KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 5 (1.2.1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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101 etruskischer Geschlechter in solcher Fülle, bnft sie wohl Einfluß auf die Gestaltung unserer Borstellungen von den Anfängen der ewigen Stadt fordern dürfen. „Nom selbst hielten viele Geschichtsschreiber für eine etruskische Stadt", wie DionyS von Halykarnaß bezeugt. Die fprachgeschichtliche Untersuchung, auf die ich mich hier grundsätzlich beschränke, wird von selbst zu einer Illustration der Sage, die den AeneaS mit Tarchon und Tyrsenos verbindet. Der Tiber bei Rom ist in der Tat einmal, wie der Dichter ihn nennt, ein tuskischcr Fluß gewesen. Und über den Tiber hinaus sind die etruskischen Geschlechter weit nach dem Süden vorgedrungen und haben den Grund vieler Städte gelegt." Die römische Uebcrlieferung selbst betrachtetete einen der drei Urtribus, aus denen sich Rom bildete, als etruskisch. In der Kunst und Technik, besonders im Bauwesen, erreichten die Etrusker eine hohe Stufe und waren vielfach die Lehrmeister der Römer. Ulrich die römische Religion weist den etruskischen Einfluß auf. Die Wohnsitze des Stammes erstreckten sich auch auf einen großen Teil der Alpen. Wie die römischen Geschichtsschreiber mit Bestinnnlheit berichten, waren insbesondere die Raeter, die Graubünden, Tirol, Vorarlberg, Oüerbayern, Kärnten, Krain bewohnten, etruskischer Herkunft. Livins (V. 33) sagt: „Auch die Alpenvölker haben ohne Zweifel etruskischen Ursprung, vorzüglich die Rätier, welche durch ihren Wohnort selbst verwilderten, daß sie nichts von ihrem ursprünglichen Zustand, als den Klang ihrer Sprache und auch diesen nicht ganz unverdorben beibehielten." Auch Trogus Pompejus berichtet in seinem Gcschichtswerk, dessen von Justin verfaßter Auszug uns erhalten ist, über die Abkunst der Raeter von den Etruskern lIustin XX. 5).') Diese Nachrichten der alten Geschichtsschreiber wurden in unserer Zeit durch 'die Auffindung zahlreicher etruskischer Anschriften und Gegenstände in Tirol, Kärnten, Krain, Graubünden bestätigt. Solche Funde wurden z.Bbei Bozen, Matrei, Sondrio, Ronsberg, Hallstadt, Watsch, St. Margarethen, Dellach ußv. gemacht. Schließlich hat zuerst Steub-) den Nachweis des Zusammenhangs zahreicher Ortsnamen Tirols mit etruskischen Wurzeln geführt und die Zustimmung der größten Altertums- und Sprachforscher, wie Mommsen, Müllenhoff, Pott erhalten. Als Beispiele von alpinen Ortsnamen, die aus dem Etruskischen abzulciten sind, werden u. a. angeführt Alxna, Alasina, Aldein, Andest, Arunda, Ladurns, Rasen ') Bgl. ferner Plinitts, Rat. hist. Ill.24, wo zahlreiche rälische Bölker aufgezählt werden. J) Bgl. Ludwig.-Steub, Natische Ethnologie I8.44, ,3"r Ethnologie der deutschen Alpen 18di7. Ferner Fr. 2to!z in den Beiträgen zur Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte von Tirol 1894. lNasener nannten sich die Etrusker selbst), Sauters, Trins, Tagusens, Ulten, Awras, Barn, Wattens, BelS, Belturns, rvahrscheinlich auch Schlittcrs, Schwaz, Tervens, Tisens, Bendels, Polders, Zams, Preghena, Larzena, Bulsana, Mvlveno, Toblino, Golfa, Spaur, Mutters, dlatters, Altrans, Sistrans, Bintschgau, Tölz und Schliers in Oberbayern, Lavin, Süs und Ardez in Bünden usiv. Das kleine Dörfchen Rum bei Innsbruck geht wahrscheinlich auf dieselbe etruskische Wurzel zurück, wie das weltbeherrschende Rom. Der Typus der heutigen alpinen Rasse, die über einen großen Teil Mitteleuropas verbreitet ist, stimmt mit den Merkmalen der Etrusker, die uns von Bildern und Statuen aus Grabstätten, Basen usw. gut bekannt sind, überein. Woltmanu macht zwar mit gewohnter Phantasie die Etrusker zu blonden Ariern, wofür gar keilte Anhaltspunkte vorliegen. Mommseu bezeugt dagegen ausdrücklich,') daß die Etrusker sich im Körperbau von den schlanken Hellenen und Römern unterschieden, es waren kurze, stämmige Figuren mit großein Kopf und dicken Armen, aus Bildern erschienen sie recht dunkel. Funde, die das raetoetruskische Leben darstellcn iz. B. die Watscher Situla), zeigen die Männer mit geschorenen« Kops und ansgestülpter dicker Nase, die übrigens gerade in Tirol häufig zu finden ist. Außer den Raetern haben übrigens noch viele andere Rassen zur Bildung des heutigen alpinen Typus beigetragen. Noch vor ihnen bewohnten die ebenfalls nichtarischen Ligurer weite Gebiete der Alpen, später kamen Kelten, Slaven, Germanen, auch Illyrier iverden von manchen angenommen.") Daß der größere Teil der Alpenbevvlkeruug uichtindogermanischer Herkunft ist, scheint außer Ziveifel. Speziell in Tirol war, wie A. Deutschmann mehrfach hervorhebt, die germanische Kolonisation verhältnismäßig schwach, so daß die vvrgermanische Bevölkerung keineswegs verdrängt lvurde. Wie Albrecht Wirth bemerkt, sieht man gerade in den Alpen heute noch wahre Borweltstypen lebendig umhergehen. Die Iberer. Ein lveitverbreitetes nichtarisches Bolk waren auch die Iberer, deren Sprache heute noch im Baskischen sortlebt, das mit keiner anderen lebenden Sprache Europas verwandt ist und von etiva 000000 Menschen in Nordspanien und Südfrankreich gesprochen wird. Einst ertönte die iberische Sprache in ganz Spanien und ^üdsrankreich, in Sizilien,Unteritalien,Britannien,IrlandsHiberniay Bgl. Moinmsen, Römische Eeschichle l. 2-1:20. -) Bgl. neuestens die kontroverse zwischen Prof. öS m an er und K. F. Wolfs in den Fiinsbrucker diachrichten 191'ch dir. 164, Ilxr, 19.4. 3) Deut sch mann, Jur Entstehung des Deutsch- Tiroler BauernstarnmeS 1914.