KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 3 (1.12.1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 63 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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63 Während wir öfters kleinere Spaziergänge am Rhein entlang zu unserer Exkneipe Dreesen machten, um uns dort zu einer Bowle zu vereinigen, machten wir vor kurzem eine Tagestour in das Ahrtal, ein Tal, dessen Schönheit man nicht genug rühmen kann. Eine gemütliche Bowle vom berühmten Ahrwein schloß die ganze Tour harmonisch ab. — Nachmittage im Konzert auf der Gronau wechseln mit denen bei Dreesen ab. — Am 8. November feierten wir unsere Semester-Antrittskneipe. Eine vollbesetzte Tafel bürgte für das Gelingen der Feier. Ueberallher waren A. H. A. H. und Kb. Kb. gekommen, damit das Semester möglichst feierlich eingeweiht würde. Soviel A. H. A. H. und Kb. Kb. hat unsere Kneipe selten zur Antrittskneipe gesehen! Besondere Freude war es uns, eine große Zahl Bonner Philister begrüßen zu können. Nach dem ersten üblichen Trunk auf den Kaiser sprach der Erste den Philistern unseren Dank aus für das zahlreiche Erscheinen und schloß mit dem Wunsche, daß das gute Einvernehmen der Philisterschaft mit der Verbindung für ewig bestehen möge. Nach einer kurzen Altherrenrede folgte die Tendenzrede unseres i. a. B. Alexander. In der Ausführung seines Themas ,,Die Tendenzkorporation" wies er darauf hin, daß, wie der Geist und Körper, die Tendenz und Korporation ein einziges Ganzes bildeten. Die Tendenz nur gebe der Korporation den Gehalt; nur durch stramme korporative Vereinigung könne die Tendenz verwirklicht werden. Und gerade bei den K. C.-Verbindunaen treffe das in höchstem Maße zu; die Verbindung ist die verkörperte Tendenz. Im Anschluß daran dankte Herr l)r. Lichtenstein im Namen der Philister für die Einladung und betonte die Wichtigkeit der geistigen Ausbildung für die studentische Jugend, besonders für uns Juden. — Dem strammen Offizium folgte eine urgemütliche Fidulität, die erst sehr spät endete. — Den Tag nach der Antrillskneipe feierten wir bei einer Bowle bei Dreesen, wohin wir in einer stattlichen Reihe offener Wagen gefahren waren. — Durch die Einrichtung der allwöchentlich einmal auf dein Haus stattfindenden Spielkneipe scheint sich ein Ziel zu verwirklichen, nach dem man schon lange gestrebt hatte: die regelmäßige Durchführung der wissenschaftlichen Abende. Auf jeder Spielkneipe werden Vorträge gehalten, sei es von Aktiven, sei es von Inaktiven — auch Kartellbrüder haben sich zu Borträgen bereit erklärt — über ein beliebiges Thema. Die Vorträge aus der Fuchsenstunde werden in veränderter Form auf den Spielkneipen gehalten; so: „ein Vergleich der jüdischen und christlichen Ethik" und „die Erscheinungsformen des Antisemitismus im Mittelalter und in der Neuzeit". Offiziell hörtenwir den Vortrag unseres i. a. B. Alexander im jüdischen Jugendbund über Hebbel, ein Dichterleben". — Durch diese Veranstaltungen hoffen wir die geistigen Interessen unserer Mitglieder zu fördern. — Die definitiven Chargenwahlen hatten folgendes Ergebnis: Max Mond x, F. W., 1. C. W., V. i. A., T, W., Paul Lichtenstein x x, S. W, Fritz Heymann x x x, K. W., E.R. E.R.: Mond, Blank, Heymann, Lichtenstein, Alexander, Löwenthal. Ghibellinia. Es ist uns gelungen, drei kraffe Füchse zu gewinnen, eine Zahl, die in Freiburg im Wintersemester noch kaum erreicht wurde. — Ferner hat unser A. H.