KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 4 (1.1.1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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Stadt Frankfurt bereits bedeutende Mehropfer an einmaligen Ausgaben bewilligen müssen und selbst die universitätsfreundliche Frankfurter Zeitung hat in einer vor kurzem erschienenen Notiz bereits warnend auf die drohende Steigerung der laufenden Ausgaben über den Voranschlag hinaus hingewiesen und auf die damit verbundene weitere dauernde Mehrbelastung die Bürgerschaft vorbereitet. Sicher ist freilich eines: Die vielen Millionen, welche die Stadt Frankfurt in dem letzten Jahrzehnt für die Errichtung voll wissenschaftlichen und insbesondere medizinischen Spezialinstituten geopfert hat — Institute, die mil den Erfordernissen der modernen Krankenhmwpsiege gar nichts zu tun hatten, nur als solche aber der in dieser Beziehung naiv harmlosen Stadtverordnetenversammlung „abgeknöpst" wurden, obwohl sie von vornherein lediglich und ausschließlich für die im Kopse des Oberbürgermeisters längst geplante Universität dienen sollten —, zusammen mit den gewaltigen Stiftungen geben der kommenden Universität eine äußere Ausstattung, wie sie kaum an irgendeiner deutschen Universität in gleicher Art noch vorhanden ist. Daß durch diese Stiftungen auch die Quellen aus Jahrzehnte hinaus erschöpft sind, aus welchen die sriiher hervorragenden privaten sozialen Wohliahrtseinrichtungen gespeist wurden, kurz, daß gerade der ärmste Teil der Bevölkerung durch diese Stiftungen um manche Wohltat gebracht wurde, m rschlug weder dem Oberbürgenneister noch seinem Gefolge etwas. Mai. würde die Intelligenz eines Adirkes, der sich freilich mit der Gründung der llnivei-sitüt ein monumentum aere perennius schuf und schaffen wollte, und selbst die seiner Adjutanten unterschätzen, wollte man annehmen, daß sie die finanstellen und die hier angedcuteten antisozialen Folgen nicht vorauSgesehen hätten. Galt eS für AdickeS, der nach seiner persönlichen politischen Auffassung Bedenken gegenüber der faktischen Ans licserung aller möglichen freien Stiftungen und städtischen Institute an den preußischen Staat von Haus auS überhaupt nicht gehabt haben dürfte, sich ein Denkmal in der Geschichte zu setzen, so trieb die dii minorum et minimarum ücntium in der Stadtverordnetenversammlung die Frankfurter Eitelkeit »tnd GroßntannSsucht so- »tk.., entgegen den politischen Prinzipien, die sie sonst an den Tag legen, an Stelle der „freien" und „StiftungS-Universität", die es ursprünglich sein sollte, eine reguläre Kgl. Preußische Universität \n schassen. Daß diese entgegen ihren kaum ernst gemeinten Versicherungen ln Wahrheit nicht die allergeringsten halbwegwirksamen Kautelen für die Durchführung der konfessionellen Parität bei der Besetzung von Lehrstühlen bietet, obwohl liidische Maecene dank der Ueberrrdungskunst des Oberbürgermeisters und zum Teil auch in völliger Unkenntnis über die wahren Verhältnisse den größten Teil der für die Universität gewährten Stiftungen errichtet hatten, beschwerte ihr Gewissen verteufelt wenig. Die Zeit wird kommen, ivo die Frankfurter Bevölkerung und auch der kleine Teil der Franksitrter Judenschast, der es nicht schon getan hat, erkennt, daß die Warmer nur zu Recht hatten. Was vor allem die ungeheure Mehrzahl der Frankfurter Juden aller Schichten mit größtem Skeptizismus dem ganzen Universitätsprojekt begegnen ließ, war aber ein anderes: Der jüdische Einschlag der Frankfurter Bevölkerung tritt dem Beobachter sinnfällig ins Auge. Der Anteil, den die Juden an der gewaltigen wirtschaftlichen Entwicklung der alten Stadt genommen haben — sie bezahlen fast ein Drittel der gesamten Einkommensteuer obwohl unter der Gesamtbevölkerung von -liVOOOO Einwohnern nur 25000 Juden sind — läßt sich nicht übersehen. Er bat zur Folge, daß das Bild aller derjenigen Stauen, wo man Erholung und Genuß sucht, wo Kirnst und Wissenschait gepflegt und dargeboten werden, ja selbst das Straßenbild in gewissen Stadtteilen von dem jüdischen Bevölkeningselentent außerordentlich beeinflußt wird. Wer das Frankfurter Opernbans, das Schauspielhaus oder 'Jieuc Theater, wer Frankfurter Konzerte oder gar den Palmengarten einmal besucht hat, versteht, was damit gesagt sein soll. — Der Frankfurter Jude hat auch ein gewisses Selbstgefühl, vielleicht nicht immer in dem Sinne, in den» wir von Selbstgefühl sprechen; was er besitzt, ist ein gewisser Stolz, der aus der Zugehörigkeit zu einer uralten, historisch vor allen anderen bedeutsamen jüdischen Gemeinde fließt, die ihrerseits auch in der (beschichte der alten Reichsstadt tiefe Spuren hinterlassen hat. Dieser Stolz eignet vor allem dem eingeborenen „alt-sranksnrter" Juden, erfüllt aber auch bald den „reingeplackten" und läßt in Verbindung mit der immerhin großen Zahl der Franksnrter Judenschast beide kann, empfinden, daß die soziale Scheidung der Konfessionen in Frankfurt nicht im mindesten rveniger ausgesprochet, ist, als irgendwo sonst im Reich. Das gibt atlch denen, deren jüdisches Selbstbewußtsein von außen her keiner allzu starken Belasttntg ausgesetzt iverden darf, ein Etwas, das unbedingt z»l Konflikten führen mtlß, wenn einmal atltisemitische Rencontres stattfinden sollten, an denen nicht | gerade den untersten sozialen Stttfen anaedörende \ Nichtjuden beteiligt sind. Solche Konflikte können aber nicht ausbleiben, wenn mit der Universität die Studenten ihren Einzug in Frankfurt - ..Ne»»-Ienlfalem" nennet» es die Antiseinitell halte»». Gerade weil das Straßeubild — »»icht bloß an, Sadbath ans der Anlage und i»u Ostend,