KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 4 (1.1.1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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wo der orthodoxe Teil der Gemeinde hauptsächlich wohnt, — das Aussehen des Palmengartens, der sicherlich in Zukunst der Treffpunkt der Korporationen sein wird, das Milieu der Cafes, und last not least der Theater und Konzerte, politischen Versammlungen usw. das jüdische Element stark hervortreten läßt, müssen solche Konflikte jedem als sicher erscheinen, der mit Universitätsverhältnissen vertraut ist. Das; dabei die Stellung der Juden im öffentlichen und sozialen Leben, die in Frankfurt im großen und ganzen leidlich befriedigend war, keine Förderung erfahren wird, liegt auf der Hand. Die Besorgnis all dem gegenüber ist weit verbreitet und nicht ungerechtfertigt. Es wird für die AktivitaS des K. C. in der Bekämpfung antisemitischer Ausschreitrmgen in Frankfurt Arbeit genug geben, vielleicht mehr als an irgendeiner als antisemitisch verschrieenen Universität. Die Spannung, mit der die Agitation des Hammerbundes und der Leute um Bartels die „arische" Studenschaft zu erfüllen sucht, wird und muff in dem Frankfurter Milieu zu gelegentlichen Entladungen führen und es ist bezeichnend, das; der V.D.St. einer der ersten Verbände, wenn nicht der erste Verband war, der beschloffen hat, sofort bei der Eröffnung der Universität in Frankfurt einen Verein aufzutun. Auch die anderen großen Verbände, mit der intercffanten Ausnahme des Köscner S. E., also D. C., V. C., L. C. haben beschloffen, im Moment der Eröffnung der Frankfurter Universität aufzumachen, znm Teil sogar gleich mit mehreren Korporationen, und haben zu diesem Zwecke die an der bereits vorhaitdenen Akademie für Sozial» und Handels-Wissenschaslen bestehenden nicht sehrimposanten Korporationen übernommen. Alle Verbände aber haben bedeutende Mittel für die Installierung ihrer Korporationen bewilligt. Daß bei diesen Verhältniffen auch der K. E. nicht fehlen darf, vielmehr im Momente der Universitätseröffnung mit einer kräftigen und repräientablen, gut vorbereiteten Korporation mtf den Plan treten muß, bedarf keiner weiteren Darlegung. Von den bisher genannten Gesichtspunkten abgesehen, m»»ß uns dazu noch ein anderes veranlaffen: Der B. I. C. arbeitet seit Jahren snstematifch auf die Etablierung einer Korporation zngleich mit dem Beginn der ersten Vorlesung an der Franksttrier Universität hin. Der Werbeeiser seiner Mitglieder hat ihm bereits seit Jahren atls Frnnksnrt eine relativ erhebliche Anzahl Mitglieder zitgeslihrt, seitdem er anläßlich der Franksiirter Tagung der zionistischen Ber» einignng für Deutschland und mit deren Unter» sitltzung mit einem großen Kommers, zu dem ungefähr die gattze tvemetnde eingeladen war, sich der jüdischen Oeffentllchkeit in Frankfurt vor» gestellt hat. Er erfreut sich auch jetzt der Unterstützung der zionistischen Organisation und sicherlich auch des zionistisch-national-jüdischen „Frankfurter Jsr. Familienblattes". Ihm kommt ferner zu statten, daß er nicht in dem Maße wie wir in der Auswahl des Menschenmaterials sich Beschränkungen auferlegcn muß. Soviel steht jedenfalls fest, daß der B. I. C., gestützt auf die Disziplin und den Fanatismus seiner Mitglieder, im Herbst 1914 einen Haufen geschulter Mitglieder nach Frankfurt werfen wird, nicht bloß im, selbst eine Stätte zur Verbreitung seiner Ideen zu schaffen, sondern auch, um den, K. C. nach Möglichkeit den Boden abzugraben. Denn das betrachtet er neuerdings als eine seiner Hauptaufgaben. In diesem Zusammenhang nmß auch darauf hingewiesen werden, daß die Würzburger Salia, die seit über 10 Jahren eine erhebliche Anzahl Franksiirter Muli aufnimmt, nach zuverlässigen Mitteilungen definitiv ein Kartell mit den ebenfalls „paritätischen" Verbindungen Ghibcllinia- Berlin und Thuringia-Münchcn gegründet und beschloffen hat, im Herbst 1914 eine Korporation in Frankfurt anfzmnachen. Wir denken gewiß gering von dem erzieherischen Einfluß, den diese „paritätischen" Korporationen auf ihre wohl ausnahmslos jüdischen Mitglieder auSüben, soweit deren Stellung znm Judentum in Betracht kommt. Wir wiffen auS Erfahrung, wie sie ihren, ganzen Charakter nach die jungen Le,»1e jüdischen Inter» effen entfremden und selbst ihre Persönlichkeitsentwicklung meist unheilvoll beeinflussen. Wir müffen aber damit rechnen, daß sie, gestützt aus persönliche Beziehungen, nnS in Frankfurt eine nicht gleichgültige Konkurrenz fein werden. Umsomehr ist eS Pflicht des K. C. und jedeS K. (£. ers, nach Kräften dazu beizutragen, daß die der Gründung einer Frankfurter K. B. eutgegenstehenden Schwierigkeiten ilberwnnden werden. An sich ist daS Frankfurter Milieu uns nicht besonders günstig. Der Frankfurter überhaupt und insbesondere der Franksnrter Jude hat stark individualistische Steigungen, liebäugelt gerne mit dem „Modernen". Auch ein gut Teil koSmo» politischer Neigung schlummert ln ihm. Deshalb haben „Frelsindententnm" und ähnliche Organisationen immer zahlreiche jüdische Anhänger auS Frankfurt gehabt. Zun, guten Teil mag dazu auch die politische Stimmung der Frankfurter Bevölkerung beigetragen haben. — So sehr der Frankfurter seinen „Aeppelwoin" schützt, so geht ihm doch der Bierkonnnent, deffen wir bei allen Konzessionen gegenüber berechtigten Resormsorderuugen nicht völlig entraten können, gegen den Strich und gar das Schwingen der „langen Messer" verwirft er vielfach pAnzipiell, ob aus politischen oder anderen GAlnden, ist ln diesem 4