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KC-Blätter · 1914-02-01 · Heft 5 (1.2.1914) · p. Seite 116

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 5 (1.2.1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 116 (sequence 20)
Language
German
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11t) führt. Sie beruht letztlich auf dem Vertrauen zu der Kraft und Widerstandsfähigkeit der religiösen Ueberzeugung. Wer an die Zukunft der Religion in unserem Leben überhaupt, wer an eine unvergängliche Bedeutsamkeit des religiösen Gehalts des Judentums glaubt, wird ihm auch zutrauen, aus eigener Kraft der zersetzenden Tendenz Herrzu werden, die eine religiöse Skepsis für unüberwindlich halten muff. Vollends andere Gesichtspunkte sind es, die über die Realisierbarkeit der nationaljüdischen Ideale entscheiden. Das Urteil über die Pläne des Z i o it i s m u s wenigstens hängt von Fragen der internationalen Politik, der politischen und wirtschaftlichen Entwickelung der Türkei und den verschiedensten damit zusammenhängenden Problemen ab. Anders steht es freilich mit dem sogenannten Kul turna ti onalismus, der die Bildung eines „Grog-Palästina", das die Gesamtheit der Juden in sich aufnehmen könnte, für unmöglich hält und daher innerhalb der Diaspora, in der die überwiegende Mehrzahl der Juden dauernd verbleiben must, ein nationaljüdisches Eigenleben wenigstens aus kulturellem Gebiete anstrebt. Ihn treffen alle unsere früheren Ausführungen über die Unmöglichkeit einer jüdischen Kultur inmitten der modernen Kulturvölker. Wenn die Juden oder ihr überwiegender Teil dauernd in der Diaspora zu verbleiben haben, gibt es für sie keinen anderen Weg als den, welchen sie bisher gegangen sind. Für ein Judentum oder für einen Teil des Judentums, der auf Konzentration in einem eigenen Gemeinwesen verzichten muff, haben nationale Ideale und Zukunftshoffnungen keinerlei Bedeutung. Das nationalsiidische Ideal ist unter solchen Voraussetzungen nur ein totes Glaubensbekenntnis, dem jeder Einfluh auf das Leben fehlt. Das Zukunftsideal der jüdischen Gesamtheit kann es nur dann sein, wenn es in dem Glauben an jenes freilich sehr weit zu fassende Groh- Palästina gipfelt. Gibt es diesen Glauben preis, so hat es der westeuropäischen Judenheit, die ja in erster Linie zu den außerhalb des jüdischen Gemeinwesens bleibenden Teilen der Juden gehören mühte, nichts zu jagen. Für diese besteht nur die Alternative: Politischer Zionismus, der auch ihnen einen Anteil an dem jüdischen Gemeinwesen in Aussicht stellt, oder religiöses Judentum, für das die Religion die alleinige Grundlage des jüdischen Gemeinschaftslebens ist. Warum die Entscheidung zwischen diesen Möglichkeiten hier nicht zu füllen ist, brauche ich nicht zu wiederholen. Das Ziel der vorstehenden Ausführungen war es lediglich, die Struktur der jüdischen Gemeinschaft und ihr Verhältnis zu ihrer Umgebung zur Klarheit zu bringen und den Blick von den Worten, um die zumeist gestritten wurde, auf die Tatsachen zu richten. Wenn dieses Ziel erreicht ist, so wird cs auch der Verständigung über die Zukunstsfragen des Judentums zugute kommen. ver Streik der Studierenden der Zahnheilkunde. Bon Fritz Nelki (Spreviae). Schon lange machten sich in der Zahnärzteschaft Bestrebungen bemerkbar, den besonderen Doktortitel, den »Doktor medicinae dentariae“ zu erlangen. Nachdem aber im Jahre 1009 für die Zahnärzte eine neue Prüfungsordnung eingeführt wurde, die als Vorbedingung für das zahnärztliche Studium das Reifezeugnis einer neunklassigcn höheren Lehranstalt, nach drei Studiensemestern das zahnärztliche Physikum und ein Gesamtstudium von sieben Semestern vorschreibt, wurde der WuNsch nach der Promotionsmöglichkeit dringender tind kam in wiederholten Eingaben an die bundesstaatlichen Regierungen und den Bundesrat zum Ausdruck. Besonders in letzter Zeit sind hierüber lebhafte Verhandlungen gepflogen worden. Am 8. Dezember war die Schaffung dieses Titels Gegenstand einer Beratung der Preuhischen Zahnärztekammer im Ministerium des Innern. Als in dieser Sitztmg der Direktor der Medizinalabteilung, Geheimrat Prof. Dr. Kirchner, die Aeusterung tat, dag an die Promotionsmöglichkeit als Dr. med. dent. nicht zu denken wäre, stellten als Antwort hieraus die Studierenden der Zahnheilkunde an fast allen Universitäten den Besuch der Kollegien und Praktika ein. In Leipzig brach, da aus eine diesbezügliche Anfrage keine geniigende Garantie für die Einführung des Dr. med. dent. geboten wurde, der Streik am 10. Dezember aus. Zwei Tage später folgten die Studierenden der Zahnheilkunde in Berlin und erklärten der Leipziger Kollegenschast ihre Sympathie. Innerhalb weniger Tage hatten sich alle Universitäten mit Ausnahine von Rostock und Königsberg dieser Bewegung angeschlossen. Jede Universität schickte einige Vertreter nach Berlin, und vom 15.— IS. Dezember waren diese zur Tagung hier versammelt. Das Hauptergebnis dieses Vertretertages war die Gründung des Deutschen Zahnärztlichen Studentenverbandes, der an allen Universitäten die Korporationen der Studierenden der Zahnheilkunde vereint. Außerdem wurden aber hier andere Resolutionen angenommen, wonach an sämtlichen Universitäten von den Studierenden der Zahnheilkunde die Einführung der Promotionsmöglichkeit im eignen Fache anzustreben sei, und hierbei an den Universitäten der einzelnen Bundes-

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