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KC-Blätter · 1914-02-01 · Heft 5 (1.2.1914) · p. Seite 105

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 5 (1.2.1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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105 strebungcn, gegen die sie gerichtet sind, wirklich kennen, und wenn Sie mit dem Inhalt dieses Angriffs sich genau vertraut gemacht haben würden. Ich komme soeben von dem Zionistenkongreß in Wien, den ich als erst kürzlich zum Zionismus gelangter englischer Jude und Kolonisationsmann und als Delegierter des Orcler ok -Xncient /Caccabeanb besucht habe. Ich bin nüchtern und sachlich genug veranlagt, uni trotz des oft überwältigenden Schauspiels, das dieses Judenparlament bot tund das sogar die bisher antizionistische Presse Wiens zu einer höchst sympathischen Stellungnahme umstimmte), mein kritisches Gefühl sür zahlreiche Haupt- und Nebensachen des Kongresses sowohl ivie der zionistischen Taktik und Praxis zu wahren. Aber niemand, der den Tatsachen des jüdischen Lebens sest und ruhig ins Auge schaut, kann verkennen, das; die von den Zionisten proponierte Lösung der Frage eine große und durchführbare, hilfreiche Sache ist, der kein edler Jude seine Sympathie und Mitarbeit versagen sollte, und die anderseits keinen einzigen Juden in seinen sozialen, wirtschaftlichen und staatsbiirgerlichen Beziehungen zu beeinträchtigen verinag. Wir sind jüdischen Blutes und jüdischen Stammes! — Diese Tatsache, auf die wir so stolz sein dürfen wie irgendeine andere Gemeinschaft ans ihre Herkunft, läßt sich nicht verwischen, wie heftig auch der antizionistische Aufruf die deutschen Juden nach Kultur und Sprache und Nationalgefühl sür das Deutschtum (fast für das Cheruskertum) reklamieren möchte. Gin einfaches Beispiel, das mir besonders naheliegt: Sind nicht die deutschen und englischen Juden in einem ganz anderen Sinne Brüder als die deutschen und englischen Christen? Darüber hilft kein Jonglieren mit so strittigen Begriffen wie Volk, Nation oder dergleichen hinweg. Noch ein Beispiel: Der deutsche Kaiser — doch sicherlich ein guter Nationalist — freut sich über das kräftige deutsche Nationalgefühl der Deutsch-Amerikaner, und wer von den Unterzeichnern des antizionistischen Aufrufes ivollte ihm Unrecht geben? — Was aber für die amerikanischen Staatsbürger deutschen Stammes gilt, hat zweifellos auch für die deutschen Staatsbürger jüdischen Geblüts volle Geltung. Wenn Sie und Ihre Freunde an der Hand zahlreicher Tatsachen, die ich und viele andere Anhänger des Zionismus Ihnen jederzeit darlegen können, sich überzeugen lassen wollten, wie realisierbar jund in den Änfängen schon vielfach realisiert) unsere Bestrebungen sind, so würden Sie - darüber habe ich keinen Zweifel - statt eine große Sache zu bekämpfen, in der bereits Hundertausende diesseits und jenseits der Grenzen der Kulturländer ihre beste Hoffnung sehen, uns mit Ihrer wertvollen Mitarbeit unterstützen. Sie selbst haben es unterschrieben: „Die Berechtigung kolonisatorischer Bestrebungen im Interesse der östlichen Juden soll dabei nicht in Abrede gestellt iverden, sie wird von den Juden aller Dichtungen anerkannt." Das ist die Hauptsache am Zionismus. Ein Antizionist, der das unterschreibt und auch wirklich danach handelt, ist mir und vielen andern lieber als zehn Zionisten, die nur Worte zu machen verstehen! Wollen Sie in diesem Sinne Ihre eigene Unterschrift respektieren? Ich hoffe eS und stelle Ihnen von Herzen gern meine nicht unbeträchtliche kolonisatorische Erfahrung zur Verfügung in gemeinsamer Arbeit zugunsten unserer versclgten und zuriickgcsetzten Brüder. Aus dieser Arbeit heraus werden Sie dann vielleicht auch vieles andere schätzen lernen, was Ihnen bisher an der zionistischen Bewegung mißfallen haben mag. Mehr kann ich Ihnen heute und im Nahmen eines kurzen Briefes nicht sagen, stehe Ihnen aber gern mit Weiterem zur Verfügung. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. Henry Samnel London W. 1 l Cleveland Sguare Hydc Park. Sehr geehrter Herr! Gestalten Sie mir, Ihnen meinen bestcit Tank für Ihr Schreiben vom 19. Septeniber ds. Js. auszusprechen. Mir ist es sehr angenehm, ivenn ich mit geachteten Männern unserer jüdischen Gemeinschaft in Meinungsaustausch treten kann, noch dazu, wenn es sich um eine wichtige und bedeutsame Sache handelt, die in Ihrem geschätzten Briese zur Sprache gebracht ist. Uns beide verbindet die Anhänglichkeit und die Treue zur angestammten Gemeinschaft, ebenso wie der Wunsch, in tatkräftiger Weise und mit allen Mitteln für das Wohl und die Rechte aller unserer Glaubensgenossen einzutreten, namentlich da, wo sie, wie im Ssten Europas, vielfach im Elend und geknechtet ihr Leben zuzubringen gezwungen sind. Unsere Anschauungen trennt voneinander das Verhältnis zum Zionismus, und gerade dieser Punkt ist es ja, über den ich Ihrem Wunsche entsprechend einige Bemerkungen machen soll. Dabei werden Sie verwundert sein, von mir zu erfahren, daß ich mit dem wesentlichsten Inhalt Ihres geschätzten Schreibens einverstanden bin und daß dasjenige, was Sie dort sagen, im großen und ganzen meinen Beifall findet. Ich erkenne an, das; der letzte Zionistcnkongreß, wie auch einige seiner Vorgänger, in bezug aus die Wucht der äußeren Veranstaltung ebenso wie in

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