KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 5 (1.2.1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 122 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Dächerunö Dl älter sch au. QP □im 90 □o lieber Universitäten und Universitätsstudium. Lechs Vorträge von Theobald Ziegler. iSainmlung„Aus'R'atnr und (üeistesivelt": Veipzig, B. «. Teubner 101:*) liiijt Ijeute modern geworden über die alten Veljr anstaUen, die im Zeichen des Humanismus geboren wurden und noch heule seinen Geist atmen, die Gymnasien und Universitäten, zu schreiben, sie alS überlebt zu bezeichnen oder doch zum mindesten ihre Reform zu beantragen. Besonders aktnell ist dieseFrage jetzt geworden, da Frankfurt am Main die Gründung einer neuen Universität beschlossen hat, während Hambttrg und Dresden sich hierüber noch in ernsthafter Erwägung befinden. Unter den vielen 'Reuerscheinungen, die unter dem Einflug all dieser fragen aus dem Büchermarkt erschienen sind, mochte ich hier eine kleine Schrift von dem bekannten St rasch arger Universitätslehrer Theobald Ziegler erivähnen, die aus Vorträgen, die gelegentlich der Gründung der Frankfurter Universität gehalten sind, entstanden ist. Ich möchte hier keine eingehende 'Besprechung des Büchelchens liefern; iver Theobald Ziegler und seine klare Schreibweise über Universität and Stttdenlentlun kennt, wird geivig gern 31t seiner Schrift greisen. Rollt doch Ziegler in interessanter Weise all die fragen aus, die heutzutage dem denkenden Akademiker, dem das Wohl der a!ma »later am Herzen liegt, entgegentreten: Vehrtmd Vernfreiheit, Studinm, Kolleggeldfrage usiv. werden in durchaus fesselnder Weise besprochen lind fiilden oft eine treffliche Be aiitivortung. Irin gesunder Konservativismus, der besonders in der Beibehaltung der jetzigen form der Universität, mit Ausnahme der theologischen, speziell der katholisch-theologischen Fakultät, zum Ausdruck tvmml, ist gepaart mit vielen fortschrittlichen Gedanken, von denen besonders die Abschnitte über UnioersitälSierien und Ernmitta genannt seien, ein Thema, das ja allch aus dem letzten Hochschullehrerlag zu Ltragburg lebhafte Debatten hervvrrief. Erwähnenswert ist besonders das groge Interesse, das Ziegler den Korporalioneil lvidmet, deren teilweise innere Reform er zwar fordert, deren gesunder Kern aber in ihm einen lebhaften Bejaher sillder. Ich bin der Ueberzeugnng, dag die Schrift bei vielen unserer Verbandsbrüder groges Interesse finden wird, und ich möchte sie besonders beti Jüngeren empfehlen, die sie geivig nicht unbefriedigt aus der Hand legen iverden, dürfte iie doch den einen oder anderen unter ihnen zum 'Rachdenken über mancherlei Probleme angeregt haben. Dr.-Ing. Walter Dur jViadr.-D.l, Breslau. Werner Schmeitzner, Die Freistudentenschaft, eine Gefahr für unser nationales Studententnm und ein nationaler Ersatz für sie. Leipzig, Hermann Beyer, 34 Seiten, Preis 50 Pfg. Ein vom krassesten Standpunkt des Antisemiten geschriebenes Schriftchen, in dem an der Freislndentenschaft kein gutes Haar bleibt Was an sich gut in, ist nichts wert, weil es mit der Freiftudenleiischaft zusammenhängl. Als Ersatz schlägt der Verfasser einen Deutschen .SMub vor, dessen Inslebentreten die Freistndentenschaft getrost abwarten kann, da er scholl an seiner Organisation kranken und nicht lebensfähig sein ivird. Wogegen zu protestieren iväre, das lg die Forderung des Verfassers, die für die Errichtung von Studentenheitnen gesammelten Gelder dem „Deutschen Mliib" zur Verfügung zu stellen. Wer