language
German
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129 der gestellten Frage auch zu scheuen braucht — der Eigenart des K. C.-Gedankens doch nimmermehr gerecht zu werden vermag, weist uns auf einen her wesentlichsten Unterschiede zwischen dem B. I. C. und dem K. C. hin. Es ist durchaus folgerichtig, wenn der B. I. St.-er die Bedeutung der jüdischen studentischen Korporation nur danach bemißt, welchen Wert sie für die Erhaltung des Judentums — und zwar des Judentums, wie er es auffaßt — besitzt. Denn die im B. I. C. zusammengeschlossencn Vereine jüdischer Studenten fühlen sich in erster Reihe, ja beinahe ausschließlich, als jüdische Vereine, während der Gesichtspunkt, daß es Vereine jüdischer Studenten sind, demgegenüber völlig zurücktritt und mehr als ein zufälliger Umstand angesehen wird, der lediglich für die äußere For»n des Zusammenschlusses maßgebend ist'. Nur dasjenige hat Anspruch auf Geltung im B. I. St., was unmittelbar dem dort vertretenen jüdischen Nationalgedanken zu dienen bestimmt ist. „Diesem großen Ziele — nämlich der Arbeit im Dienste des jüdischen Volkes — hat die jüdische Korporation zu dienendem ordnet sich alles unter. Es gibt im B. I. C. keine Zweiheit von jüdischer Tendenz und korporatioer Form. Diese , erhält ihren Sinn ausschließlich durch jene. Es geschieht, es ist nichts in ihr, was nicht mit unseren jüdischen Zwecken in engstem Zusammenhang stehtdenn sonst wäre es wertlos." Mit diesen Worten bezeichnet ein V. I. St.-er selbst das Wesen seiner Korporation?) Gerade dasjenige Moment, welches — neben dem Eintreten für das besondere Ideal, welches jeweils für die einzelne Verbindung maßgebend ist — der studentischen Korporation ihre besondere Eigenart und ihren Reiz verleiht, die Tatsache, daß sie dem jungen Studenten Gelegenheit gibt, sich für sein ganzes Leben auszutollen und auszutoben, ohne sich in jedem Augenblick der Richtung auf ein bestimmtes Ziel seines Handelns bewußt sein zu müssen, dieses herzliche Unbekümmertsein um alle Folgen, wie es lediglich dem Studenten vergönnt ist, alles das und damit die eigentliche Poesie unseres Verbindungslebens, soll also für den V. I. St. nicht vorhanden sein. Denn es dient ja nicht dem alleinigen Ziele, das bei keiner Betätigung des V. I. St. aus den Augen verloren werden darf- „es ist also wertlos". Wir wissen nun zwar, daß es in der Praxis der Vereine jüdischer Studenten nicht ganz so Goldemann, „Jüdische Korporationen" in „Der I um,che Student", Jahrgang 9, S. 145. aussieht, wie es hiernach den Anschein haben könnte, daß es ihnen trotz aller Bemühungen doch nicht gelungen ist, alle Poesie des deutschen Studentenlebens aus ihrer Mitte zu verbannen. In der Praxis vermag sich eben der B. I. C. den Forderungen des studentischen Lebens nicht vollständig zu verschließen. Die vor wenigen Wochen gegen den Willen der „Alten" durchgesetzte Einführung des Prinzips der unbedingten Satisfaktion ist ein interessantes Beispiel. Allein, so weit das spezifisch-studentische, insbesondere das studentisch-korporative Element im B.J. C. überhaupt zur Geltung kommt, wird es bestenfalls als „Mittel zum Zwecke" geduldet und tritt vollständig in den Hintergrund gegenüber der Betonung des nationalen Charakters der Vereine jüdischer Studenten. Aber auch in anderer Beziehung liegt ein Mangel an Konsequenz darin, wenn diesen jüdisch-national gestalteten Gebilden einzelne, dem deutschen Korporationsleben entnommene Formen aufgepsropst werden. Wie reimt es sich zusammen, wenn der V. I. St.-er, der eben noch über den „Assimilationsjuden" spöttisch lächelte, welcher sich Äußerlichkeiten zu eigen zu machen suche, die sich nur aus einer ihm fremden geschichtlichen Entwicklung erklären ließen, wenn dieser selbe V.J.St-er im nächsten Augenblick den bunten deutschen Studentenwichs anzieht und den Schläger umschnallt, um zum Kommerse zu eilen und dort vielleicht einen „Salamander zu reiben" auf die Zukunft des jüdischen Volkes? Schon aus diesem einen Beispiel, dem sich unschwer zahlreiche andere anreihen ließen, wird der innere Widerspruch klar, der sich durch das Korporationsleben der Vereine jüdischer Studenten hindurchziehtes beweist uns, daß das studentisch-korporative Element dem V. I. St. nichts anderes als eine wesenlose Aeußerlichkeit sein kann. Ganz im Gegensatz hierzu fühlen sich die K. C. - Verbindungen durchaus als studentische Korporationen, deren Sonderheit lediglich durch die Art ihrer Zusammensetzung sowie durch die besonderen Ziele bedingt ist, welche sie neben ihren allgemein-studentischen Bestrebungen verfolgen. Dieser studentisch-korporative Charakter der K. C.-Berbindungen erklärt sich nicht nur aus der Entstehungsgeschichte des K. C., er hängt vielmehr mit den Grundlagen der K. C.-Tendenz zusammen. Die Gründer der ersten K. C.-Verbindung wollten dem jüdischen Studenten eine Stätte schaffen, wo er an den Idealen und Freuden des deutschen Studentenlcbens sollte teilhaben können, ohne daß er darum feige und würdelos alle Zurücksetzungen hätte auf sich nehmen müssen, welche der — damals noch in vereinzelten Fällen

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