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KC-Blätter · 1914-02-01 · Heft 5 (1.2.1914) · p. Seite 99

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 5 (1.2.1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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99 haben an dem Ausbau der europäischen Kultur mitgewirkt. Die Vorarier in (Griechenland. In Hellas wurzelt unsere Kultur. Wie aber war das wundersame Volk beschaffen, das uns dieses Erbe hinterlies;? Die hellenischen Geschichtsschreiber wissen viel von den Pelasgern und Lelegeru zu erzählen, die vor Zeiten Griechenland bewohnten und eine nichthellenische Sprache redeten. Ganz Griechenland, sagt ausdrücklich Thukydides, ha tten einst Barbaren inne. H e r 0 d 0 t berichtet, daß noch zu seiner Zeit in einigen Städten Pelasgrsch gesprochen wurde und das; es eine Barbarensprache war. Und so fort. *) War man srühcr geneigt, diese ausdrücklichen Zeugnisse der Alten gering zu schätzen, so hat die neuere Forschung ihre Aussagen vollständig bestätigt. Kretschmer, 5kießling, Fick u. a. haben nachgewiesen, das; ganz Griechenland und Kleinasien früher von derselben Bevölkerung bewohnt wurden, die lveder indogermanisch, noch semitisch war, sondern eine ganz selbständige Rasse bildete, die wir schon als Hetiter kennen gelernt haben. Lautgesetze, Wortbildung und Wortschatz stinnnen dies- und jenseits des ägäischcu Akeeres genau überein. Die Erdgeschichte zeigt, das; vor noch nicht langer Zeit an Stelle des Meeres Festland war, dessen Berggipfel in den Inseln erhalten sind. Auf dieser Landbrücke zog der hetitische Stamm nach Griechenlaud und iveiter nach Rordwesten, bis in die Alpen, wo er der Grundstock der heutigen Bevölkerung wurde. Später, als die hemmenden Binnenseen in den Donauuicderungen verschwunden waren, erfolgte von Norden die Einwanderung der Indogermanen und die Hellenisierung des Landes. Doch stets blieb Griechenland ein stark gemischtes Land. „Unsere gelehrten Lexikographen, sagt 5k ießling, -) betonen selbst, das; ein ansehnlicher Teil des griechischen Vokabulars etymologisch nicht zu fassen ist und jedenfalls nicht griechisches, fremdes Sprachgut darstellt." Besonders ausfällig ist dies bei den griechischen Ortsnamen, so das; Heinrich Kiepert erklären konnte, überhaupt nur ein ganz verschwindender Prozentsatz aller hellenischen Ortsnamen sei griechischer Herkunft. Sie sind, wie Kießling hinzufügt, weder aus dem Griechischen, noch überhaupt aus dem Indogermanischen zu erklären, und zwar sind es gerade die bekanntesten Rainen, die jeder Erklärung spotten: Athen, Tanagra, Argos, Mykene, Tiryns, Theben, .Korinth, Olymp, Parnaß, Larissa u. a. sind ') Bgl. luciterc Zelrgnisie bei Grote, Geschiäile Griechenlands 18i>0 (Deutsche ÄuSgabe 1, <S. 50Ö, 523 ff. i ’) Mießliim, das ethnische Problem des antiken Griechenlands (Zeitschrift fiir Cthnologie XXX ril, 1005, L. 1000 ff.) wirkliche Fremdwörter. Die Uebereinstimmung der griechischen und kleinasiatischen Ortsnamen ist offenbar. Der bedeutendste Stamm Kleinasiens, die Karer, haben in Hellas besonders deutliche Spuren hinterlassen, so den Zeus Kariös in Böotien, die Burg Karin in Megara sowie den Urkönig Kar dieses Staates, ja Aristoteles berichtet sogar, das; früher in Argolis — dem gegenüber Athen liegenden Teil des Peloponnes — Karer gewohnt haben. Herodot, der selbst ein Ionier war, teilt mit, das; die Ionier früher Pelasger gewesen seien und erst später die hellenische Sprache angenvnunen hätten, im Gegensatz zu den Dorern, die echte Hellenen seien, .somit wäre, wenn diesem Zeugnis zu trauen ist, gerade jener Griechenstamm nichthellenischer Abkunft gewesen, der den Grostteil der griechischen Kultur erzeugt hat und dessen Bedeutung durch die Ramen Athen und Homer gekennzeichnet wird. — Die starke Beeinflussung der Hellenen durch unarische Elemente zeigt sich auch in ihrer Mythologie und ganzen Kultur. „So stolz die Griechen, sagt EurtiuS,') auf ihre Antochthonie waren, so knüpften sie dennoch allerorten die Gründung ihres geselligen Lebens an die Ankunft hochbegabter Fremdlinge, die mir übernatürlicher Kraft und Klugheit das Leben der Menschen in eine neue Ordnung gebracht haben sollen." Die semitischen Götter, Kulte und Sagen seien vollständig mit dem griechischen Bewusstsein und der nationalen Kultur verschmolzen, man denke an die Mythen von Kronos, den Titonen, Herakles, Minos, Moloch, selbst der arische Gott Zells habe einen semitischen Adoptivvater erhalten. - Was der berühmte Geschichtsschreiber Griechenlands für semitisch hielt, ist teilweise anderen Stämmen zuzllschreiben, obwohl auch semitischer Einstuß zweifellos groß war. Herodot sagt, von den Pelasgern haben die Hellenen ihre Götter.-) Die Wissenschaft des Spatens hat in jüngster Zeit auf Kreta eine ungeahnte Welt hoher Kultur aufgedeckt, die schon im 4. vorchristlichen Jahrtausend beginnt, im 2. Jahrtausend ihren Höhepunkt erreicht und ein Bindeglied zivischen den altorientalischen und ägyptischen .Kulturen und dem Griechentum darstellt?) i) Curtius, Griechische Geschichle l, 1, 2 40. ’)?(. Wirth. Der Gam; der Weltgeschichte 101:2, 3. 127, erklärt eine Reche griechischer, aber auch semitischer Götter fiir kajisch, wie er das hciilische Clement nennt. *) HuerneS, Kultur der Urzeit, 1012, 2. Bd, 3. 40 bis 73. Professor Hoerncs sagt u a: „Die kretisch nwkenische Kultur ist die grösste und folgenreichste Cr scheinnng der Bronzezeit der ganzen Crde. sthre Aorinwirkungen in .geil und Raum sind noch kaum ermessen" Ihr Cinslnst zeig! sich nicht nur in einem grosten Teil trurvpns, sondern auch in r'lrnienien, Kaukasien, Persien n»id selbst in China.

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