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KC-Blätter · 1914-03-01 · Heft 6 (1.3.1914) · p. Seite 127

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 6 (1.3.1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 127 (sequence 3)
Language
German
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127 für gut befunden, sich nicht nur von der Abwehrarbeit zurückzuziehen, sondern auch dem Wirken der zu diesem Zweck gegründeten verdienstvollen Organisation oes Centralvereins nach Kräften Abbruch zu tun. Wir wissen es, daß die Zahl der Zionisten, welche gemäß der Weisung ihrer Partei nach der bekannten Resolution des Centralvereins im Jahre 1913 aus den Reihen dieses Vereins ausgetreten sind, verschwindend gering war, ebendeshalb, weil die meisten Zionisten denl Centralverein niemals anaehört hatten oder seit Jahren nicht mehr angehörten. Die Gegnerschaft eines großen Teils der Zionisten gegen den von uns geführten Abwehrkamps besteht, solange der Zionismus besteht, und ist nur in der letzten Zeit in schärferen Formen in die Erscheinung getreten. Jene Zionisten sind nun einmal in ihrem Parteiegoismus der Ansicht, daß eine große Organisation, die nicht zionistisch ist, eben deshalb der zionistischen Bewegung im Wege steht. Sie hegen die Besorgnis, daß die in den Reihen des Centralvereins oder der anderen großen Verbände für das Judentum arbeitenden Juden in dieser ihrer Arbeit ihre volle Befriedigung als Juden sehen, so daß sie den Werbungen des Zionismus kein Gehör mehr schenken. Es sei schließlich auch nicht verkannt, daß es bei einzelnen mehr der Kamps gegen Personen als gegen die Sache ist, ein Kamps, der allgemein gegen die unerwünschte Autorität gewisser führender, nicht zionistischer Persönlichkeiten gerichtet ist und sich im Streite gegen den Centralverein ebenso wie gegen andere allgemeine jüdische Organisationen geäußert hat. Man braucht diese Motive in ihrer Kleinlichkeit nur auszudecken, um gewiß zu sein, daß jeder Jude, der es ehrlich mit seiner Gemeinschaft meint, ein solches Treiben als äußerst gefährlich verurteilen wird. Freilich trennt jene Personen von uns meist noch ein weitgehender sachlicher Unterschied: die Stellung zum Deutschtum. Und dies muß als der wesentlichste Punkt bewertet werden. Unsere Grundanschauung, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur- und Rechtsgemeinschast mit dem deutschen Vaterland unlöslich verbundenen Volksteil bilden, ist uns zugleich die unerläßliche Legitimation für den Kamps um unser Recht. Wir verlangen unser Recht nicht nur deshalb, weil es uns nun einmal so durch Gesetz und Verfassung formell verbrieft ist, wir verlangen es, weil wir in Gesetz und Verfassung lediglich den natürlichen Niederschlag des inneren Rechtsgedankens erblicken, daß wir aus Grund unserer Jahrhunderte alten Vergangenheit in und mit dem deutschen Vaterland hier ebensogut wie jeder andere Volksteil Heimatsrechte haben und deshalb eine Verkümmerung unserer Rechte als völlig unberechtigte Beeinträchtigung unserer Persönlichkeit empfinden. Wir sind uns wohl bewußt, daß in gewissen Beziehungen, hinsichtlich Religion und Stammeszugehörigkeit, weitgehende Besonderheiten bestehen, wie ja auch die anderen deutschen Volksteile sich in dieser Hinsicht voneinander unterscheiden. Wir sind zugleich aus diese unsere Eigenarten ebenso stolz, wie jeder andere dem deutschen Volksganzen angehörende Stamm seine Sonderart mit stolzem Selbstbewustsein pflegt und bewahrt. Wir wissen aber auch, daß mit dieser Sonderart alle Unterschiede erschöpft sind, die zwischen uns und den anderen bestehen, und daßwir alleBersuche, weitere Schranken zwischen uns und den anderen auszurichten, energisch abzuwehren haben. Anders denken freilich jene erwähnten Gruppen unserer jüdischen Gegner. Für sie sind die Begriffe Jude und Deutscher schroffe Gegensätze: Jude und Deutsche eine lediglich die äußere politische Zusammengehörigkeit der Gegenwart. Jin übrigen seien Heide durch unüberwindliche Schranken getrennt, die auch für die Zukunft unbedingt erhalten bleiben sollen. Neben der jüdischen Religion, die völlig in den Hintergrund gestellt wird, werden dort Verschiedenheiten konstruiert, wie sie bisher lediglich von den außenstehenden Gegnern erfunden worden sind, um dem Juden sein Recht abzusprechen. „Jüdische Nation!" „Jüdische Kultur!" „Fort mit den Phantasiegebilden unserer Zugehörigkeit zum deutschen Volk und zur deutschen Kultur!" So lautet die irrige und gefährliche Losung. Es gehört wirklich eine außerordentliche Verständnislosigkeit für das geschichtlich Gewordene dazu, um zu diesen der Geschichte vieler Jahrhunderte hohnsprechenden Ansichten zu gelangen.' Für unseren Abwehrkamps sind aber jene Elemente verloren. Für sie ist der Kamps ums Recht lediglich der Kamps um die formelle Staatsbürgerberechtigung, die uns aus Grund des toten Buchstabens zugesprochen ist. Indem sie uns die Rolle des Gastes in fremdem Wirtsvolk zuweisen, reden sie die Sprache, die im Programm unserer Gegner geführt wird, wenn sie die „Stellung der Juden unter Fremdengesetze" beantragen. Jene Gruppe ist für unseren Kamps nicht nur verloren, sondern, bedeutet zugleich eine außerordentliche Schädigung unserer Arbeit. Denn die Argumente unserer Gegner gewinnen dadurch, daß sie in unseren eigenen Reihen wiederholt werden, ganz außerordentlich an Stoßkraft und Wirkung. Jene national-jüdischen Tendenzen bedeuten eine Lähmung und Schwächung unseres Abwehrkampses, die nicht genug zu beklagen ist.

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