lernen will, wie man die Freistndentenschaft nicht bekämpfen soll, der lese dieses Schriftchen. Udewald. Palästina und der palästinensische Zionismus. Von Paul Nathan. Als Manuskript gedruckt. In einer interesianten und lesenswerten Broschüre stellt der hochverdiente Veiler des Hilfsvereins der deutschen Juden, Dr. Paul )iaü)nu, nochmals alle Phasen des Kampfes zwischen Zionismus und HilsSverein dar, der seit einigen Wochen das jüdische Veben aufs intensivste beschäftigt. Der HilsSverein hat in Palästina in der kurzen Spanne eines Dezenniums ein Schnlwerk errichtet, das an Umfang und Bedeutung die Veistungen anderer Organisationen im heiligen Vande turinhoch überragt. An 30 Anstalten: Kindergärten, Volksschulen, Gyinnasien, ein Vehrer- und ein Rabbinerseminar usiv. bilden das glänzend ansgebnute System des Erziehungs »verks, dessen Krönung das mit einer Mittelschule ver bundenc Technikum in Haifa bilde.: soll. Daü Technikum, das am 1. April 1014 eröffnet werden soll, untersteht zwar einer besondern Gesellschaft, dem „jüdischen Institut für technische Erziehung in Palästina", eS ist jedoch mit dem Hilfsverein aufs engste verivachsen. Der HilsSverein haue an allen seinen Schulen die hebräische Unterrichtssprache eingefuhrl; er hat mit unsäglicher Mühe und Arbeit das hierzu erforderliche Vehrermaterial herangebildet und es tatsächlich so iveil gebracht, dag Hebräisch, ivenigstens von einem kleinen Teil der palästinensischen Juden, auch als Umgangssprache ge braucht wird. Die Frage, ob auch an dem Technikum Hebräisch als Unterrichtssprache dienen sott, ist nun der Aus gangspunkt von erbitterten Angriffen geworden, ivie man sie selbst von zionistischer Seile bisher kaum ge wohnt war. In der entscheidenden Sitzung des Kura toriums des Technikums hauen die drei zionistischen Vertreter die Einführung der hebräischen Unterrichtssprache für den gesamten Unterricht an der Mittelschule und für einen Teil des Unterrichts am Technikum ver langt. Die übrigen Mitglieder des Kuratoriums hielte» dies aus pädagogischen Gründen nicht sür durchführbar und jedenfalls deswegen für unzweckmägig, iveil die Schüler des Technikums später meist in nichtjüdischen Betrieben, jedenfalls in einem nichihebräischen Milien ihren Wirkungskreis suchen müssen und daher vortlehm lich aus andere Sprachen angewiesen sein werden. Trotzdem kaut das Kuratorium den zionistischen Wünschen im weitgehendsten Mage entgegen und beschlvg, dag der hebräischen Sprache die „eingehendste Pflege" zuteil werden soll und bestimnue insbesondere sür den Vehr plan, dag das Hebräische so eingehend gelehrt iverden solle, „dag die Schüler imstande sein iverden, die hebräische Viteralilr im llrterte zu stildieren und sich der Sprache als Umgangssprache 311 bedienen". Damit war eigentlich allen zionistischen Ansprüchen gedient. Aber jetzt stellten sich die Zionisten auf den Standpunkt: Alles oder nichts, und entfachten insbe sondere in Palästina eine maglose Hetze gegen den Hilfsverein und scheuten kein Mittel, um, da sie dem Hilfsverein ihren Willen nicht aufvktroyieren konnten, das Schulwerk in ihre Hände zu bekommen. Man arbeitete, wie jetzt der deutsche Generalkonsul Schmidt in Jerusalem sestftellt, „mit Boykott, Streiks, Straffen demonstrativnen, Verleitung der Kinder zur Verlaisnng derSchitie, Telegrammfälschung, Einschlagen von Fenster scheiben, Insultieren und Bedrohung von treu gebliebenen Vehrern usw " Es zeugt nicht mehr von Fanatismus, sondern geradezu von Wahnsinn, wenn der Führer der