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KC-Blätter · 1914-01-01 · Heft 4 (1.1.1914) · p. Seite 81

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 4 (1.1.1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 81 (sequence 13)
Language
German
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81 organische Herauswachsen aus einem voll entwickelten Unterrichtswesen. Ueber dieses lauten die offiziellen Angaben dahin, daß es bereits zwei hebräische Gymnasien in Jaffa und in Jerusalem, jenes mit 23 Abiturienten gebe, und letztere sich teils nach dem Technikum in Haifa, teils nach der Hochschule in Konstantinopel oder ausländischen Universitäten wenden wollen. Die! Universität Bern habe die Reifezeugnisse bereits I anerkannt. In Deutschland weiß man nichts von Lehrgang und Lehrzielen der Gymnasien, aber begeistern soll man sich für Gymnasium und Universität mit hebräischer Unterrichtssprache, als ob mit letzterer alle guten Geister wahrer Bildung sich von selbst einstellten. Der Typus, der auf so schmaler, schwächlicher Basis für eine Universität sich herausbilden müßte, wird wenig Ähnlichkeit mit!dem bisherigen haben. Der Ehrgeiz der jüdischen Abiturienten wird nur auf Medizin und Naturwissenschaften gerichtet sein; der Jurist müßte türkisches Recht studierender Philologe hat zu wenig Aussichten im Lande. Von jüdischer Theologie darf im zionistischem Lager keine Rede sein- Religion ist dort Priester-" oder Privatsache. Wie anders berührt da die von zwei deutschen Gelehrten und Kulturträgern geforderte An-/ gliederung einer jüdisch-theologischen Fakultät an eine der neu zu errichtenden Universitäten, am besten in Frankfurt a.M.l Besonders.,!• hat Karl Lamprecht in der: „Leipziger Neuesten^ Nachrichten" die Pläne zurückgewiesen, die auf. Abtrennung der theologischen Fakultäten überhaupt zielten, und zugleich im Hinblick auf Frankfurt I die Berücksichtigung des Judentums durch ( Teilung der Fakultät in drei Sektionen ver-,; j langt. Er sprach dabei sehr beherzigenswerte' j Worte über die Beziehung der Glaubensgemeinden' . zum theologischen Wiffenschafrsbetrieb und ver-. f langte einen Ausbau der drei Sektionen nach der' I sozial-charitativen Seite. Das praktische Judentum I als Machtfaktor des ethischen Sozialismus kann, I hier nur freudig zustimmen. Und unabhängig, I davon beleuchtete D. Martin Rade im Juniheft ] Iber „Süd deutschen Monatshefte" die gleiche Frage, und erklärte die Verwirklichung jenes Planes als eine Tat, würdig eines Kulturstaates, der damit nur der Tatsache dreier, nebeneinander wirkender Bekenntnisse Rechnung tragen und, indem er auch die geringe Minderheit stütze, sich^ selber adeln würde. Bei dieser Gelegenheit tritt eine Auffassung unsrer Stellung in Deutschland zutage, die von so schätzenswerter Seite doppelt , wohltut: „Was die 600000 Juden von den meisten Reichsbürgern unterscheidet, ist ihre Religion. Oder ist es die Nationalität? Ist es die Raffe? Es sind heute Zionisten und. Antisemiten bereit, das zu bejahen.^ Aber. man wird die Aufgabe, die das Judentum uns im Deutschen Reiche stellt, nicht dadurch lösen, daß man die Juden als Fremd volk ansieht und behandelt. Ebensowenig wird es sich in absehbarer Zeit in der deutsch-christlichen Masse auflösen. Dagegen ist anerkannt, daß es innerhalb unserer Gesamtkultur einen über die Ziffer mit seinem Einfluß weit hinausreichendenFaktor bedeutet. Dieses Faktors und seiner Bedeutung hat die deutsche Nation, hat die deutsche Wissenschaft, hat der deutsche Staat sich zu bemächtigen. Und er kann ihm erkennend und bildend nur beikommen von seiten seinerReligion, als seines reinsten Etgenbesitzes. Das müssen beideTeile wünschen, Juden und Christen." Religion unser reinster, einziger Eigenbesitz. Wer von deutsch empfindenden Juden kann dieser Auffaffung widersprechen? Auch unsere alte Kultur, unsere Geschichte, unsere Literaturdenkmäler, sie alle münden für uns in Religion, haben nur Wert für uns unter dem Gesichtspunkte religiöser und ethischer Erziehunghier allerdings einen unvergleichlichen, unersetzbaren. Unser Dasein als Juden gilt vorzüglich diesem Eigenbesitz. Es ist merkwürdig; wenn es ein Fernerstehender sagt, erhält es mit einem Male mehr Gewicht. Und D. Rade sieht das Problem durchaus in richtiger Beleuchtung. Beweis dafür ist, daß er die bloße Errichtung von Lehrstühlen für den Talmud in der philosophischen Fakultät ablehnt. „Dadurch", sagt ec wörtlich, „kommt nicht zum Ausdruck, daß das Judentum heute eine lebendige 'Religion ist, von 600000 Reichsdeutschen, hinter denen in der Welt eine Gemeinde von über 11 Millionen steht. Es ist ein Lehrstuhl für Historien, für Wissen nur von einer Vergangenheit." Der protestantische Führer (Herausgeber der „Christi. Well") blickte also auch tiefer, als die Berliner Jüdische Gemeinde, die zur Hundertjahrfeier der Emanzipation ein Gründungskapital für einen „Lehrstuhl", statt für eine Fakultät sammeln wollte — zum Glück ohne Erfolg. Ein gleiches Mißlingen wünschen wir den gutgemeinten Bestrebungen des Orientalistenvereins in Bonn, der nach einer Mitteilung von Dr. Kalischer auf der vorjährigen Rheinischen Rabbiner-Konferenz beim Ministerium wegen eines talmudischen Lehrstuhls für die Bonner Universität vorstellig geworden ist. Nur durch Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät an einer deutschen Hochschule würde nach der Meinung unseres Gewährsmannes die jüdische „Kirche" vor das Licht der

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