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KC-Blätter · 1914-01-01 · Heft 4 (1.1.1914) · p. Seite 85

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 4 (1.1.1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 85 (sequence 17)
Language
German
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S8E5SSÄSKSPS5S 85 beglücker, der aus diesem Lager herkommt, ist der Zionismus. Er ist dazu stark beeinflußt durch jenen Amerikanismus, der mehr und mehr das öffentliche Leben Europas verseucht. Losgelöst von allem ungebrochen Jüdischen, von den primitivsten Vorgängen und Ereignissen im Leben der zentralen Massen nichts ahnend, das Herz voll snobistischer Verachtung gegen Bolkskultur, Volkselend, -grüße und -sehnsucht, mit einer unerhört platten und nihilistischen Gesinnung die Dinge des jüdischen Lebens zu Parteizwecken vergewaltigend, ist heute der Zionismus zur vielleicht reaktionärsten Gewalt im innern Leben der Ostjuden gewordenKaum ein Volksproblem, das er nicht salsifiziert hat. Er hat mit den Angelegenheiten der Emigration, mit allen möglichen politischen und kulturellen Lebensfragen des jüdischen Volks kokettiert, er sührt yeute einen brutalen Kamps gegen die Volkssprache, nachdem er vergebens versuchte, den Massen eine untaugliche, durch und durch zionistisch gefärbte Parteischule als Volkserziehungsanstalt auszuzwingen, — und jetzt neuerdings sein Hebräerparoxismus. Es wird das alles — was nicht Vorwurf ist, sondern ruhige Erkenntnis der Rolle/ die der Zionismus im Volksorganismus spielt — durch die folgenden Ausführungen klarer hervortreten. Dann wird es deutlich werden, daß sein Werk nichts anderes ist als ein unaufhörlicher Aderlaß am nationalen Gut und Blut, und daß man dieser Wirkung gegenüber von günstigen I Nebenerscheinungen, die er unter den Westjuden ausgelöst hat, absehen darf. Mehr soll hier nicht I zur Charakterisierung des zionistischen Nationalismus gesagt werden. Man kann ihm heute noch nicht das fest umrissene Bild des alljüdischen gegenüberstellen, -- weil hier das Entwicklungsstadium ja noch ein sehr junges ist. Das Nationalistische, das formelle Bekenntnis zum Nationalismus also, das jenem Hauptforderung und Inhalt war, ist hier auf I eine Selbstverständlichkeit reduziert. Es fehlen die Nöte des Antisemitismus, der Assimilation und der verschiedenen subjektivistischen Zerrissenheiten als Väter einer neuen Quasitugend. Was sich heute überall im Osten an golusbejahenden Stimmen vernehmen läßt, die junge Intelligenz, die nicht nur in der neuen jüdischen Demokratie, sondern die selbst im Bund und andern Arbeiterparteien und nicht zuletzt in der Studentenschaft sich unaufhörlich verstärkt, das hat eine ganz andere, wesenhaftere nationale Bindung — seine gewaltige Nährmutter ist das lebendige Volk. Im alljüdischen Nationalismus i) Noch ist im Osten der Widerstand gegen die zionistische Zielsetzung nicht organisiert. Wie stark aber heute schon fast aüe, die unter Ostjuden etwas bedeuten, den Zionismus ablehnen, das lehrt ein nur flüchtiger Blick in das jüdische Schrifttum. ist das blutvolle Lebensgefühl und die grandiose Selbstherrlichkeit der ostjüdischen Maffen ins Belvußtsein erhoben worden. Das oberste Postulat, das er an jeden stellt, der an den Dingen des jüdischen Lebens arbeiten will, ist dies: daß seine Hände rein seien von der nervösen Unzulänglichkeit volksfeindlichen Maskilismus, sein Herz frei von bourgeoisen Instinkten und dekadenter Zerrissenheit, in seinem Willen keine Trübung durch unjüdische Zielsetzung, seine Sinne empfänglich für den gewaltigen Pulsschlag und alles unterirdische Fließen im Volksorganismus, daß er eine selbsterrungene sinnliche Konzeption des gegenwärtigen Volkes, seiner Größe und seiner Nöte sein eigen nenne. Unnötig zu sagen, daß der Zionismus dieser primitivsten Forderung nicht gerecht werden kann. -i- 4- * Ich komme zum zweiten Jdeenkomplex der zionistischen Ideologie. Der handelt von dem Zerfall und der Entartung der Juden in den Golusländern und ist zu einer regelrechten, mit allen Raffinements moderner Pathologik versehenen VerelendungstheorieausgestaÜet worden. Danach nimmt die Entwicklung des jüdischen Volkes in den Golusländern in jedem Fall einen katastrophalen Verlaufs ökonomische Verelendung, körperliche Degeneration rc. (dies im Fall desWeiterbestehensder russisch-rumänischen Judenpolitik) oder Untergang uno Assimilation im Sinne des westjüdischen „Zerfalls" (im Falle einer freien Entwicklung im Golus). Man sieht hier auf den ersten Blick, daß dieser Jdeenkomplex an sich gar nicht ein rein zionistischer ister kann ebensogut die Grundlage für einen extremen jüdischen Pessimismus abgeben. Dieser tiefe. Pessimismus aller jüdischen Gegenwart gegenüber gehört zu den bemerkenswertesten und auch verdächtigsten Merkmalen des zionistischen Nationalismus und wesst auf jene psychische Grundstimmung hin, aus der die zionistische Ideologie stammt: auf das alte Aufklärertum, das mit dem historisch Gewordenen nichts anzufangen weiß. Zionistisch wird diese Katastrophenlehre erst in ihrer Verbindung mit der durch und durch optimistisch-mystischen Palästinatheorie. Ich kann mir eine Aufdeckung der vielen und ungeheuerlichen methodischen Fehler ersparen, durch die erst ein solch verzerrtes Bild von der jüdischen Gegenwart ensstehen konnte, wie die zionistischen Theoretiker es für ihre Zwecke benötigen. Schon im Julihest der Freistatt habe ich diese gegeben, in einer ausführlichen Krittk der Bibel des Zionismus, des Ruppinschen Buches „Die Juden der Gegenwart". Diese Krittk ist bisher von zionistischer Sette aus unwidersprochen geblieben, trotzdem sie alles erschüttert, was

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