KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 3 (1.12.1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 66 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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schäften Dr. Hasbach, Harnrs und Tönnies aus der philosophischen Fakultät aus und treten zur neu gebildeten Fakultät über. Ein Studentendenkmal in Breslau. Die Breslauer Hochschul-Rundschau" enthält einen Aufruf an die deutschen Studenten zur Errichtung eines Denkmals zu Ehren der Breslauer Studenten von 1813 15, die in der großen Volkserhebung vor hundert Jahren eine hervorragende Rolle gespielt haben. In dem Aufruf ist die Hoffnung ausgesprochen, daß alle Sonderbestrebungen bei diesem gemeinsamen Werk der deutschen Studentenschaft verstummen werden. Der Aufruf trägt 38 Unterschriften von Breslauer und auswärtrgcn Profefforen. Das Denkmal soll in Breslau stehen, wo Steffens zum Freiheitskampfe aufrief und Werbestuben die Freiwilligen zu „Lützows wilden Jägern" lockten. Die Heidelberger Säbelmensur im Filmatelier. Da sich die Presse vielfach mit der eigenartigen Tatsache beschäftigt hat, daß in Heidelberg sich Studenten zu einer kinomatographischen Aufnahme einer Säbelmensur zur Verfügung gestellt haben, geben wir der nachfolgenden Zuschrift Raum, die eine sachliche Darstellung des unliebsamen Vorfalles gibt. Schwere Verfehlungen gegen Tradition und Satzungen des Waffenstudententums werden der Heidelberger Landsmannschaft im Coburger L. C. „Cheruskia" im „Heidelberger Tageblatt" zum Vorwurf gemacht. Auch der kü^lich in Leivzig anläßlich der Bölkerschlachtfeier versammelte Extrakongretz beschäftigte sich auf Veranlassung der beiden andern Heidelberger Landsmannschaften mit der Angelegenhett, die folgende Vorgeschichte hat. Die Landsmannschaft „CherusKa" hatte einen Herrn csnri. phil. Achenbach, der gleichzeitig die Stellung eines Dramaturgen bei der Heidelberger Filmfabrik in Heidelberg-Schlierbach bekleidet, anfangs vorigen Semesters Waffenschutz gewährt. Wie allgemein üblich wurde Herr Achenbach auch gelegentlich zu einer Kneipe der Landsmannschaft „Cheruskia" eingeladen, und benutzte derselbe die Gelegenheit, den Erstchargierten der „Cheruskia" dafür zu gewinnen, daß „Cheruskia" sich für eine studentische Auffahrt einer Filmaufnahme stellen sollte. Die Aktivitas lehnte es jedoch als einer schlagenden Korporation unwürdig ab. Derselbe Herr Achenbach verkehrte an einem Stammtisch in der „Kümmelspalterei" mit älteren Semestern, die allen möglichen Korporationen angehört haben. Irgendwelche Beziehungen zur Landsmannschaft „Cheruskia" hatte dieser Stammtisch nicht. Zwei Mitglieder dieses Stammtisches verabredeten mit Herrn Achenbach, im Atelier der Filmfabrik in Schlierbach eine Säbelmensur zwecks Filmaufnahme vorführen zu wollen. Der eine der beiden Paukanten war vor mehreren Semestern einige Wochen lang Fuchs bei „Cheruskia"- das Verhältnis wurde jedoch bald gelöst, und er stand hinfort in keinerlei Beziehung zu dieser. Herr Achenbach benutzte weiterhin seine Beziehungen als Waffenbeleger der „Cheruskia" dazu, daß. er in den letzten Tagen des vergangenen Sommersemesters privattm den Jechtchargierten der „Cheruskia" um leihweise Ueberlaffung von Waffen der „Cheruskia" für die Filmaufnahme bat. Der Fechtchargierte, ein Jungbursch, sagte privatim zu, schwarze Waffen leihen zu wollen, indem er ausdrücklich erklärte, daß selbstredend die offiziellen Waffen der „Cheruskia", die die Farben der Landsmannschaft im Säbelkorb tragen, für solchen Zweck unter keinen Umständen hergegeben werden könnten. Herr Achenbach ließ die schwarten Waffen durch den Couleurdiener nach dem Atelier der Filmfabrik bringen, und der Couleurdiener bandagierte auch, ohne daß er jedoch Auftrag seitens seiner Landsmannschaft