-V. einen erfreulichen Zuwachs zu verzeichnen durch die Ernennung des Herrn Dr. Joseph Lewy, Freiburg-Günterstal, zum A. H. h. c. der Verbindung Zum ersten Male durften wir ihn auf unserer Antrittskneipe als neuen A. H. begrüßen, wo er in anregenden und begeisternden Worten seinen Gefühlen und seiner Stellung zum K. C. Ausdruck verlieh. Wir haben in diesem Semester sodann eine Einrichtung getroffen, die sich bisher gut zu bewähren scheint: Alle 14 Tage oder drei Wochen halten wir Tendenzabende ab, zu denen wir unsere Couleurdamen, -die Freiburger jüdischen Vereine und Philisterschaft, vor allem aber auch die jüdischen Studentinnen einladen, um sie in unsere Gedankenkreise einzuführen und mit der K. C -Tendenz vertraut zu machen — Auf dem ersten Abend durften wir etwa 40 Gäste begrüßen. Unser l. Bbr. Seligmann hielt eine wohlgelungene Rede 'über das Thema: „Was ist das Judentum?", an die sich eine angeregte längere Diskussion anschloß. Dann blieben wir auf unserer Kneipe noch bis tief in die Nacht hinein gemütlich beisammen, wobei ernste und heitere Vorträge aller Art uns die Zeit vertrieben. — 'An den Vortragsabenden des hiesigen jüdischen Jugendbundes beteiligten rvir uns regelmäßig fast vollzählig. Auf einem schön verlaufenen Festabend des Lesevereins erschienen rvir in corpore. Aber neben der geistigen vernachlässigen wir die körperliche Ausbildung nicht. Wir machten einen zweitägigen Ausflug in den Schwarzwald nach St. Blafien, wo wir unsern l. A. H. Speier besuchten. Fast jeden Nachmittag steigen die Bundesbrüder, Wind und Wetter trotzend, hinauf in die Berge, um die herbstlich-kräftige Schönheit des Gebirges zu genießen. — Wir stehen eben in Unterhandlung wegen einer großen mehrzimmerigen Skihütte in schönster Lage zwischen Schauinsland, Feldberg und Belchen. Daß Turnen, Schwimmen und vor allem Fechten nicht vernachlässigt wird, ist selbstverständlich. — ' Und so sehen wir mit einer Aktivitas von 14 Mann einem genußreichen Wintersemester entgegen, reich an sportlicher und wiffenschaftlicher Anregung, und sind überzeugt, daß das Semester weiter so schön und harmonisch verlaufen wird, wie es begonnen hat. — Zum Schluffe teilen wir noch das Ergebnis der definitiven Chargenwahlen mit: Lahnstein X, 1. C. W., F. W. T. u. S. W>, Goldschmidt xx, Kauffmann x x x, S. W., Jacobsohn K.W., Marcus Z. W., Jtzig F. M. f. C., Seligmann F. M. f. T., 2. C. W. Unsere krassen Füchse sind: Paul Katzenstein, stud. med. aus Duisburg; Urias, stud. iur. aus Hamburg; Erich Guckenheimer, stud. iur. aus Frankfurt a. M. A. H.-B. Friburgo-Ghibellima. Durch Beschluß der Verbindung Ghibellinia ist dem Herrn Dr. med. Josef Lewy, praktischen Arzt in Güntersthal bei Freiburg, iionoris causa wegen seiner vielen langjährigen Verdienste um die Verbindung das Band verliehen worden. Viadrina-Darmstadt. Wir eröffneten das Wintersemester am 22. Oktober mit kleiner Aktivitas. Unsere Keilarbeit, die wir sofort einsetzten, war von Erfolg gekrönt. Zwei kraffe Füchse konnten wir als Bundesvrüder begrüßen: stud. mack. Julius Nußbaum aus Cassel und stud. srck. Fritz Heinrichsdorff aus Colberg. Bei den Feierlichkeiten in Leipzig chargierten wir. Dre in Darmstadt anwesenden Bundesbrüder fuhren zur Begehung der Jahrhundertfeier der Völkerschlacht nach Heidelberg; auch zur Antrittskneipe der Bavaria waren wir dort vertreten. Am 18. November folgten wir der Einladung der Frankfurter K.C.er zu einem Vortragsabend, wo Kb. Dr. Warmbrunn über K. C.-Geschichte sprach. Unsere Semesterantrittskneipe am 22. November nahm einen feuchtfröhlichen Verlauf. Unsere Stellung nach außen und in der Philisterschaft ist dieselbe gute wie in den Vorhergegangenen