Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1914-02-01 · Heft 5 (1.2.1914) · page 31

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 5 (1.2.1914)
Date
1914-02-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2268830-2268874-2268880--1113-3522817
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

T dürfen, sie sämtlich am nächsten VerbandSabend in Bochum wiederzufehen. Rechtsanwalt Luß, Dortmund. * * * was versteht man unter dem Begriff: „selbstbewußter Jude"? Von Dr. Alfred Goldschmidt, Biadrinac ^Breslau) Berlin. Die Frage*) muß zunächst eine rein begriffliche Erklärung erfahren. Wir nennen selbstbewußt denjenigen, der ohne Ueberhebung sich des Wertes der eigenen Persönlichkeit bewußt ist, sich durch Schmälerung dieses Wertes seitens der Außenwelt in seiner eigenen Wertschätzung nicht wankend machen läßt und sich aus Grund dieser Empfindung auch in seinen Handlungen betätigt. Wir nennen dementsprechend einen selbstbewußten Juden denjenigen, der diese Eigenwertung in bezug auf seine Zugehörigkeit zum Judentum und seine Eigenschaften alS Jude empfindet und sich entsprechend betätigt, insbesondere gegenüber den herabsetzenden Versuchen mißgünstiger Beurteiler sich den Kulturmenschen anderer RcligionS- und Stammeszugehörigkeit nicht minderwertig fühlt. Dieses spezielle Bewußtsein muß sich stützen auf die Gleichwertigkeit der verschiedenen Elemente, auS denen daS Judentum besteht, oder auS denen man eS als bestehend wünscht, mit den gleichen Elementen anderer Kulturgemeinschasten — gleichg'.iltig, ob man alle diese Elemente oder nur einen Teil als für sich verbindlich anerkennt. Diese Elemente sind: a) DaS Judentum als Religion. b) DaS Judentum als Ration. cj DaS Judentum als soziales Jttdenllun mit Einschluß deS Momente-: Stammeszugehörigkeit. 2) Die Gleichwertigkeit der jüdischen Religion mit den anderen monotheistischen Religionen. — In den Kreisen, für die diese Zeilen geschrieben sind, wird eS keinen Zweifel geben, daß diese Gleichwertigkeit besteht. Im Zusammenhänge der Aussaffungcn, mit denen »vir nnS hier 51t bef.I ästigen Habelt, ist der Vergleich der jüdische»» Religion alS monotheistischen Religion mit der monistischen Welt- oder ReligionSa»lfsassung a»is. zuschal teu; nur daeine ist z»» sagen, daß die •1 Die In der liefertArift gestellte yrage wurde von der Verbindung Biadrina Darmkladl mit Rilcksich» aus die ln der cefsenltichkeil believte tzragestetlung: Nation oder Siellglon? aufgeworfen. jüdische Religion durch de»' Begriff des einigei»»zigen Gottes von allen »»onotheistischen Religionen am ehesten vorgeschritten»» naturiviffenschastlichen Anschauungen sich nähert. d) Das Judentum als Nation. — Der K.C. lehnt dies Moment ab, »veil es der historischen Entwicklung, dem Empfinden seiner Mitglieder zuwiderlaust, eine politische Ersüllung nicht verspricht. Darüber aber kann natürlich trotz der Gegensätzlichkeit der Anschauung kein Ziveifel bestehen, daß die Zusammensaff»»ng der Juden als Nation eine an sich hochwertige Volksgruppe zusatnmenschließen »vürde, hochlvertig in geistiger Beziehung und hebnngsmöglich in körperlicher Beziehung. c) Das Judentun» als soziales Judentum mit Einschlitß deS MvinenteS der Sta»»»»»»eszugehörigkeit. — Gerviffe Kreise und Strömnnge,» lassen in neuerer Zeit den» jüdischen Selbstbewußtseii» keine aildere Wahl als die zwischen Religio»» und Nation. Eine gewisse Engherzigkeit der Ä»»ssaffung komn»t dabei zun» Vorschein. Religio»» »vird völlig identifiziert mit »»»ehr oder minder dvg»natischer Religioi»sanssassnng. Es »vird geleugnet, daß ein Mensch ohne dogmatische Religionsa»»ssaffu»»g doch i»»» allge»»»einen Weltsinne religiös sein könne, ja, nur »viderivillig »vird zugegeben, daß ein' solcher Mensch in höhere»»» Smne auch alS sittlich bezeichnet »verden könne. Und doch: »vaS ist Religion anderes alS das persöltliche Verhältnis zum Weltganzen, daS um so tiefer ist, je cmftcr und »vahrer es erfaßt »vird? AuS solcher Erfassung n»l»ß die Pflicht z»r sittliche»»» Handel»» als ethische Forder»n»g von selbst hervvrgehen. Angesichts der Tatsache, daß sehr viele Mensche»» — 1111b dtt»rhauS nicht die schlechtesten in »nvnisti' schen» und nicht in dogn»atischeu» Sinne religiös sind, »»»»»ß die Forderung in den» Schlaawvrtsim»e: „Rur Religion oder Nation!" als engherzig oder als politisch raffiniert bezeichnet »verden. WaS aber bleibt dann de»»» jüdische»» Selbstbe»v»lßtsei»» übr-ig'? fragen die Dränger. WaS ist daS Positive »vie »»»an sich heut so ger»» »uiSdrückt —, dein sich daS jüdische Selbstbeivußtsein znlvenden soll? Dieses Positive bezeichne ich — »n»d i»ch »vttnsihte. daß diese Bezeichnung ebenso z»»»,» Schlaglvort »vürde »vie die Begriffe Religion »»»»d Ratio»» als asoziales Juden!»»»»»". ÄeseS soziale Judentu,,» stützt sich aus StammeSgemeinschast, ge- ,»»einsa»»,e Geschichte, gesellschaftliche Gruppieru»»g. Israel »v»»rde früher als Volk deS Geistes, als Träger der Gottesidee bezeich»»et. Es ist midi hellte noch — wenn auch in andere»»» Sinl»e daS Volk des Geistes »u»d ersüllt als solches ei»»e ge»viffe Kulturnlisston. ES ist Gottes getrelleste 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.