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KC-Blätter · 1914-03-01 · Heft 6 (1.3.1914) · p. Seite 128

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 6 (1.3.1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
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128 Es gilt, in unsern Reihen über alle diese Fragen volle Klarheit zn schaffen, um dem Abwehrkampf die allein gesunde Grundlage zu erhalten. Man komme uns nicht damit, daß der Abwehrkampf eine rein negative Betätigung des Judentums darstelle, daß ihm ein Judentum lediglich von Antisemitismus' Gnaden zugrunde liege. Gewiß sind die heftigen Anfeindungen der äußere Anlaß gewesen, der die Juden zu selbstbewußter Abwehr zusammengeführt hat, wie ja letzten Endes nur der Antisemitismus es gewesen ist, der unsere Gemeinschaft überhaupt zu dem rührigen Leben unserer Tage wachgerufen hat und nicht zum wenigsten auch den Zionismus selbst erzeugt Hai. Aber wer sich einmal wirklich mit vollem Ernst dem Abwehrkampf für unser Recht und unsere Ehre hingegeben hat, der weiß auch, daß die rechte Wehr'für das Judentum einen festen jüdischen Kern ooraussetzr, daß nur derjenige unseren Kampf energisch und mit Aussicht auf Erfolg führen kann, der sich ganz als Glied der kämpfenden Gemeinschaft fühlt und von dem Bewußtsein getrieben wird, daß mau mit der Ehre des Judentums seine eigene Ehre angrcift. Blag vielleicht dieser oder jener sich dem Abwehrkgmpf anschließen, der dem Judentum als solchem bisher teilnahmlos gegenüberstandder Umstand, daß er instinktiv empfindet, daß er mit den andern für die Ehre der angegriffenen Gemeinschaft einzutreten hat, ist gerade der erste Schritt der Selbstbesinnung. Die intensive Beschäftigung mit den gegnerischen Angriffen und die Nachprüfung ihrer vollen Hinfälligkeit werden dann weiter dafür sorgen, das der bisher Interesselose neues Jntereffe für seine Gemeinschaft nimmt und daß ihm schließlich zu vollem Bewußtsein kommt, wofür er den Kampf führt. Die Stärkung des jüdischen Selbstbewußt? seins ist die unausbleibliche Folge eines energischen Abwehrkampfes. Gerade deshalb sollte aber die Mitarbeit an dem Werk der Selbstverteidigung als wertvoller Erziehungsfaktor anerkannt werden, der zugleich allein in der Lage ist, indem er alle ohne Rücksicht auf religiöse oder politische Sonderanschauungen umfaßt, jener unfruchtbaren Zersplitterung entgegenzuarbeiten, die unserer Gemeinschaft auf die Dauer zum Verderb gereichen muß. Erziehen wir unsere junge Generation, die studentische wie die nicht studentische, nicht in einseitigen Parteiorganisationen, bereiten wir sic vielmehr in allgemeinen jüdischen Verbindungen und Vereinen durch Stärkung ihres jüdischen Sebstbewußtseins zu dem großen und heiligen Kampf, für unsere Gemeinschaft vor! Wir dürfen dann gewiß sein, daß eine solche Generation, die alle Kräfte zur Wahrung der Ehre des Judentums einsetzt, eher eine würdige Zukunft unserer Gemeinschaft verbürgt als eine Generation, welche ihre Kräfte im Kampf gegeneinander vergendet. -i- -i- * K. C. llllü y. 3. C. Bon Rechtsanwalt Oskar Guttmann (Thuringiae), Berlin. Es ist erstaunlich, welcher Unkenntnis über die Ziele und Leistungen der großen jüdischen Studentenverbände man auch heute noch — Jahrzehnte nach ihrer Begründung — vielfach selbst in Kreisen begegnet, die sich sonst mit allen jüdischen Zeitfragen zu beschäftigen pflegen. Dieser Unkenntnis ihrer Bestrebungen sind insbesondere die beiden größten dieser Verbände, der K. E. und der B. I. E>, ausgesetzt, da sie nicht wie andere studentisch-jüdisa,e Organisationen — wie z. B. das K. Z. V. — die Besonderheit ihrer Tendenzen schon in ihrem Namen zum Ausdruck bringen. Die nachteiligen Folgen hiervon treffen in erster Reihe den K. E. Denn während die dem B. I. C. nahestehende zionistische Presse es sich, besonders in den letzten Jahren, hat angelegen sein lassen, ihren Leserkreis — wenn auch meist einseitig vom Standpunkt des B. I. C. aus — über die Sonderheit der beiden Verbände zu orientieren, fehlt es auf der anderen Seite fast vollständig an derartigen Versuchen. Es erscheint daher angebracht, an dieser Stelle auf die Verschiedenheiten beider Programme einmal näher einzugehen. Da hier lediglich gezeigt werden soll, worin sich K. C. und B. I. E. unterscheiden, so können diejenigen Momente unerörtert bleiben, welche den Bestrebungen beider Verbände gemeinsam sind. Bemerkt sei jedoch, daß auch von seiten des K. C. rückhaltlos anerkannt wird, daß der B. I. C. zu seinem Teile dazu beigetragen hat, den zuerst vom K. C. ausgesprochenen Gedanken, daß die Selbsterziehung zu selbstbewußten Juden die unerläßliche Voraussetzung zur wirksamen Führung des uns aufgezwungenen Kampfes für unser Recht ist, zum Gemeingut immer weiterer Kreise der akademischen jüdischen Jugend zu machen. Die bereits vorher erwähnten Erörterungen, welche vom Standpunkt des B. I. C. aus über die Tendenzen beider Verbände angestellt worden sind, knüpfen nun gewöhnlich an die Frage an: „Was leisten beide für die Erhaltung des Judentums?"^ Bereits diese Art der Fragestellung, welche — so wenig der K. C. die Beantwortung ') Veral. z. B. den Artikel „Zwei Programms in „Der jüdische Student, Jahrgang 8, Nr. 11.

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