erhalten hatte. Den Mitgliedern der „Cheruskia" war es nicht bekannt, ob die verabredete Säbelpartie eine kommentgerechte Mensur sein sollte. Die leihweise Hingabe schwarzer Waffen ist auch keineswegs mit Zustimmung des Konventes der Landsmannschaft erfolgt. Auch waren weder die Paukanten, noch die Sekundanten, Testanten und der Unparteiische Mitglieder der „Cheruskia". Einige Cherusker haben allerdings sich den vermeintlichen „Bierulk" angesehen. Als die Filmaufnahme dann am Nachmittag vor sich gehen sollte, kamen zwei anwesenden Mitgliedern der „Cheruskia" Bedenken, und sie zogen sich von der Bildauftrahme zurück, während bedauerlicherweise einige andere Cherusker auf Zureden des Herrn Achenbach blieben und so auf das Bild kamen. Anwesend war auch als „Paukarzt" ein älterer auswärtiger Landsmannschafter. Der Konvent der Landsmannschaft „Cheruskia" hat noch vor Schluß des Sommersemesters die Angelegenheit untersucht und die Chargierten ihres Amtes enthoben und gegen diejenigen Herren der „Cheruskia", welche bei der Filmaufnahme anwesend gewesen, Strafantrag gestellt. Die Behauptung des Heidelberger Tageblatts", daß „Cheruskia" offiziell zwecks Stellung der „Staffage mitgewirkt habe, ist eine grobe Entstellung der Taffachen. Inzwischen hat der Konvent der „Cheruskia" die Chargierten, welche die schwarten Waffen verliehen haben, in perpetuum dimittiert und sämtliche Aktiven, die durch eigenes Verschulden mitgefilmt waren, aus der Landsmannschaft enffernt. Der Alte-Herren-Verband der Landsmannschaft „Cheruskia" trat trotz der Universitätsferien unverzüglich an die Heidelberger Filmfabrik heran, um den Film an sich zu bringen, und hat denselben mit allen Rechten für den hohen Preis von 750 Mark erworben, so daß er nicht in die Oeffentlichkeit gelangen kann. Irgendwelche Vergütung oder Vorteile sind weder der „Cheruskia" noch irgend einem Mitgliede derselben, weder für das Leihen der schwarten Waffen noch für die private Teilnahme einzelner Mitglieder angeboten oder von diesen akzeptiert worden. Die ganze Geschichte beruhte also auf unüberlegten Handlungen einzelner jüngerer Mitglieder, die dafür ihre gewiß harte Strafe des Ausschlusses aus der Korporation erhallen haben. Die Landsmannschaften „Teutonia" und „Zarinaia" in Heidelberg, welche von den Vorgängen erfahren hatten, stellten gegen „Cheruskia" einen Antrag auf Bestrafung. Der Extrakongreß in Leipzig verhängte eine Strafe von vier Semestern Renoncieren, d. h. sie hat während dieser Zeit im Koburger L.C. nur beratende Stimme. Im übrigen bleibt sie selbstverständlich nach wie vor Mitglied des Koburger L.C. und tritt nach Ablauf genannter Frist ohne neue Abstimmung des Koburger L. C. wieder in ihre vollen Rechte ein. Die Strafe wurde vom Kongreß in Leipzig verhängt, weil er glaubte, der Landsmannschaft „Cheruskia", obwohl sie zugegebenerweise der Angelegenheit offiziell durchaus fernstand, doch eine gewisse Verantwortung zuschreiben zu müssen, weil es möglich war, daß einige ihrer Mitglieder sich zu einem derarttg unüberlegten Schritt Hinreißen ließen. Nachdem „Cheruskia ihre schuldigen Mitglieder bestraft hatte, war der Sache der Deutschen Landsmannschaft nicht damit gedient, die Vorgänge, die ja an sich bedauerlich sind, durch Bestrafung der Landsmannschaft „Cheruskia" an die breite Oeffentlichkeit zu ziehen und sie derart aufzubauschen. Die Landsmannschaft „Cheruskia" ist 1880 gegründet, war anfangs „Neuphilologischer Verein" und setzte 1908 Farben auf, nachdem sie bereits seit 1907 auf eigene Waffen Bestimmung gefochten. Seit Oktober 1908 gehört „Cheruskia" der Deutschen Landsmannschaft an; sie war stets in Heidelberg beliebt und angesehen und hat ihr Landsmannschastertum treu betätigt, besonders auch durch Unterstützung schwacher Landsmannschaften.