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KC-Blätter · 1914-01-01 · Heft 4 (1.1.1914) · p. Seite 95

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 4 (1.1.1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 95 (sequence 27)
Language
German
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95 I reaktionären Antisemiten abgelehnt worden. Die I Antiseiniten in Oesterreich werden iiatürlich den An- I trag mit Freuden begrüßen. Die Schäden, die durch I ein' derartiges Vorgehen der Nationaljuden hervorgerufen werden, können nur sehr schwer wieder gutgemacht werden. Studentenausschuß in Berlin. Der an hiesiger Universität geplante Studentenausschuß hat sich vorläufig zerschlagen, da sich die couleurtragenden Korporationen mit den schwarzen in der Anzahl der Vertreter nicht einigen konnten. Jedoch steht zu hoffen, daß durch | Entgegenkommen auf beiden Seiten der Plan sich doch! noch realisiert. j Berliner Lesehallenwahlen. Das Jntereffe an den I Lesehallenwahlen,die im Anfang Dezember vorgenonunen wurden, sinkt immer mehr. Da seit dem letzten Jahre das Verteilen der Flugblätter verboten ist, konnte auch durch dieses Mittel, das besonders die vorn radikal antisemitischen Hammerbund unterstützten „Nationalen" anwandten, um das Jntereffe für diesen einst so bedeutsamen studentischen Vorgang zu erwecken, nicht gehoben werden. Das letzte starr antisemitisch gefärbte Flugblatt der Nationalen war ein Anlaß des Verbots. Es wurden in diesem. Jahre sechs Nationale und ein Vertreter der sogenannten freien Verwaltungspartei lFreie Studentenschaft) gewählt. Der Kandidat letzterer I Partei ist stuck, bist. Dehmel, ein Sohn des Lyrikers Richard Dehmel. Die jüdischen und katholischen Korporationen hatten sich an der bedeutungslos gewordenen Wahl nicht mehr beteiligt. Dresden. Der Plan der Stadt Dresden, in Verbindung mit der Technischen und Tierärztlichen Hochschule eine zweite sächsische Universität in Dresden zu begründen, mutz als definitiv gescheitert angesehen werden. Die sächsische Regierung stand der beabsichtigten Gründung von Anfang an nicht wohlwollend gegenüber. Daran haben auch die vielfachen Bemühungen des Dresdner Oberbürgermeisters, der in Wort und Schrift ausgiebig für den Plan wirkte, und sonstiger einflußreicher Persönlichkeiten, sowie die zugesagten großen Schenkungen für eine Dresdner Universität nichts ändern können. Die Regierung hat sich durchaus ablehnend verhallen und bereits Bestimmungen getroffen, daß die Tierärztliche Hochschule von Dresden nach Leipzig im kommenden Jahre verlegt und dort der Universität angegliedert wird. Der nächste Etat enthält bereits die Mittel für diesen Zweck. Damit ist der Dresdner Neugründung der Boden endgültig entzogen. Zur Frage „Baumeistertitel". Der Deutsche Ausschuß für Technisches Schulwesen, dem die hervorragendsten Fachleute der technischen Wissenschaft und Praxis des Reiches angehören, hat auf seiner letzten Plenarsitzung am 6. und 7. Dezember 1913 sich einmütig und kategorisch gegen dieEinführunajederweiteren Prüfung nach der Diplom-Jngenieur-Prüfung ausgesprochen. Damit dürften die Bestrebungen gewisser Kreise, nach dem Diplom-Jngenieur-Examen noch ein iveiteres Examen einzurichten und auf Grund dessen den Titel Baumeister" zu verleihen, ein für allemal erledigt sein. Ausländischer Doktortitel. Es herrschen Zrveifel über die Berechtigung zur Führung des an einer auswärtigen Universität erworbenen Doktortitels. Das Kammergerrcht hatte bereits früher entschieden, daß zur Führung eines von einer auswärtigen Universität verliehenen Doktortitels bis zu der Kgl. Verordnung vom 7. April 1897 die Genehmigung einer inländischen Behörde nicht nötig sei. Hierbei wurde jedoch vorausgesetzt, daß die im Ausland erworbene Doktorwürde annähernd von gleicher Bedeutung sei wie die von einer deutschen Universität