KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 5 (1.2.1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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103 germanisch einerseits und den nichtarischen Sprachstämmen andererseits aufdeckt?) Es kann uns also nicht mehr wundern, wenn ganz auffällige Uebereinstimmungen zwischen Ortsnamen der entlegensten Gebiete in überraschender Fülle Vorkommen. Die Kasvölker sind nach W i r t h das verbindende Element gewesen. Vom Hindukusch bis Gibraltar sind die Ortsnamen gleich. Die Eneter kommen in Kleinasien, aber auch als Veneter in Italien und den Alpen vor. Der Bodensee heiftt laeus Venetus. Der Mons BenetuS liegt in den Pyrenäen. Die hohen Tauern der Alpen sind mit dem Berge Tabor in Palästina, ferner mit Täbris, Tauris usw. (vielleicht auch mit slawischtürkisch ,,Tabor"-Burg) zusnmmenzubringen. Ueberhaupt weisen besonders viele Alpennamen nach Asien, so die Namen Kärnten, Krain, Tirol, Stcier, Lech, Tegernsee, Enns, Gastcin, Möll, Till, Rhein, Brixen, Bregenz und zahlreiche andere. Ein weit verbreitetes Element, das in vielen zusammengesetzten Fluffnamen vorkommt und jedenfalls „Flieffen" bedeutet, ist die Wurzel „dan". Es findet sich z. B. in -den Flüssen Danubius (Donau), Rhodanus (Rhone), deni Eridanus (Po) Italiens, Dnjestr (Int. Danaster), Dnjepr (Int. Danaprus), dem Don und der Düna Rufflands, dem Jordan Palästinas, dem Ardon deS Kaukasus, in den nordostsibirischen Flüssen Aldan, Korkodon, Uljandina, Lawdon; im Flamen Engadin usw. Das Grundwort „din" bedeutet im Georgischen einer Kaukasussprache „Fliehen".'> Wir begnügen uns mit diesen Stichproben aus dem groffen Material A. Wirt h s, aus das wir nochmals Hinweisen. Auch für den Norden lassen sich nichtarische Einflüsse Nachweisen.3) Das Skandinavische stellt den Artikel nach, wie das Finnische und Baskische. Ter Donnergott Thor erinnert an den finnischen Donnervogel Turul, der auch das Totem Attilas ivar. Das Wort Deutsch kommt von Theudiscus und der gotischen Wurzel thiod, altdeutsch diet-gewöhnliches Volk, lettisch tauta und bretonisch teut. Lappisch heifft teudo Mann. Möglicherweise bezeichnete also „deutsch" ursprünglich die nichtgermanische, unterjochte Masse des Volkes. Die altgermanischen Stünde scheinen Rassenunterschieden zu entsprechen, wie die Schilderung der verschiedenen Kürperbeschaffenhcit von Adeligen, Bauern und Sklaven in der Edda ') Pfll. Fr. von den Beiden, Ucber Ursprung und Herkunft der indogermanischen Sprachen und nnarische Sprachreste^in Westeuropa, 1012. *) Vielleicht hängt hiermit auch der Rame Poseidon .zusannnen In peiaSgischer Feit gebot dieser tsiou nach der Mythe auch über die Binnengerväner und Herodot bezcrrgl ausdrücklich seine fremde Herkunft. *) Das folgende nach Wirth a. a. O. S. 250 ff. vermtlten lägt, auch haben Bauern und Edle verschiedene Götter. So ist die Forschung aus den verschiedensten Wegen zu dem Ergebnis gekommen, daff die heutige Bevölkerung Europas der Niederschlag vieler, durch ungezählte Jahrtausende sich erstreckender Völkerwanderungen und Mischungen ist. Dieses Fluten ist nicht aus vorgeschichtliche Feiten beschränkt. Im 4. und 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung haben die Hunnen einen groffen Teil Europas beherrscht, ihre Macht reichte bis zur Ostsee, die meisten germanischen Stämme wie die Ostgoten, Gepiden, Ouaden, Markomannen, Suaven, Thüringer, ripuarische Franken usw. waren ihnen unterworfen mtd mufften Tribute und Hceressolge leisten, die Westgoten flüchteten auf römisches Gebiet. Auch Byzanz zahlte Tribute, und Papst Leo erschien vor Attila, um Schonung Roms flehend, Nach Attilas Tod beginnen seine Söhne um die Macht zu hadern und die Hunnen werden nach dem Osten zurllckgeworsen. Vom 6. bis Ende des <8. Jahrhunderts folgen die ebenfalls finnischugrischen Avaren, die die Geschichtsyuellen den Hunnen gleichsetzen. Ihre Herrschaft erstreckte sich u. a. über Niederösterreich, Steiermark, Kärnten und bis in das Pustertal Tirols; zeitweise selbst bis nach Mittel- und Norddeutschland. Avarenhordcn lieffen sich in Obersranken nieder, wo man ihren Typus beule noch erkennen will. iWirth) Erst Karl der Grofte bricht ihre Macht. Den Avaren sind die Slaveu gefolgt, welche sich nicht durch kriegerische Macht. sondern in stiller Kolonisation - teilweise unter avarischer Hoheit — festsetzten und kurze Feit sogar ein groffslavisches Reich behaupteten. Slavcn saften nicht nur in ganz Norddeutschland (Holstein, Oldenburg. Mecklenburg, Rügen, Vorpommern. Mark, Teile von Hannover usw.l, sondern auch in Mitteldeutschland (Sachsen, Lausitz, Obersranken). Die Gegend südlich von Bayreuth hieft lange „Slavonia", die Namen Berlin, Branden bürg, Leipzig, Nürnberg leiten sich von slavischen Wurzeln her. Sie besiedelten aber ailch die österreichischen Alpenländer, ivo noch viele Ortsnamen (z. B. Graz) aus sie zurückgehen, bis nach Osttirol und Salzburg. Daft die Slaveu stark mit nichtindogerinanischen Bestandteilen gemischt waren, ist leicht nachweisbar. Der berühmte preuffischkonservative Historiker Hans Delbrück sagt: „Es ist gar kein Zweifel, daft nur ein geringer Teil des heutigen deutschen Volkes, nämlich die Bewohner von Hannover, Westfalen, Braunschweig, Oldenburg in der Hauptsache Germanen sind." 0 Im 10. Jahrhundert brechen die Magyaren ein, durch mehr als fünfzig Fahre plündern sie ') Delbrück, Regierung und Polkoiville 1914