verliehene. Insbesondere ist notwendig, daß die Verleihung von einen» Institut, an dem Vorlesungen gehalten werden und an dem die Wissenschaften gepflegt werden, das heißt;also,*von einer höheren wissenschaftlichen Lehranstalt aus erfolgte. Dieser Auffassung des Kammergerichts hat sich, wie die „Burschenschaftlichen Blätter" Mitteilen, in einer vor kurzem ergangenen Enscheidmtg das Oberverwaltungsgericht ausdrücklich angeschloffen. Die Zahl der Doktoren. In den Betrachtungen der Verhandlungen des jüngsten Straßburger Hochschullehrertags ist in der Presse die Zahl der jährlich in Deutschland promovierten Dokwren^iauf^55000 angegeben worden. Es ist augenfällig, daß die Ziffer, wohl irrtümlich, eine Null zuviel enthält (die deutschen Universitäten zählen ja im ganzen nur wenig mehr Studierendei, aber auch 5500 ist noch zu hoch gegriffen. 1905/06 wurden in Deutschland jährlich erst etwa 3300 Doktordivlome verliehen, nämlich etwa 900 medizinische, 1000 juristische und staatswiffenschastliche und 1400 philosophische. 1910/11 stieg die Ziffer auf 4200 und 1911/12 auf 4400. Im letztgenannten Studienjahr sielen auf die juristischen und staatswiffenschastlichen Fakultäten 1260, auf die inedizinischen 1270, auf die philosophischen 1740 und auf die theologischen etwa 40 (letztere Zahl konnte nicht genau ermittelt rverden). Der tierärztliche Doktortitel rvurde 90 mal verliehen. Es ist bekannt, daß die Mehrzahl der Universitäten an den Promotionen auch nicht annähernd den ihrer Größe entsprechenden Anteil hat, sonst würden nicht Leipzig und Heidelberg über Berlin, und Erlangen und Jena über Bonn, Freiburg, Göttingen und Halle, sowie Greifswald und Rostock, die beiden kleinsten Universitäten, über Straßburg, Tübingen, Münster und Königsberg stehen. Bon den einzelnen Universitäten haben 1911/12 (je ohne Theologen) promoviertj: Leipzig 514, Heidelberg 359, Berlin 357, München 316, Erlangen 283, zwischen 206 und 176 Breslau, Jena, Freiburg, Greifswald, Gießen und Göttinaen, zwischen 164 und 150 Bonn, Halle, Marburg, Rostock und Würzburg und zwischen 140 und 95 Straßburg, Tübingen, Münster, Kiel und Königsberg. Unterliegen studentische Veranstaltungen der Lustbarkeitssteuer? Diese Frage wird in kurzer Zeit den Verwaltungsgerichtshof beschäftigen. Ein Münchner Korps hatte eine Antrittskneipe veranstaltet, für die vom Magistrat eine Lustbarkeitsabgabe verlangt worden uvar. Gegen die Festsetzung dieser Abgabe erhob das Korps Einspruch, worauf der Magistrat den Antrag auf verwaltungsrechtliche Entscheidung stellte. Die Sache beschäftigte dann den verwaltungsrechtlichen Senat der Regierung von Oberbayern, der sich dahin aussprach, daß sowohl Semesterantritts- und -schlußkneiven wie auch Wechnachtskneipen Veranstaltungen im Srnne der Gemeindesatzungen sind und demgemäß der Lustbarkeitsabgabe unterliegen. Gegen diesen Entscheid hat das Korps Beschwerde zum Verwaltungsgerichtshof eingelegt. Universitätsstudium der Frauen. Auf den deutschen Universitäten waren im vergangenen Sommersemester 3436 Frauen immatrikuliert, ein Mehr von 478 gegen das Vorjahr. Dazu kamen noch 1037 Hörerinnen. Besonders vermehrt haben sich die Studenttnnen der Medizin, deren Zahl von 620 auf 790 gestiegen ist. Philosophie und Geschichte studierten 1791 gegen 1635, Mathematik und Naturwissenschaften 659 gegen 539, Staatswiffenschaft und Landwirtschaft 100 gegen 74, Jurisprudenz 49 gegen 39, Zahnheilkunde 26 gegen 28, evangelische Theologie 12 gegen 11, Pharmazie 9 gegen 7. Benrerkenswert ist, daß die Damen besonders die Universitäten der kleineren Städte bevorzugen; abgesehen von Berlin mit etwa einem Viertel sämtlicher Studentinnen sind besonders von den Damen Bonn, Götttngen und Heidelberg besucht, und zwar diese gleichmäßig irn Sorinnerwie im Wintersemester. * * *

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